15.02.2019 
Balsam für genervte Anleger

Nach dem Börsenbeben - endlich Dividendensaison

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Die Konjunktur sendet unerfreuliche Signale, die Unternehmen geraten in zunehmend unruhiges Fahrwasser, entsprechend holprig ging es an der Börse zuletzt zu: Der deutsche Leitindex Dax verzeichnet auf Sicht der vergangenen zwölf Monate ein Minus von immerhin 10 Prozent.

Doch Investoren, die die richtigen Papiere im Depot haben, können sich freuen: Jetzt kommt die Zeit der Dividendenausschüttungen. Viele Konzerne mögen über schlechtere Geschäftsaussichten klagen, Gewinnrückgänge verzeichnen (oder zumindest vor solchen warnen), Umsatzeinbußen erleiden. Das hält sie - zumindest nach aktuellem Stand - nur selten davon ab, auch in diesem Jahr wieder erkleckliche Überweisungen an die Aktionäre in Aussicht zu stellen.

Analystenschätzungen zufolge werden allein die 30 im Dax notierten Konzerne in dieser Saison zusammen rund 38 Milliarden Euro ausschütten. Das wäre noch einmal etwa eine Milliarde mehr als im vergangenen Jahr und erneut ein Rekordwert.

Über die ersten frohen Botschaften durften sich die Investoren bereits freuen: Die Münchener Rückversicherung etwa gab bekannt, ihre Dividende je Aktie von 8,60 Euro auf 9,25 Euro steigern zu wollen. Bei der Allianz ist ein Anstieg um einen Euro auf neun Euro geplant. Selbst Daimler hält an der Gewinnausschüttung unbeirrt fest: Der Autobauer musste für 2018 einen deutlichen Gewinnrückgang vermelden - die Dividende wird deshalb zwar merklich gekürzt, aber sie kommt.

Außerhalb des Dax gibt es ähnlich gute Nachrichten: Beim Konsumgüterriesen Nestlé aus der Schweiz, seit Jahrzehnten ein verlässlicher Dividendenlieferant, klettert die Ausschüttung um zehn Rappen auf 2,45 Franken.

Selbst die Commerzbank , noch im Herbst vergangenen Jahres wegen des Abstiegs aus dem Dax gescholten und mit einem Aktienkursminus von etwa 50 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten sicher kein Liebling der Aktionäre, reiht sich ein: Das Institut meldete in dieser Woche einen regelrechten Gewinnsprung und will erstmals seit 2015 wieder eine Dividende zahlen.

Die Überweisungen der Konzerne dürften Balsam sein auf die Seelen der Investoren, die von den Turbulenzen der Aktienmärkte in den vergangenen Monaten bereits genervt sind. Und genau so sind sie häufig auch gedacht: Konzernlenker wissen, dass sie ihre Anteilseigner in schwierigen Zeiten bei Laune halten müssen. Auch die in diesen Tagen häufig verkündeten Aktienrückkäufe dienen nicht zuletzt diesem Zweck: Damit werden Kurse gepflegt und Anleger erfreut.

Investoren auf der anderen Seite sollten diesen Zusammenhang nicht außer Acht lassen, wenn sie nach dividendenträchtigen Aktien Ausschau halten. Es gilt die soliden Konzerne, die ihre Anteilseigner in vernünftigem Maße am Erfolg des Unternehmens teilhaben lassen, zu unterscheiden von den Blendern, die mit allzu hohen Dividenden über mögliche Missstände hinwegtäuschen wollen.

Wer in Sachen Dividende auf Nummer sicher gehen will, achtet daher am besten vor allem auf drei Punkte:

Dividendenrendite statt Dividende: Die absolute Höhe der Dividende ist nicht sehr aussagekräftig. Wer sie jedoch in Relation zum Aktienkurs setzt, erhält den Wert der Dividendenrendite. Anhand dieser lassen sich verschiedene Unternehmen miteinander vergleichen. Zur Orientierung: Die durchschnittliche Dividendenrendite des Dax beträgt etwa 3 Prozent, was angesichts extrem niedriger Zinsen bei Banken und Sparkassen recht reizvoll erscheint. Die besonders attraktiven Dividendenzahler an der Börse kommen jedoch auf Werte von 5 Prozent oder noch mehr. Bemerkenswert: Bislang zählte neben Unternehmen wie der Allianz oder der Münchener Rück auch Daimler zu dieser ersten Liga in Sachen Ausschüttungsrendite - dabei laufen die Geschäfte bei den Stuttgartern bekanntlich nicht mehr so rund wie noch vor wenigen Jahren.

Dividendenentwicklung: Das Beispiel zeigt, weshalb auch die Dividendenrendite nicht der einzige Wert ist, an dem sich Investoren orientieren sollten. Denn eine Dividendenrendite kann auch hoch sein, weil beispielsweise ein Aktienkurs niedrig ist, was bekanntlich nicht unbedingt für ein Unternehmen spricht. Ebenso kann eine Dividende aus der Substanz gezahlt werden und nicht aus dem Gewinn. Ein Unternehmen, das so handelt, bietet zwar womöglich eine attraktive Dividendenrendite. Auf lange Sicht verspricht das Investment jedoch eher wenig Freude. Investoren sollten daher keinesfalls ausschließlich den Blick auf die aktuelle Situation eines Unternehmens und dessen gegenwärtige Dividende werfen, sondern die Entwicklung über mehrere Jahre betrachten.

Ausschüttungsquote: Wichtig ist zudem, dass nicht zu viel Gewinn ausgeschüttet wird. Aktionäre freuen sich zwar über eine möglichst umfangreiche Beteiligung am Unternehmenserfolg. Gleichzeitig soll ein Konzern jedoch langfristig reüssieren. Das erfordert Investitionen, für die ebenfalls ein Teil des Gewinns benötigt wird. Im Dax beispielsweise wird die Ausschüttungsquote in diesem Jahr Analystenschätzungen zufolge im Schnitt auf 40 Prozent leicht ansteigen. Das heißt: Die Unternehmen steigern zwar ihre Dividenden, sie erzielen aber nicht im gleichen Maße höhere Gewinne. Vielmehr müssen die Konzernlenker einen größeren Teil der Gewinne anfassen, um ihre Aktionäre zu erfreuen. Das ist kein gutes Zeichen und spiegelt das schwieriger werdende konjunkturelle Umfeld wider.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Wer bei alldem Mühe hat, den Überblick zu behalten, kann sich an eine einfache Faustregel halten: Dividenden sind zwar eine reizvolle Geldquelle an der Börse, und es erscheint daher sinnvoll, in Unternehmen zu investieren, die sich diesbezüglich als positiv hervortun. Ausschließlich mit der Dividendenbrille an den Aktienmarkt heranzugehen, ist jedoch der falsche Ansatz.

Richtig ist es vielmehr, nach gesunden, wachsenden Unternehmen Ausschau zu halten, denen vermutlich eine erfolgreiche Zukunft bevorsteht. Wer bei der Auswahl seiner Aktien in dieser Hinsicht alles richtig macht, wird früher oder später auch die erhofften Dividenden kassieren.

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