20.05.2020 
Experten sehen Airline nicht mehr in der ersten Börsenliga

Lufthansa muss wohl Deutsche Wohnen im Dax weichen

Die Coronavirus-Krise besiegelt Experten zufolge den Abstieg des Dax-Gründungsmitglieds Lufthansa aus der ersten deutschen Börsenliga. Bei der außerordentlichen Überprüfung der Index-Zusammensetzung durch die Deutsche Börse Anfang Juni werde die um Staatshilfe ringende Fluggesellschaft im Rahmen der "Fast Exit"-Regel in den Nebenwerte-Index MDax rutschen, prognostizieren die Experten der Commerzbank.

Seit Jahresbeginn haben die Lufthansa-Aktien mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Noch nie in der Firmengeschichte ging es innerhalb eines knappen halben Jahres so steil bergab. Die Fluggesellschaft wäre nach der Commerzbank und Thyssenkrupp das dritte Gründungsmitglied, das sich seit 2018 aus dem Dax verabschieden müsste.

Die "Fast Exit"-Regel besagt, dass ein Wert aus dem Dax fällt, wenn er bei der Marktkapitalisierung des Streubesitzes oder bei den Börsenumsätzen schlechter rangiert als Platz 45. Im Gegenzug rückt ein MDax-Wert auf, der beim Börsenwert mindestens auf Rang 35 liegt.

Die Lufthansa ist aktuell mit rund 3,8 Milliarden Euro an der Börse bewertet - so niedrig wie kein anderes Unternehmen in der ersten Börsenliga. Die im MDax notierte Deutsche Wohnen kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von 13,8 Milliarden Euro.


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Beste Chancen auf den Dax-Platz der Lufthansa hat nach Einschätzung der Commerzbank-Analysten Deutsche Wohnen. Der Aromen-Hersteller Symrise liege bei der Marktkapitalisierung zwar knapp vor dem Immobilienkonzern, schneide beim Börsenumsatz aber schlechter ab.

"Im MDax muss die Deutsche Pfandbriefbank um ihren Platz zittern", sagte Tobias Adler, Index-Experte der Oddo Seydler Bank. Sie könnte vom Werbeflächen-Vermarkter Ströer ersetzt werden. "Im Kleinwerte-Index SDax stehen Elmos Semiconductor und Zeal Network auf den Abstiegsrängen." Sixt Leasing könnte durch die Übernahme durch Hyundai Capital Bank herausfallen. Gleiches gilt für Rhön-Klinkum, die von Asklepios geschluckt werden sollen.

Die Deutsche Börse überprüft die Index-Zusammensetzung Anfang kommenden Monats. Wirksam werden Veränderungen zum 22. Juni.

dpa/rei

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