13.07.2018 
Aktie in Turbulenzen

Tesla am Scheideweg - halten Investoren Musk die Treue?

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2. Teil: Erstmals äußert sich ein Großinvestor zu Musks Eskapaden

Bislang jedenfalls. Sollte Musk jemals das makellose Image eines visionären Unternehmers und zielstrebigen Zukunftspropheten besessen haben, so hat er es inzwischen definitiv verloren. Einerseits lassen die versprochenen Unternehmenserfolge für viele einfach zu lange auf sich warten. Andererseits scheint Musk mehr und mehr andere Aktivitäten zu verfolgen, die ihn aus Sicht der Tesla-Aktionäre von seiner Kernaufgabe, nämlich den hochverschuldeten, defizitären Autobauer endlich auch wirtschaftlich zum Erfolg zu führen, ablenken. Hier nur einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit: Musk

- verkaufte vermutlich zu Marketingzwecken Anfang des Jahres mit seiner Boring Company mehrere Tausend Hand-Flammenwerfer als Party-Utensil.

- legte sich während einer wichtigen Analystenkonferenz mit den Teilnehmern an, deren Fragen er als "langweilig" und "uncool" abtat und nicht beantworten wollte.

- führt inzwischen einen regelrechten Privatkrieg gegen die Medien, denen er unterstellt, in der Mehrheit nicht objektiv und stattdessen voreingenommen und mit Vorliebe negativ über Tesla-Themen wie Unfälle, Batteriebrände oder Probleme mit dem Autopiloten in den Fahrzeugen zu berichten.

- versprach, in der US-Stadt Flint im großen Stil für sauberes Trinkwasser zu sorgen.

- beschäftigte sich intensiv mit den Möglichkeiten, mit Hilfe eines von Tesla konstruierten Mini-U-Bootes jene Jugend-Fußballmannschaft zu retten, die tagelang in einer Höhle in Thailand festsaß. Musks Bemühungen gerieten jedoch zum PR-Gau: Als einer der Höhlentaucher Musks Hilfsangebot brüsk zurückwies, verlor der Tesla-Chef die Kontrolle und bezeichnete den Rettungstaucher via Twitter als Pädophilen.

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Kurzum: Zwar gelang es Tesla mit Ach und Krach das angestrebte 5000-Autos-Pro-Woche-Produktionsziel beim Model 3 zu erreichen. Ob die Fertigung des Fahrzeugs künftig dauerhaft mit dieser Schlagzahl weiterlaufen kann, erscheint jedoch fraglich angesichts der Umstände, unter denen das Unternehmen zuletzt gearbeitet hat. Unter anderem musste Tesla-Chef Musk eine Produktionslinie in einem riesigen Zelt außerhalb der eigentlichen Fabrik errichten lassen, um schneller voranzukommen.

Hinzu kommt noch, dass die Autos für US-Käufer künftig deutlich teurer werden als womöglich gedacht: Wie Tesla in diesen Tagen bestätigte, läuft der Steuervorteil von 7500 Dollar, mit dem das Unternehmen seine Fahrzeuge bislang in den USA verkaufen konnte, ab dem Jahresende allmählich aus. Das heißt: Wer danach in den USA einen Tesla erwirbt, muss ab 2020 7500 Dollar mehr dafür bezahlen als bisher.


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Ausgerechnet in dieser prekären und für das Schicksal des Konzerns so entscheidenden Situation scheint der Unternehmenslenker alles andere als voll auf seinen Job fokussiert zu sein. Da verwundert es nicht, dass die Tesla-Aktionäre ungeduldig werden. Vor einigen Wochen sorgte bereits der norwegische Staatsfonds, mit einem Volumen von einer Billion Dollar immerhin größtes Anlagevehikel der Welt, für Schlagzeilen, als er auf der Hauptversammlung Teslas für die Absetzung von Musk als Aufsichtsratschef stimmte.

Jetzt meldet sich erstmals ein Tesla-Großaktionär zu Wort. "Wir unterstützen ihn sehr, aber wir würden uns jetzt etwas Ruhe und Arbeit wünschen", sagte James Anderson in dieser Woche in einem Interview mit der US-Nachrichtenplattform Bloomberg. Anderson ist Partner und Portfoliomanager bei der britischen Investmentgesellschaft Baillie Gifford & Co., die 12,8 Millionen Tesla-Aktien im Wert von vier Milliarden Dollar hält. Baillie Gifford ist damit laut Bloomberg der viertgrößte Aktionär des Unternehmens.

Tesla-Chef Musk sollte sich also wohl durchaus ernsthaft angesprochen fühlen, wenn Anderson weiter sagt: "Es wäre gut, wenn er sich einfach auf seine Kernaufgabe konzentrieren würde."

Aber wird Musk diesen Appell auch beherzigen? Der milliardenschwere Unternehmer gilt als eigensinnig, und seine Omnipräsenz sowie die vielen Aktivitäten, die er am Laufen hält, spiegeln zweifellos auch einen Teil seiner Persönlichkeit wider. Schwer vorstellbar also, dass Musk all dies von heute auf morgen stoppen wird.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Andererseits dürfte der Erfolg Teslas ganz oben auf der Prioritätenliste des Firmenchefs stehen - und die Gunst der Investoren ist für ihn nach wie vor von existenzieller Bedeutung.

In diesem Spannungsfeld also notiert die Tesla-Aktie momentan bei etwa 316 Dollar. Das ist genau das Niveau, auf dem das Papier auch ins Jahr 2018 gestartet war. Aber wo wird der Kurs in sechs Monaten stehen? Visionär Musk ist gewöhnlich um keine Äußerung verlegen - aber diese Frage kann selbst er noch nicht nicht beantworten.

Hinweis: In dem Text hieß es ursprünglich, die Steuervorteile für den Kauf eines Tesla in den USA fielen bereits im kommenden Jahr komplett weg. Das haben wir korrigiert.

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