08.10.2019 
Aston Martin DBS Superleggera im Fahrtest

Brüllender Zwölfzylinder

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6. Teil: Rolls-Royce Cullinan: Fährt sich besser, als er aussieht

Es ist gut 100 Jahre her, dass Lawrence von Arabien, Geheimagent seiner Majestät, den ersten geländegängigen Rolls-Royce durch die arabische Wüste kutschierte. Es ging gegen das Osmanische Reich, und der Silver Ghost war derart gepanzert, dass selbst dem Tausendsassa das Steuern schwerfiel.

Nun hat Rolls-Royce gewissermaßen nachgelegt, mit seinem ersten SUV. Der Koloss heißt Cullinan, nach dem Diamanten, der für die britischen Kronjuwelen verarbeitet wurde, und wirkt tatsächlich wie ein Rolls - nur eben auf Stelzen und mit Anhängerkupplung. Der monumentale Kühlergrill ist aus poliertem Chrom, die Fondtüren sind hinten angeschlagen, so wie es die Liebhaber der Marke kennen.

Die gute Nachricht: Der Wagen fährt sich besser, als er aussieht. Wofür, unter anderem, der vom Mutterhaus BMW entwickelte und zuletzt wieder im Phantom verbaute Zwölfzylinder sorgt. Meine Fahrt führt in die amerikanischen Rockies. Die Schlaglöcher der Feldwege hinter dem ehemaligen Cowboystädtchen Jackson stellen für die Luftfederung kein Problem dar, die Champagnerkelche der Bordbar klirren nicht mal.

Rolls-Royce Cullinan
Technik
571 PS
420 kW aus V-12-Zylinder-Turbo
341 g/km CO2-Emission
Dynamik
5,2 Sekunden Beschleunigung von 0 auf 100 km/h
250 km/h Spitzengeschwindigkeit
Preis
ab 315.350 Euro

Bei Bedarf erhöht ein Druck auf die Offroad-Taste die Bodenfreiheit von 19 auf 23 Zentimeter, in den Tiefen des Bedienmenüs finden sich vier Programme für verschiedene Fahrwerk- und Antriebskonstellationen, die bei Schlamm, losem Sand, Schnee oder Geröll helfen. Plus ein Bremsassistent, der bei steilen Abstiegen die Kraft genau auf das am meisten bedürftige Rad lenkt.

Obwohl es keine spezielle Geländeuntersetzung gibt, meistert der Koloss den Anstieg über die angeblich steilste Skipiste der USA mühelos: Der Maschine entfährt dabei allenfalls ein Säuseln.

Zurück auf den Straßen von Wyoming gestaltet sich der Rest der Ausfahrt wegen der Tempolimits eher unspektakulär, wenn auch sehr angenehm. Das Gefühl vom fliegenden Teppich bleibt auch im Cullinan das typische Erlebnis des Rolls-Fahrens.

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