17.02.2020 
McLaren GT im Fahrtest

Rasend gemütlich

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Eigentlich ist alles wie immer bei McLaren, wenn der Fahrer in den Sport- oder gar Race-Modus wechselt. Bei der Ausfahrt über die Bergstraßen der Haute Provence stürzt sich der GT gierig in jede Kurve, um kurz nach dem Scheitelpunkt brachial zu beschleunigen. Die Lenkung ist ultrapräzise, die Bremsen packen zu wie die Fangseile auf den kurzen Landebahnen eines Flugzeugträgers.

McLaren GT
Technik
620 PS
462 kW aus V-8 Biturbo
270 g CO2-Emission/km (WLTP-Standard)
Dynamik
3,2 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
326 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 198.000 Euro

Gleichzeitig jedoch - und das ist neu - sitzt man nicht mehr so bretthart wie früher, kann sich während der Fahrt unterhalten und sogar ordentlich Gepäck mitnehmen. Denn der neue McLaren ist ein Gran Turismo, mithin ein Sportwagen auch für die Langstrecke. Dank seines Carbon-Monocoques wiegt er nur 1530 Kilo, der etwa gleich starke Bentley Continental GT bringt gut 50 Prozent mehr auf die Waage. Allerdings hat der Bentley auch vier bequeme Reisesessel, wo der McLaren wegen seines Mittelmotors nur zwei haben kann.

Der GT soll trotzdem ein neues, größeres Marktsegment für den englischen Supersportwagenbauer erobern; hierfür wurden angeblich zwei Drittel der verbauten Teile neu entwickelt. Die Maschine ist zum Beispiel 50 PS stärker als der Vorgänger - was jedoch keine Auswirkung zeigt, solange der Antrieb im Normal-Modus läuft. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet dann automatisch früh hoch, nervöse Gasfüße müssen sich auf ein vergleichsweise zögerliches Ansprechen des Triebwerks, bei niedriger Drehzahl gar auf ein Turboloch gefasst machen.

Dass sich die zwei Gepäckabteile des McLaren, die insgesamt 570 Liter fassen, nur mit dem auf Maß gefertigten und als Extra angebotenen Taschen- und Koffer-Kit sinnvoll befüllen lassen, soll uns recht sein. Denn immerhin passen hinten zwei Paar Skier der Länge nach rein. Und sie verglühen trotz der 540 Grad heißen Auspufftöpfe nicht mal, sondern werden geschützt: von einem Material, das die Nasa für Raumanzüge entwickelt hat.

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