10.05.2019 
"Angstbarometer" schlägt aus

Die Angst ist zurück am Aktienmarkt

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Der Volatilitätsindex der deutschen Börse VDax New gibt Auskunft über die Stimmung unter Investoren. Zurzeit stimmt der Blick auf das "Angstbarometer" nicht zuversichtlich.

Nüchtern betrachtet ist es bislang ein ziemlich erfolgreiches Jahr an der Börse: Der deutsche Leitindex Dax beispielsweise liegt seit Anfang Januar bereits mit etwa 15 Prozent im Plus. Das ist eine Performance, die auch über zwölf Monate kaum jemanden enttäuschen würde. Die Turbulenzen, die die Aktienmärkte in der zweiten Hälfte 2018 durchgerüttelt haben, so scheint es, sind ausgestanden.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Insbesondere in den vergangenen Tagen wurde es wieder unruhig an der Börse. Der Dax , der bereits auf mehr als 12.400 Punkte gestiegen war, muss plötzlich wieder um die 12.000-Punkte-Marke kämpfen. In dieser Woche wurde dieser runde Wert, dem für Investoren auch einige psychologische Bedeutung zukommt, bereits zeitweise unterschritten.

Was ist da also los am Aktienmarkt? Ein Indikator, der bei der Beantwortung dieser Frage hilft und den Investoren insbesondere momentan im Blick haben sollten, ist der Volatilitätsindex VDax New. Dieser Index gibt an, welche Schwankungsbreite des Dax von Seiten der Akteure des Terminmarktes erwartet wird. Weil starke Kursschwankungen häufig letztlich mit Kursverlusten einhergehen, heißt der VDax im Jargon der Börsianer auch "Angstbarometer": Steigt der Volatilitätsindex, so fielen in der Folge bislang am Aktienmarkt häufig die Kurse.

Das scheint sich auch aktuell zu bestätigen. Bis Mitte März verlief der Chart des VDax New noch weitgehend erfreulich unauffällig mit sinkender Tendenz. Kein Wunder: Am Aktienmarkt gab es seit Jahresanfang einen kaum unterbrochenen stetigen Kursaufschwung.

Dann jedoch schoss der VDax New im März plötzlich in die Höhe - und prompt gab es kurz darauf eine signifikante Korrektur beim Dax: Zwischen dem 19. und dem 25. März fiel der Leitindex von fast 11.800 Punkten auf weniger als 11.400 Punkte.

Ähnliches scheint sich gegenwärtig zu wiederholen. Allein seit Mitte April ist der VDax New wieder von 12,5 auf mehr als 18 Punkte gestiegen. Mit den Aktienkursen ging es zur gleichen Zeit im bereits beschriebenen Maße nach unten, wobei die Ursache in der realen Welt vor allem beim zuletzt wieder stark aufgeflammten Handelskonflikt zwischen den USA und China zu suchen ist. Es verwundert also nicht, dass auch der VIX, das US-amerikanische Pendant zum VDax New, derzeit auf enormer Höhe notiert.

Die entscheidende Frage lautet indes: Was bedeutet all dies mit Blick auf die absehbare Zukunft?

Robert Greil, Chefstratege der Privatbank Merck Finck, ist nicht sehr optimistisch. "Die Handelskonflikte rund um die USA lassen sich kaum über Nacht lösen und werden daher die Finanzmärkte weiter in Atem halten", sagt er. Im Gegenteil: Die Unsicherheit nehme sogar noch zu. "Mit den Europäischen Parlamentswahlen vom 23. bis 26. Mai winkt gleich der nächste Unruheherd für Investoren", so Greil. Daher rechnet er nach dem jüngsten Anstieg der Marktvolatilität im weiteren Mai-Verlauf mit "anhaltend höheren Schwankungen".

Tatsächlich trägt der VDax New seinen Namen nicht durch Zufall: "Angstbarometer". Vor allem das Agieren des US-Präsidenten Donald Trump im Handelsstreit bereitet den Börsianern offenbar Sorge - die Angst ist zurück am Aktienmarkt.

Der aktuelle Stand des VDax New von mehr als 18 Punkten deutet darauf hin, dass die Akteure am Terminmarkt von erheblichen Kurschwankungen am Aktienmarkt in den kommenden 30 Tagen ausgehen. Per Definition lässt sich zwar zunächst kaum sagen, ob es dabei mit den Kursen eher aufwärts oder abwärts gehen wird. In der Vergangenheit erwiesen sich hohe Werte des VDax New allerdings selten als gutes Vorzeichen für Börsianer: Am Ende gab es meist Kursverluste.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Seinen bisherigen Höchststand beispielsweise erreichte der VDax New im Oktober 2008 - auf dem Höhepunkt der seinerzeitigen Finanzkrise, als weltweit die Börsen in den Keller rauschten. Damals notierte der Index allerdings zeitweise bei Werten von bis zu 80 Punkten. Angesichts dessen nimmt sich das aktuelle Niveau dann doch noch eher bescheiden aus.

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