12.06.2019 
Kursgewinne wegen China

EU begräbt Thyssen-Tata-Stahlfusion

Nun auch schriftlich: Die EU-Kommission hat ihr Nein zur Fusion von Thyssenkrupp und Tata begründet und den Zusammenschluss verboten. Dennoch verzeichnet die Aktien von Thyssenkrupp Kursgewinne: Investoren hoffen nun auf China.

Die EU-Wettbewerbshüter haben die Kooperation zwischen dem Industriekonzern Thyssenkrupp und dem indischen Konkurrenten Tata offiziell verboten. Sie begründeten das Verbot mit der Aussicht auf voraussichtliche Preissteigerungen bei Stahl im Fall einer Fusion. Mit der Fusion wäre der zweitgrößte Stahlkonzern in Europa errichtet worden.

Man untersage den Zusammenschluss, "um ernsthaften Schaden von europäischen Industriekunden und Verbrauchern abzuwenden", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Stahl sei ein wichtiger Ausgangsstoff für Waren, wie Lebensmittelkonserven und Autos. Millionen von Menschen arbeiteten in den Sektoren und die dort tätigen Unternehmen seien auf wettbewerbsfähige Stahlpreise angewiesen, um ihre Erzeugnisse absetzen zu können.

Thyssenkrupp hatte die Stahlfusion mit Tata bereits im Mai aufgrund der EU-Kommission gestoppt. Durch die Zusammenarbeit wäre ein Konzern mit 48.000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. Thyssenkrupp wollte damit die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern, das unter Überkapazitäten und dem Wettbewerbsdruck aus Asien leidet.

Thyssenkrupp baut um und bringt Aufzugssparte an die Börse

Thyssenkrupp hat bereits auf das Verbot reagiert und sich neu ausgerichtet. Weitreichende Umbaubaupläne sehen nun den Abbau von 6000 Stellen vor. Um Geld in die leeren Kassen zu bekommen, soll die profitable Aufzugssparte des Konzerns teilweise an die Börse gebracht werden. Mit den Einnahmen will Konzernchef Guido Kerkhoff die Weiterentwicklung der einzelnen Unternehmen im Konzern vorantreiben.

Das neue Konzept für Thyssenkrupp sieht eine Umwandlung der Konzernzentrale in eine schlanke Dachgesellschaft vor. Verbunden ist das Konzept mit erheblichen Einsparungen. Kerkhoff will die jährlichen Verwaltungskosten von derzeit 380 Millionen Euro auf unter 200 Millionen Euro in etwa halbieren.

Am Dienstag gehörte die Aktie von Thyssenkrupp mit einem Gewinn von rund 4 Prozent zu den größten Gewinnern im Dax: Im Handel wurde zur Begründung auf mögliche staatliche Anreize in China für die Wirtschaft des Landes verwiesen. "Stimuli in China dürften unter anderem die Stahlnachfrage stützen", sagte ein Händler. Das sorge bei Thyssenkrupp und bei Arcelormittal für Aktienkäufe.

mit dpa und reuters

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