07.12.2018 
Börsen knicken ein, Tesla auf Rekordhoch

Warum Tesla der Börsenschwäche trotzt

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Aktien sind weltweit unter Druck geraten, Börsenlieblinge wie Apple oder Amazon tauchen ab. Ausgerechnet Aktien von Tesla klettern gegen den allgemeinen Kursrutsch weiter nach oben: Das hat auch mit Donald Trumps Drohungen zu tun.

Die vergangenen zehn Wochen waren schmerzhaft für Aktionäre: Weltweit haben die wichtigsten Indizes kräftig nachgegeben, der US-Leitindex Dow Jones Jones hat seit Anfang Oktober rund 7 Prozent verloren. Der Dax ist auf das tiefste Niveau seit 2 Jahren abgestürzt, und ehemalige Börsenlieblinge wie Apple , Facebook oder Amazon sind in den Bärenmarkt-Modus übergangen: Das bedeutet, sie haben seit ihrem Hoch mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Zeit, Geld in Sicherheit zu bringen, lautet zum Jahresschluss die Devise an den Aktienmärkten - doch ausgerechnet die hoch bewertete Aktie des US-Elektroautobauers Tesla kennt seit Wochen nur eine Richtung: Nach oben.

Die Börsen weltweit im Abwärtsmodus, die Aktie von Tesla stürmt Richtung Rekordhoch. Wie kann das sein?

Es gibt eine Reihe von Gründen, warum ausgerechnet Tesla seit Oktober gegen den allgemeinen Trend schwimmt. Seit Anfang Oktober hat die Aktie mehr als 20 Prozent zugelegt und nimmt ein Rekordhoch von 390 Dollar je Aktie ins Visier. Die Aktie des einst wertvollsten Konzerns der Welt, Apple, hat im gleichen Zeitraum mehr als 20 Prozent verloren. Und Tesla war bereits im Sommer keineswegs günstig bewertet: Der Börsenwert der von Elon Musk geführten Company ist inzwischen auf knapp 65 Milliarden Dollar gestiegen. Das ist deutlich mehr, als BMW, Ford oder General Motors auf die Waage bringen.

Tesla hat Nahtod-Erfahrung bereits hinter sich

Der wichtigste Grund: Tesla hat seine Nahtod-Erfahrung an der Börse bereits im Sommer hinter sich gebracht. Zwischen Juli und Oktober mehrten sich die Zweifel, ob Tesla den Schritt vom geldverschlingenden Elektroauto-Startup zum Auto-Massenhersteller bewältigen kann. Hinzu kamen Bedenken, ob Elon Musk überhaupt noch in der Lage ist, Tesla zu führen. Der Tag der Wahrheit für Tesla war die Bekanntgabe der Bilanz für das dritte Quartal Anfang Oktober: Tesla verkündete erstmals seit zwei Jahren einen Gewinn, bei einem Umsatz von 6,8 Milliarden Dollar blieben 312 Millionen Euro Gewinn übrig.

Die Produktionsziele für Teslas Model 3, mit dem Musk den Schritt zum Massenhersteller von Elektroautos schaffen will, wurden nach einer mehrwöchigen "Produktionshölle" (Musk) erreicht. Die Aktie des Unternehmens, das im zweiten Quartal noch 718 Millionen Dollar verbrannt hat, sprang an diesem Tag zweistellig nach oben: "Wir waren nur wenige Wochen von der Pleite entfernt", gab Musk anschließend in einem Interview zu. Um dann selbstbewusst die Botschaft nachzuschieben: Wir verdienen jetzt jedes Quartal Geld und werden die Konkurrenz hinter uns lassen.

Zölle auf Importautos: Trumps Protektionismus trifft Teslas Konkurrenz

Der zweite Grund für Teslas Aufschwung: Die von Donald Trump angedrohten Zölle auf Import-Autos belasten die weltweite Konkurrenz, doch für Tesla sind sie aktuell ein Segen. Donald Trumps protektionistische Politik und die Angst vor einem weltweiten Handelskrieg belasten weltweit die Aktienmärkte. Doch für Tesla, das nun den US-Heimatmarkt mit der Familienlimousine Model 3 erobern will, bedeuten Zölle die Abwehr von unliebsamer Konkurrenz. Spätestens im Jahr 2019 wollten BMW, Daimler und VW mit neuen Elektro-Modellen zum Gegenschlag ausholen und Tesla auch auf dem Heimatmarkt Konkurrenz machen. Doch kommen die Importzölle, dürfte dieses Unterfangen äußerst schwierig werden.

Tesla bekäme in einer für das Unternehmen entscheidenden Phase Schützenhilfe aus dem Weißen Haus und könnte seinen Heimvorteil voll ausspielen. Bereits jetzt ist Teslas Model 3 das meistverkaufte Modell seiner Klasse in den USA und hat sich beim Absatz vor die C-Klasse von Mercedes gesetzt: Tesla ist kein Pionier mehr, sondern auf dem Weg zum Platzhirsch bei E-Autos in den USA. Während die Protektionismus-Debatte zahllosen Unternehmen weltweit zusetzt, verschafft sie Tesla derzeit Rückenwind. Auch der schwache Dollar, der seit dem Frühjahr um rund 7 Prozent gegenüber dem Euro abgewertet hat, kommt Tesla in seinen ausländischen Absatzmärkten derzeit zupass.

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