25.02.2019 
Banco Santander

Familienbetrieb mit 140 Millionen Kunden

Ein Gastkommentar von Georg Thilenius

Ein Familienbetrieb mit weltweit 140 Millionen Kunden? Für die spanische Banco Santander trifft das zu. Unter dem Hauptaktionär, der Familie Botin, hat sich eine Unternehmenskultur etabliert, die für Aktionäre interessant ist. Für Investoren gibt es aber noch mehr Gründe, sich die Aktie der Bank ins Depot zu legen.

"Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr" - dieser altbewährte Satz war jahrelang prägendes Element aller Gehalts- und Bonusverhandlungen in großen Bankkonzernen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, in England und in den USA. Dann kam die Finanzkrise. Und was seither aus den Marktwerten und den Börsenkursen der großzügigen Institute geworden ist, steht jeden Tag in der Zeitung.

Zur Person
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    Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwal-tungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Kontrolle der BaFin.

Bei Familienbetrieben ist dies häufig anders. Hanseatische, ostwestfälische und schwäbische Familienbetriebe (natürlich hier in alphabetischer Reihenfolge) pflegen dem gegenüber seit langem eine Kultur der Bescheidenheit, was einige von ihnen zu Weltmarktführern gemacht hat, Finanzkrise hin oder her.

Auch im Bankgeschäft gibt es Familienbetriebe, hier besonders wiederum in Hamburg. Dies ist das Geheimnis der deutschen Privatbanken, die mit einer Ausnahme sehr ordentlich durch die Turbulenzen der Finanzkrise gekommen sind. Es gibt sogar Großbanken in Familienbesitz. Und dort hat sich vor kurzem etwas eigentlich Unerhörtes zugetragen:

Die spanische Bank Santander mit der Familie Botin als bestimmendem Hauptaktionär, hatte den Chefposten zu besetzen. Man war sich mit einem Investmentbanker der schweizerischen UBS schon so weit handelseinig geworden, dass der Personalwechsel veröffentlicht werden konnte. Dann geschah etwas früher Undenkbares: Der von der Familie Botin beherrschte Verwaltungsrat lehnte die Berufung mit der Begründung ab, dass das Gehalt und die bescheidene Ablösesumme von 50 Millionen Franken dem Verwaltungsrat nicht zu vermitteln seien.

Dies zeigt, dass in der familiengeführten Santander offensichtlich eine Unternehmenskultur herrscht, die für Aktionäre sehr interessant ist.

Santander ist die größte Universalbank Spaniens und betreibt ein großes Filialnetz hauptsächlich in Europa, Lateinamerika und USA. Die Bank gilt als eine der profitabelsten Filialbanken der Welt, insgesamt werden über 140 Millionen Kunden betreut. Die wichtigste Region mit ungefähr 46 Prozent der Einnahmen ist Lateinamerika. Brasilien ist der wichtigste Einzelmarkt.

Das Interessanteste an Santander ist die sehr hohe Dividendenrendite

Als Familienbetrieb ist Banco Santander immerhin heute die wertvollste Bank der Eurozone. Der neue brasilianische Präsident Bolsonaro hat eine wirtschafts- und wachstumsfreundliche Politik angekündigt. Außerdem soll eine entschlossene Korruptionsbekämpfung die Altlasten der früheren sozialistischen Regierungen möglichst schnell überwinden helfen. Von dort sind also erhebliche Impulse zu erwarten.

Für den Aktionär ist das Interessanteste die sehr hohe Dividendenrendite von 5,6 Prozent. Das Institut legt Wert auf eine konservative Ausschüttungspolitik und zahlt seit einigen Jahren nur ungefähr die Hälfte des Gewinns als Dividende aus. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktie liegt bei 8,2 und ist damit ein erfreulich niedriger Wert, der einigen Schutz gegen mögliche Börsenturbulenzen bietet. Die Aktie ist jetzt leicht über dem Tiefpunkt vom Frühjahr 2016 und damit recht günstig zu haben.

Nach unserer Meinung sind große Kurssprünge in der nächsten Zeit nicht zu erwarten, die Dividende erscheint jedoch sicher und hat in den nächsten Jahren einiges Erhöhungspotential. Wer aus gutem Grunde ein direktes Engagement in Lateinamerika scheut, ist aus unserer Sicht hier mit einem konservativen Investment gut für die weitere Erholung in Lateinamerika positioniert.

Der Autor ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin

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