11.06.2019 
Kampf gegen Tuberkulose

Evotec bekommt Finanzspritze von Gates-Stiftung

Eine Geldspritze von der Stiftung des Microsoft-Gründers Bill Gates beflügelt die Evotec-Aktien . Der Kurs des Biotechunternehmens legte am Dienstag um rund drei Prozent auf 22,24 Euro zu. Die Titel des Hamburger Unternehmens waren einer der größten Gewinner im Nebenwerteindex MDax.

Evotec hatte am Montagabend mitgeteilt, bei der Erforschung neuer Tuberkulose-Medikamente von der Bill & Melinda Gates Foundation mit einer Förderung von 23,8 Millionen Dollar (rund 21 Millionen Euro) unterstützt zu werden.

Die Partnerschaft läuft über fünf Jahre. Dabei sollen präklinische Daten für die Auswahl und die weitere Entwicklung von Wirkstoffkombinationen gewonnen werden. Ziel sei, eine schnellere Tuberkulose-Behandlung im Vergleich zu bestehenden Therapien zu erreichen und Resistenzen gegenüber diesen zu überwinden.

Starker Zugewinn an Reputation

Entscheidend sei nicht die Zahlung der Stiftung, sondern der Zugewinn an Reputation für Evotec, sagte ein Aktienhändler. Das Papier hatte seit seinem Zwischenhoch Anfang April bei knapp 26 Euro wieder an Wert verloren. Seit Jahresbeginn beträgt das Kursplus aber immer noch mehr als ein Viertel.

Das Geld von der Bill & Melinda Gates Stiftung sei ein exzellenter Beweis für die Fähigkeiten des Wirkstoffforschers im Bereich der Infektionskrankheiten, schrieb Analyst Volker Braun von Bankhaus Lampe in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Es sei aber wohl auch kein Zufall, dass der Auftrag nur wenige Wochen nach der Bekanntgabe des Kaufs des US-Unternehmens Just Biotherapeutics komme, zu deren Investoren die Stiftung ebenfalls gehöre.

Evotec verdient sein Geld vor allem als Auftragsforscher für andere Pharmaunternehmen sowie für akademische Einrichtungen. Das zweite Geschäftsfeld besteht dagegen aus Kooperationen, bei denen Evotec mit Partnern gemeinsam forscht. Hier kann Evotec dann auch Rechte an den Entwicklungen besitzen.

Auftraggeber gerade bei schwer behandelbaren Krankheiten waren in der Vergangenheit auch schon mehrere Stiftungen wie etwa die Michael J. Fox Foundation, von der Evotec Fördergelder für die Parkinson-Forschung erhalten hat. Nach Einschätzung des Analysten Braun könnte das Unternehmen den Umsatzanteil aus margenstärkeren Geschäften mit Stiftungen in den kommenden Jahren auf etwa zehn von derzeit sechs Prozent ausbauen.

Tuberkulose ist eine der zehn häufigsten Todesursachen weltweit

Tuberkulose zählt nach Unternehmensangaben zu den Infektionskrankheiten, die für besonders viele Todesfälle verantwortlich sind und ist eine der zehn häufigsten Todesursachen weltweit. Allein 2017 erkrankten zehn Millionen Menschen daran, 1,6 Millionen starben. Kleinkinder seien dabei überproportional stark betroffen. Die Krankheit wird durch die Luft übertragen, Verursacher sind Bakterien (Mycobacterium tuberculosis).

Die momentane Standardtherapie besteht laut Evotec aus einer Kombination von vier Wirkstoffen, die mindestens sechs Monate verabreicht werden. Die Therapie von resistenten Formen der Erkrankung dauere jedoch deutlich länger. Evotec soll sich nun auf die Suche nach Behandlungen begeben, die sowohl sicherer, wirksamer als auch schneller sind.

mg/rtr, dpa-afx

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