17.11.2018 
Eine Fahrt im Formel-E-Rennwagen

Im Elektrorenner über Mallorca

Audi AG/dpa-tmn

2. Teil: Leisetreter mit 240 km/h Spitze

Zwar ist auch der F05 E-Tron ein Leisetreter: Wo sich die Teams sonst anschreien müssen, stört hier nur ein scheues Surren den Funkverkehr zwischen Fahrer und Boxencrew. Doch an Emotionen mangelt es ihm nicht: Wenn man in weniger als drei Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, auf einer nicht einmal 200 Meter langen Geraden bald 180 km/h erreicht und den Wagen am eigenwilligen Lenkrad enger um die Ecken zirkelt, als man es sich je hätte träumen lassen, kann man auf das bisschen Motorsound und Vibrationen gut verzichten. Denn schon so können die sieben Sinne den Rausch des Rasens kaum verarbeiten. Und dass der Formel-E-Wagen mit seinen 240 km/h Spitze langsamer ist als viele Serienautos, fällt dabei auch nicht ins Gewicht.

Dabei ist das hier nur ein leichtes Training. Denn als wären die Fahrzeugbeherrschung und der Kampf mit den anderen Piloten nicht schon Herausforderung genug, haben die Macher der Formel-E-Rennserie noch reichlich Spielraum für Spannung und Strategie im Regelwerk gelassen. Zwar reichen die neuen Akkus, die Technologiepartner McLaren für alle Teams entwickelt hat, jetzt für ein ganzes Rennen, und der Fahrzeugwechsel zur Halbzeit entfällt. Doch dürfen die Teams nur mit 70 Prozent der Ladung starten und müssen sich den Rest durch Rekuperation beim Bremsen, durch Segeln ohne Motor und durch eine geschickte Taktik dazuverdienen.

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Und auch die Leistung ist im Feld nicht immer gleich: Die drei beim Publikum beliebtesten Fahrer bekommen mit dem sogenannten Fanboost für einen Überholvorgang kurzfristig 250 kW/340 PS freigeschaltet. Jeder Fahrer muss einmal im Rennen von der Ideallinie runter und drei Kontaktschleifen überfahren, darf dann aber für etwa drei Runden 25 kW/34 PS mehr nutzen. Und selbst das Ende des Rennens ist offen. Denn gefahren wird immer 45 Minuten und eine Runde, so dass der Führende in der Hand hat, wie lange der Lauf tatsächlich dauert.

Hat er genügend Reserven und geht nach 44.58 Minuten durchs Ziel, stehen noch zwei Runden aus, will er es kurz machen, verzögert er bis 45.01 und muss nur noch eine Runde fahren. Kein Wunder also, dass nicht nur der Fahrer, sondern das ganze Team unter maximaler Anspannung steht - selbst wenn die üblichen Reifenwechsel oder Tankstopps wie in der Formel 1 nicht zur Formel E gehören.

Dass nach einer Renndistanz die Batterien leer sind, ist deshalb zwar nicht unbedingt ein Pluspunkt für die Elektromobilität. Aber für den Fahrer ist das ein Segen, erst recht, wenn er kein Profi ist. Denn dessen Akkus sind schon viel früher erschöpft. Und zwar so sehr, dass man mitunter nicht einmal mehr alleine aus dem Auto kommt. Gut, dass der Wagen deshalb jetzt erst mal 45 Minuten laden muss. Bis die Akkus voll sind, ist auch der Fahrer wieder bei Puste und irgendwie aus dem Wagen geklettert.

Thomas Geiger, dpa

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