05.11.2019 
Mercedes EQC im Fahrtest

Cleverer Koloss

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Für Autofahrer, darauf kann sich alle Welt schnell einigen, ist Norwegen das langweiligste Land der Erde: Ein streng überwachtes Tempolimit von 80 Stundenkilometern auf großen Landstraßen, 60 auf kleineren und 40 in vielen Ortschaften macht die Fortbewegung zu einer Art Schlafwandlerei. Für Testfahrten mit Elektromobilen ist das ideal: Wenn alle brav kriechen wie Schildkröten, hält die Batterieladung einfach länger. Zudem gibt es in und um die Hauptstadt Oslo in Sichtweite praktisch immer eine Schnellladestation.

Mercedes hatte also gute Gründe, das erste Modell seiner neuen E-Familie, den EQC, in Oslo vorzustellen. Es basiert auf dem Verbrenner-SUV namens GLC, doch wegen des Umbaus auf Elektroantrieb sollen 85 Prozent neue Bauteile mitfahren. Die Touchscreens eines breiten Displays ersetzen das Armaturenbrett, kupferfarbene Belüftungsdüsen und andere Details zeigen Geschmackssicherheit.

Mercedes EQC
Technik
408 PS
300 kW Systemleistung
0 g CO2-Emission (lokal)
Dynamik
5,1 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
180 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 71.281 Euro

Wie alle Elektrofahrzeuge imponiert auch der EQC mit einem enormen Drehmoment, mit seinen 760 Newtonmetern gewinnt der hohe Kasten jeden Ampelsprintstart. Seinen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern wie dem Audi e-tron oder Jaguar i-Pace entfaltet er jedoch in den Raffinessen des Bedienungsprogramms. Fährt man zum Beispiel mit Tempomat und Abstandsautomatik und stellt den Fahrmodus auf "Max Range", dann berechnet der Bordcomputer aus Navigationsdaten ständig die optimale Einstellung des Antriebsstrangs. Das hat dann schon viel von autonomem Fahren und hilft, Strom zu sparen. Reichweiten wie die versprochenen 470 Kilometer scheinen damit machbar.

Die 2,5 Tonnen Leergewicht samt 650 Kilo Batterien im Wagenboden können aber nicht wegdigitalisiert werden. Bei Elchtestmanövern ächzen die adaptiven Stoßdämpfer, und die hohe Karosse gerät ins Schwanken. Obwohl: Zumindest in Norwegen fährt man so langsam, da müsste eigentlich jeder Elch vorher ausweichen können.

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