14.06.2018 
Lebensversicherte vor einem Scherbenhaufen

Das große Scheitern im Schatten der Fußball-WM

Eine Meinungsmache von Axel Kleinlein

4. Teil: Totalversagen statt Transparenz

Dann gab es da noch das Ziel der "Transparenz der Kosten über eine sogenannte Gesamtkostenquote" (Karliczek): Um für eine höhere Transparenz zu sorgen, wurde sogar eine für staatlich geförderte Altersvorsorgeprodukte (Riester- und Rürup-Renten) eigene Behörde geschaffen (die "Produktinformationsstelle Altersvorsorge gemeinnützige GmbH"). In dieser wird versucht, dafür zu sorgen, dass das krude formulierte Ziel der "Gesamtkostenquote" mit Leben und Transparenz gefüllt wird. Geklappt hat das bisher nicht. Und dann steht diese Kostenquote noch in Konkurrenz zu anderen Angaben, die nach EU-Recht für nicht staatlich geförderte Produkte gefordert sind!

Deshalb wird jetzt darüber nachgedacht, dass man das mit einer eigenen Transparenzdarstellung einfach sein lässt und sich einfach auf die europäische Lösung stützt. Das entspricht dann einem Totalversagen des LVRG. Denn die Politik hat sich ja damals ganz bewusst für eine eigene deutsche Lösung entscheiden.

Nebenbei gab es noch (positiv!) die Beteiligung der Versichertengemeinschaft an den Risikogewinnen nun zu 90 Prozent anstatt 75 Prozent. Angesichts der derzeit sehr geringen Umfänge dieser Überschüsse, die zudem noch gegengerechnet werden können, ist das angesichts der massiven Schlechterstellung bei den Bewertungsreserven zu vernachlässigen.

Das Fazit lautet: Das LVRG ist gescheitert, es war nie ausgewogen und es benachteiligt alle Versicherten gleichermaßen, ohne dass die Unternehmen gleichermaßen Abstriche machen.

PS: Da ist es zwar charmant, wenn Herr Binding die damalige Debatte mit den Worten beendete: "Ich glaube, dass die Versicherten mit diesem Gesetz eine gute Zukunft haben. Schönen Dank und alles Gute." Aber der Glaube an das Gute reicht nicht, erst recht nicht, wenn man es mit Lebensversicherern zu tun hat.

Axel Kleinlein ist Chef des Bundes der Versicherten (BdV), Deutschlands größter Verbraucherschutzorganisation für Versicherte, und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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