16.03.2019 
Automobile Sonderlinge

Einfach unverwechselbar

BMW AG/dpa-tmn

2. Teil: Wider die angepasste Modellpolitik

Eine weitere Rolle spiele bei solch eher skurrilen Autos die Seltenheit. Nach den Gesetzmäßigkeiten der Wahrnehmung sei die Prägnanz eines Produkts ein wichtiges Kriterium für ihre Attraktion. Das sei auch der Grund, weshalb sich der VW Käfer so lange auf dem Markt gehalten habe: "Unter den vielen Mitbewerbern war er in den letzten Jahrzehnten seiner Produktion einfach unverwechselbar."

Trotzdem zählen solche automobilen Sonderlinge oft zu den Problemfällen auf dem Liebhaber-Markt, sagt Paolo Ollig von der Old- und Youngtimer-Handelsplattform Classic Trader: "Angebotsseitig haben die Exoten den Nachteil, dass sie mitunter wegen Produktionsmängeln oder anderer Nachteile damals wirtschaftliche Misserfolge waren und entsprechend wenige Exemplare produziert wurden."

Außerdem seien viele dieser Autos wie die meisten Klein- und Kompaktwagen aus den 1990ern "verheizt" worden, ohne dass es wirtschaftlich und emotional sinnvoll gewesen wäre, sie als Klassiker zu konservieren. Aber der Blick in seine Datenbank bestätigt Ollig, dass sich immer Enthusiasten fänden, die sich für Autos begeistern könnten, die von der breiten Masse abgelehnt würden. Allerdings müssten Anbieter wie Interessenten etwas mehr Geduld mitbringen als bei gängigen Modellen wie Mercedes W 123 oder Porsche 911.

Zwar hat vor allem die gründliche Marktforschung der Hersteller in den vergangenen Jahren für eine sehr angepasste Modellpolitik gesorgt, Exoten sind seltener geworden. Doch immer mal wieder setzen sich Designer oder Entwickler über alle Zweifel hinweg und bauen Autos, die im besten Falle polarisieren und im schlimmsten Fall beim Publikum durchfallen. Die Coupés von BMW Z3 und Z4 sind dafür genauso Beispiele wie der Audi A2, die Shooting Brakes von Mercedes CLA und CLS oder die Cabrios von Range Rover Evoque und Nissan Murano.

Die vergleichsweise kleinen Stückzahlen mögen den Hersteller die Bilanzen verhageln. Doch für die Liebhaber sind sie ein Segen, garantieren sie ihnen doch einen raren Young- oder Oldtimer, der oft für deutlich weniger Geld zu haben ist als beliebtere Autos mit größerem Fahrzeugbestand. "Und oft genug hat der Markt später gedreht und die einstigen Außenseiter wurden plötzlich zu echten Liebhabern mit steigenden Preisen", sagt Tumminelli.

Das ist allerdings die Ausnahme, sagt Ollig. "Denn schlussendlich sind die Rahmenbedingungen aus Angebot und Nachfrage sowohl für die häufig gehandelten Fahrzeuge als auch für die Exoten ähnlich." Sie seien gewissermaßen die Nische innerhalb der Nische - mit dem Nachteil, dass neben dem Glamour-Faktor auch Angebot und Nachfrage geringer seien. Doch dafür seien sie eben auch etwas exklusiver.

Und wie man bei Messen und auf Treffen sehen könne, gäbe es mittlerweile für nahezu alle Fahrzeuggattungen und Modelle eigene Clubs. "Für deren Mitglieder zählt am Ende die Individualität: Sie starten lieber mit dem einzigen Suzuki Swift der ersten Generation bei einer Oldtimer-Rallye, als mit der zehnten Pagode", so Ollig.

Dass sich solche Menschen bisweilen der Kritik erwehren müssen, daran haben sie sich längst gewöhnt. Multipla-Fahrer Filter jedenfalls begegnet dem Spott am Straßenrand deshalb längst mit einem flotten Spruch: "Die Multipla ist nicht geparkt, sondern ausgestellt."

Thomas Geiger, dpa

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