08.02.2019 
Zahlungsdienstleister in Turbulenzen

So rächt sich der Dax-Aufstieg Wirecards für viele Anleger

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2. Teil: Warum speziell der Dax für einen Fall Wirecard prädestiniert ist

Sollten diese Fondsanleger nun also verärgert sein, so gibt es einen Aspekt, der ihren Groll womöglich noch steigern wird: Die Aufnahme von Wirecard in den Dax im vorigen Herbst war keineswegs unumstritten. Das Unternehmen befindet sich noch in einer frühen, wachstumsstarken Lebensphase, in der heftige Kursschwankungen per se keine Seltenheit sind. Speziell bei Wirecard kommt hinzu, dass das Geschäftsmodell komplex und intransparent erscheint, was bereits in der Vergangenheit zu Gerüchten und Spekulationen um Unregelmäßigkeiten und damit verbunden ebenfalls zu Kursturbulenzen geführt hat.

Es schien also von vornherein klar, dass zusätzliche Unruhe in den Index kommen würde, als Wirecard im September 2018 die traditionsreiche Commerzbank , immerhin Dax-Gründungsmitglied, in dem Index ersetzte. Dass der Wechsel dennoch stattfand, liegt an den Regularien, nach denen die Börse den Dax gestaltet: Bei der Frage, wer in den Index aufgenommen wird, und wer ihn verlassen muss, werden ausschließlich quantitative Faktoren zugrunde gelegt. Beim Dax sind dies vor allem der Handelsumsatz, den ein Papier im Frankfurter Aktiengeschäft erzielt, sowie die Marktkapitalisierung gemessen am frei handelbaren Streubesitz der Aktie.

Erfüllt eine Aktie die auf dieser Basis in Ranglisten zusammengefassten Voraussetzungen, so wird sie in den Index aufgenommen - einen Ermessensspielraum von Seiten der Börsenverantwortlichen gibt es praktisch nicht. Der Dax unterscheidet sich insofern von anderen Indizes wie dem US-Blue-Chip Index Dow Jones oder dem breiten US-Index S&P 500. Bei letzteren gibt es eigens eingesetzte Gremien, die individuell entscheiden, ob eine Aktie tatsächlich in den jeweiligen Index passt oder nicht.

Die Folge dieser Dax-Eigenheit ist beispielsweise, dass mitunter Exoten wie Wirecard den Aufstieg in Deutschlands erste Börsenliga schaffen - auch wenn dies gemessen an ihrer Unternehmenshistorie womöglich unpassend erscheint. Immer wieder kamen auf dieser Grundlage in der Vergangenheit Unternehmen in den Leitindex, deren Erfolg sich als allzu kurzzeitig entpuppte. Schon wenig später ging es dann mit den Geschäften oft abwärts - und die Aktien mussten den Dax wieder verlassen.

Mit dem Chemieunternehmen Lanxess und dem Medienkonzern ProSiebenSat.1 sind nur zwei Beispiele dafür aus der jüngeren Vergangenheit genannt. Besonders gut (oder schlecht) in Erinnerung dürfte vielen zudem der Fall des Finanzdienstleisters MLP sein, der eine jahrzehntelange Wachstumsstory bereits 2001 mit dem Dax-Aufstieg krönte. Kurze Zeit später sorgten dann jedoch - ähnlich wie aktuell bei Wirecard - Medienberichte für Zweifel an MLPs Bilanzpraxis. Die Folge war eine massive Unternehmenskrise sowie ein Einbruch des Aktienkurses, der seines Gleichen sucht. Der Rauswurf aus Deutschlands Leitindex erfolgte im September 2003, gut zwei Jahre nach der Aufnahme, und war aus Sicht des MLP-Managements zu dem Zeitpunkt vermutlich noch das geringste Problem.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Noch ist offen, wie die Causa Wirecard versus "FT" ausgehen wird - und damit auch, wie die Investoren aus der Sache herauskommen. Jüngste Wendung in dem Fall: In Singapur durchsuchten am Freitag Ermittlungsbehörden Büroräume des Unternehmens. Viele Fondsanleger jedenfalls dürften diese Ereignisse mit Sorge verfolgen - und sich inzwischen womöglich wünschen, Wirecard wäre nie in den Dax aufgenommen worden.

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