17.04.2019 
Verdacht auf Marktmanipulation

Wirecard-Affäre - Finanzaufsicht Bafin zeigt FT-Journalisten an

Neues Kapitel in der Wirecard-Affäre: Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat im Fall der Kursschwankungen um den Finanzdienstleister Wirecard Anzeige erstattet. Die Behörde erklärte am Dienstag: "Wir haben Anzeige an die Staatsanwaltschaft München I wegen des Verdachts der Marktmanipulation in Form einer Short Attacke in Aktien der Wirecard AG erstattet." Bei einer solchen Attacke wetten Spekulanten auf fallende Kurse. Wie die Bafin betonte, dauern ihre Ermittlungen aber weiter an.

Der Münchner Dax-Neuling Wirecard befindet sich seit Ende Januar im Zentrum von Betrugsvorwürfen. Die britische "Financial Times" hatte wiederholt über vorgetäuschte Umsätze und gefälschte Verträge bei Wirecard in Singapur berichtet. Wirecard weist die Anschuldigungen als verleumderisch zurück. Nach den Berichten ging die Aktie auf Achterbahnfahrt.

Mitte Februar verbot die Bafin weitere Spekulationen auf fallende Kurse, "weil sie das Marktvertrauen in Deutschland ernsthaft bedrohen". Die Staatsanwaltschaft München nahm nach der Anzeige eines Anlegers sowie der Aussage eines Aktienkaufinteressenten Ermittlungen wegen Marktmanipulation gegen Journalisten der "FT" auf. Die britische Wirtschaftszeitung verteidigte ihre Berichterstattung hingegen.

Spiegel: Bafin wirft FT-Journalisten Absprachen mit Spekulanten vor

Wie nun der "Spiegel" berichtet, soll die Bafin Anzeigen gegen "rund ein Dutzend Personen" erstattet haben. Laut dem Bericht verdächtigt die Bafin "FT"-Journalisten, "mit mehreren Fonds beziehungsweise einzelnen Investoren gemeinsame Sache gemacht zu haben". Eine Sprecherin der Bafin wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die Finanzaufsicht leitet den Verdacht der Manipulation laut dem Nachrichtenmagazin aus dem Zusammenwirken der "FT"-Artikel und Handelsaktivitäten an der Börse ab. So sollen Spekulanten jeweils bereits vor dem Erscheinen von "FT"-Artikeln sogenannte Leerverkaufspositionen aufgebaut haben.

Für den Vorwurf der Marktmanipulation komme es nicht darauf an, ob die Vorwürfe der "Financial Times" sich als wahr herausgestellt haben oder nicht. Vielmehr gehe es um die Frage, ob die Autoren der Wirecard-Artikel wussten, dass bestimmte Akteure zuvor Aktien leer verkauft hatten, um von der Wirkung der Artikel finanziell zu profitieren, und ob die Autoren diesen Interessenskonflikt unterschlagen haben. Die "Financial Times" weist diese Vorwürfe laut "Spiegel" zurück.

Wirecard-Chef Braun: Für uns ist die Sache abgeschlossen

Wirecard-Chef Markus Braun hat wegen der Diskussion über mögliche Rechtsverstöße des Zahlungsabwicklers in Singapur nicht mit dem Gedanken gespielt, seinen Posten aufzugeben. "Nein, ich habe nicht an Rücktritt gedacht", antwortete er auf eine entsprechende Frage in einem TV-Interview des Nachrichtensenders n-tv. "Ich habe ja vollen Einblick in die operative Seite und die fundamentale Seite der Geschäftsentwicklung, die ist sehr stark."

Er betrachte die Vorwürfe finanzieller Unregelmäßigkeiten in Singapur als Kapitalmarktspekulation, sagte Braun, der auch Großaktionär von Wirecard ist. "Ich traue mir zu, in den nächsten zehn Jahren dieses Unternehmen noch einmal in eine ganz andere Region zu bringen, wirklich zu einem globalen Spieler in diesem Bereich zu machen, das ist unser Ziel."

Eine von Wirecard in Auftrag gegebene Untersuchung durch eine Anwaltskanzlei hatte die Vorwürfe zu großen Teilen nicht bestätigt und nur kleinere Unregelmäßigkeiten in den Büchern von Wirecard entdeckt. Wirecard prüfe, ob man noch weitere Details des Berichts veröffentlichen könne, aber alle wesentlichen Ergebnisse lägen auf dem Tisch. "Für uns ist diese Sache damit abgeschlossen."

Im Interview: Wirecard-Chef Markus Braun

Wirecard hatte den Bericht scharf zurückgewiesen. Es handle sich um "falsche und irreführende Informationen", erklärte eine Konzernsprecherin. "Die heute veröffentlichten ungenauen Informationen wurden von der 'FT' absichtlich falsch zitiert, um Tatsache und Fiktion weiter zu verzerren." Der Anteil von Transaktionen, die Wirecard über Lizenzpartner wie Cone Pay abwickle, nehme zudem kontinuierlich ab.

Wirecard weist Vorwürfe zurück - und verklagt die FT auf Schadenersatz

Wirecard hat die Behauptungen der FT mehrfach als unzutreffend und verleumderisch zurückgewiesen und zuletzt sogar eine Schadenersatzklage gegen die Zeitung und den Autor der Berichte eingereicht. Eine externe Untersuchung durch die Anwaltskanzlei Rajah und Tann habe die von der FT berichteten Vorwürfe weitgehend entkräftet - Wirecard sieht sich daher entlastet. Die Aktie von Wirecard war nach Veröffentlichung der Zusammenfassung des Berichts zeitweise um 25 Prozent auf 130 Euro gestiegen, gab am Freitag einen Großteil ihrer Gewinne wieder ab.

Auch Finanzaufsicht Bafin ermittelt gegen FT-Autor

Der Autor der Berichte ist auch unter den Beschuldigten in einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft München wegen des Verdachts der Marktmanipulation durch Außenstehende. Dieses Verfahren in Zusammenarbeit mit der Finanzaufsicht Bafin dauere an, sagte eine Sprecherin der Behörde am Freitag. Dagegen gebe es unverändert keine Anhaltspunkte für Straftaten bei Wirecard selbst, zumindest nicht in Deutschland.

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