26.09.2018 
Privatvermögen steigt weltweit auf 168 Billionen Euro

Kampf dem Minizins - wo die Reichen immer reicher werden

2. Teil: Deutsche wenden sich wieder vermehrt der Börse zu

In der Summe sind die Deutschen zwar so reich wie nie: Das Geldvermögen der privaten Haushalte stieg laut jüngsten Zahlen der Bundesbank im ersten Quartal 2018 auf das Rekordhoch von 5875 Milliarden Euro. Gemessen an den gewaltigen Sparanstrengungen hält Allianz-Ökonom Heise die Vermögensentwicklung der vergangenen Jahre jedoch für "nicht gerade zufriedenstellend": "In Deutschland arbeitet das Geld weniger für die Sparer als in vielen anderen Ländern."

Immerhin erkennt mancher Anbieter ein Umdenken bei Deutschlands tendenziell eher börsenscheuen Anlegern: "Aufgrund der aktuell niedrigen Zinsen zeigen sich die Sparer zunehmend offen gegenüber chancenorientierten Anlageformen", erklärte in der vergangenen Woche die Union Investment. In einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Fondsanbieters gaben fast die Hälfte (44 Prozent) der 500 Befragten an, sie hielten es mit Blick auf die Altersvorsorge derzeit für attraktiv, Aktien oder Aktienfonds zu kaufen. Das sind neun Prozentpunkte mehr als im ersten Quartal 2017, als diese Frage in der regelmäßig durchgeführten Erhebung zuletzt gestellt wurde.

Theorie und Praxis klaffen weit auseinander: Zwar lockte der Boom an den Aktienmärkten 2017 wieder mehr Menschen an die Börsen. Zahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zufolge besaßen im vergangenen Jahr gut zehn Millionen Menschen hierzulande Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds. Das ist der höchste Stand seit 2007. 15,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahre in Deutschland oder etwa jeder sechste legt demnach direkt oder indirekt Geld an der Börse an. Doch das Aktieninstitut dämpfte die Euphorie: "So erfreulich die Entwicklung 2017 war, Entwarnung für die Aktienkultur bedeutet dies nicht."

Auch die Allianz erkennt in ihrem jüngsten Report eine "vorsichtige Wende im Anlageverhalten": Für mehr Aktien und weniger Bankeinlagen bei frischen Geldern. Es müsse sich allerdings noch erweisen, ob diese Entwicklung von Dauer sei, sagt Chefvolkswirt Heise: "Wenn es zu einem Rückschlag an den Börsen käme - was ich derzeit nicht erwarte - ist diese vorsichtige Wertpapierkultur wieder dahin."

Von Jörn Bender, dpa

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