08.05.2019 
Hoffnung am Wohnungmarkt

Experten melden ersten Mietrückgang seit Jahren - sogar in München

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Steigende Preise, steigende Mieten - die Meldungen über die Lage an den deutschen Immobilienmärkten haben inzwischen seit Jahren den immer gleichen Tenor. Die daraus vielerorts resultierende Knappheit an bezahlbarem Wohnraum spitzt sich inzwischen bereits derart zu, dass Tausende Menschen auf die Straßen gehen und für eine bessere Wohnungspolitik demonstrieren. Selbst die Enteignung großer Immobilienkonzerne wird mitunter gefordert.

Vor dem Hintergrund kann das Ergebnis einer Analyse der Immobilien-Beratungsgesellschaft F+B womöglich als Silberstreif am Horizont gedeutet werden: Erstmals seit 2005, so teilt das Unternehmen mit, sind im ersten Quartal 2019 die Mieten bei neuen Mietverträgen gegenüber dem Vorquartal im bundesweiten Schnitt gesunken.

F+B beobachtet seit Jahren das Geschehen an den hiesigen Immobilienmärkten. Der Wohn-Index, in dem das Unternehmen die Entwicklung von Preisen und Mieten zahlreicher Städte und Regionen bundesweit zusammenfasst, reicht zurück bis ins Jahr 2004.

Insgesamt, so lautet das aktuelle Fazit der Experten, ist die Wachstumsdynamik am deutschen Wohnimmobilienmarkt auch durchaus weiterhin ungebrochen. Die Preise von Eigentumswohnungen beispielsweise stiegen im ersten Quartal 2019 ebenso weiter an, wie jene von Ein- und Zwei-Familienhäusern. Auch mit den Bestandsmieten ging es weiter aufwärts, so F+B.

Mietrückgang auch in Frankfurt, Hamburg und Berlin

Bei den Neuvertragsmieten jedoch gab es jene bemerkenswerte Unterbrechung der lange Zeit stetigen Entwicklung. Zwar stiegen diese Mieten bundesweit im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres ebenfalls an (nämlich um 2 Prozent). Gegenüber den letzten drei Monaten 2018 jedoch ging es diesmal abwärts, und zwar im Schnitt um 0,3 Prozent.

Es könne festgestellt werden, dass das Wachstum der Neuvertragsmieten in der deutschlandweiten Durchschnittsbetrachtung eine Pause einlegt, kommentiert F+B-Chef Bernd Leutner die Erkenntnis seines Hauses nüchtern. Und er fügt hinzu: "Ob sich dieser Trend auch in den nächsten Quartalen festigt, ist wahrscheinlich eine der spannendsten Fragen der Wohnungspolitik überhaupt."

Was dabei ebenfalls auffällt: Der Rückgang der Neuvertragsmieten war keineswegs ausschließlich in ländlichen Lagen zu beobachten oder etwa in Städten im Osten Deutschlands, wo die Immobilienmärkte ohnehin vielfach eine geringere Dynamik zeigen. Die detaillierten Daten von F+B zeigen vielmehr, dass auch in einigen Großstädten im Westen der Republik Mietrückgänge gemessen werden konnten.

Christoph Rottwilm auf Twitter

So sank die Neuvertragsmiete beispielsweise in Frankfurt am Main laut F+B im ersten Quartal 2019 gegenüber dem letzten Quartal 2018 im Schnitt um immerhin 2,4 Prozent. In Hamburg betrug der Rückgang 0,9 Prozent und in Berlin 1,7 Prozent.

Die mit Abstand höchste Miete bei neu abgeschlossenen Verträgen wird laut F+B mit durchschnittlich 16,80 Euro pro Quadratmeter zudem nach wie vor in München gezahlt. Auch dieser Wert ist den Zahlen zufolge allerdings im Vergleich zum Vorquartal um 1,3 Prozent gesunken.

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