20.06.2019 
Federal Reserve

US-Notenbank deutet Zinswende an

Die amerikanische Notenbank Fed hält ihren Leitzins konstant, blickt aber weniger optimistisch in die Zukunft. Dadurch werden künftige Zinssenkungen wahrscheinlicher.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins zunächst unverändert gelassen. Das Zielband für den Leitzins "Fed Funds Rate" verharre zwischen 2,25 und 2,50 Prozent, teilte die Fed nach einer Sitzung in Washington mit. Analysten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Die US-Börsen schlossen kaum verändert: Der Dow Jones legte zum Vortag um 0,1 Prozent zu, während der Nasdaq Composite um 0,4 Prozent höher schloss.

Wichtiger ist allerdings, welchen Ausblick die amerikanischen Währungshüter geben - und da trüben sich offenbar die Aussichten. So ist fast die Hälfte der Währungshüter der Ansicht, dass in der zweiten Jahreshälfte niedrigere Zinsen angemessen sein dürften. Im Mittel blieb das Fed-Führungspersonal jedoch bei der Prognose, dass das Niveau so bleiben könnte.

Im vergangenen Jahr hatte die Fed vier Mal die Zinsen angehoben. Die letzte Erhöhung im Dezember war die neunte Anhebung seit Ende 2015. Zuletzt zeichnete sich aber eine Zinswende in den USA ab. Angesichts der wirtschaftlichen Abkühlung wird an den Finanzmärkten auf Leitzinssenkungen im weiteren Jahresverlauf spekuliert.

Tatsächlich strich die Fed im Begleittext zu der geldpolitischen Entscheidung das Schlüsselwort "geduldig", das bislang eine anhaltende Zinspause signalisiert hatte. Fed-Chef Jerome Powell hatte jüngst eine "angemessene Reaktion" auf konjunkturelle Auswirkungen des internationalen Handelsstreits in Aussicht gestellt und damit die Tür für Zinssenkungen aufgestoßen.

Druck von Draghi und Trump

Die Fed steht von zwei Seiten unter Druck: Zum einen hat die Europäische Zentralbank (EZB) kürzlich eine weiterhin lockere Geldpolitik angekündigt. Zum anderen drängt US-Präsident Donald Trump die amerikanischen Währungshüter zu Zinssenkungen. Namentlich Powell kritisierte er öffentlich: Die Währungshüter hätten "keine Ahnung".

Nach der Zinsentscheidung legte der Euro zum Dollar zu. Die Renditen der US-Anleihen gaben nach.

Ökonomen reagierten unterschiedlich auf die Zinsentscheidung der Fed. Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe sagte: "Der Geduldsfaden der Fed im Umgang mit dem Leitzins ist noch nicht gerissen. Die Wirtschaftslage der USA ist nicht so schwach, dass eine rasche Zinssenkung notwendig wäre. Diese hätte vielmehr den schalen Beigeschmack, die Fed gäbe dem beständigen Poltern von US-Präsident Donald Trump nach. Dennoch stellt sich die Fed auf eine Zinssenkung ein. Ihre Bereitschaft, angemessen zu handeln, sollte sich die konjunkturellen Abwärtsrisiken verstärken, hat sie heute bekundet."

Andrew Harman von First State Investments sagte: "Die Fed hat dem Druck widerstanden, die Zinsen zu senken. Damit hält sie sich alle Optionen für das Juli-Treffen offen und somit weitere Wirtschaftsdaten sowie den Verlauf des G20-Gipfels in Japan abzuwarten."

SPON

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