23.05.2019 
Börse

Börsen auf Talfahrt - Anleger strafen Deutsche Bank ab

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China zerrt weiter an den Nerven der Anleger. Heute gewinnt die Vorsicht wieder Oberhand. Im Fokus steht die Aktie der Deutschen Bank, die Richtung 6 Euro stürzt.

Der Handelskonflikt samt der damit einhergehenden Verschlechterung der Wirtschaftsstimmung in Deutschland haben am Donnerstag den Dax wieder unter 12.000 Punkte gedrückt. Bis zum Handelsschluss rutschte der deutsche Leitindex um 1,8 Prozent auf 11.952 Punkte ab. Der MDax verlor ebenfalls 1,8 Prozent auf 25.118 Zähler, während der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 um 1,7 Prozent sank.

Nachdem zunächst schwächer als erwartete Stimmungsdaten aus der deutschen Industrie und dem Dienstleistungsgewerbe veröffentlicht wurden, gesellte sich - ebenfalls für den Monat Mai - noch ein äußerst schwacher Ifo-Index dazu. Diesem zufolge trübten sich die Aussichten für die deutsche Wirtschaft deutlich stärker als von Analysten prognostiziert ein. Der Index sackte auf den tiefsten Stand seit Ende 2014.

"Der Ifo-Index ist zwar nur ein Spiegelbild der aktuellen geopolitischen Wirtschaftssituation, bestätigt aber die Einflüsse auf die deutsche Wirtschaft", sagte Marktbeobachter Andreas Lipkow von der Comdirect Bank mit Blick auf den Zollstreit und die Stimmungsdaten.

Auch an der Wall Street machten indes hohe Kursverluste erneut in der US-Tech-Branche und ein unter starkem Druck stehender Ölpreis dem Aktienmarkt am Donnerstag zu schaffen. Der Dow Jones sackte im frühen Handel um 1,5 Prozent auf 25.381,5 Punkte ab. Damit fielen die Einbußen deutlich höher aus, als vorbörsliche Indikationen hatten erwarten lassen.

Wegen des sich zuspitzenden Handelskrieges zogen sich Investoren erneut aus dem Technologiesektor zurück. "Mit dem Boykott gegen Chinas Telekom-Ausrüster Huawei hat Präsident Donald Trump unmissverständlich klar gemacht, dass es ihm um die technologische Vorherrschaft geht", sagte Ökonom Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank. "Raus aus Risiken" bleibe aus Investorensicht also die Devise.

Im Dax gab es unter den 30 Einzelwerten kaum Gewinner. Nur Papiere aus defensiven Branchen, die am wenigsten unter konjunkturellen Schwankungen leiden, hielten sich im Plus. So etwa die Aktien des Immobilienkonzerns Vonovia und des Konsumgüterherstellers Beiersdorf , die beide um 0,3 Prozent stiegen.

Unter den schwachen Werten indes büßten die Aktien der Deutschen Bank 2,2 Prozent ein, nachdem sie zeitweise bei 6,35 Euro ein neues Rekordtief markiert hatten. Das einst so stolze Finanzinstitut will sein zuletzt verlustreiches Kapitalmarktgeschäft weiter stutzen. Die Investmentbank soll zudem nur noch solche Geschäfte machen, die mindestens entweder ausreichend profitabel sind oder als Dienstleistung für andere Geschäftsbereiche wichtig sind.

Der Autobauer Daimler schüttete seine Dividende aus, weshalb die Papiere nur optisch einen besonders schwachen Eindruck machten. Auch für die Anleger der Aareal Bank , Uniper und der Commerzbank ist Dividendentag.

Im SDax sackten die Anteile des Vakuumpumpenherstellers Pfeiffer Vacuum nach einem schwachen Ausblick um etwas mehr als 5 Prozent ab. Der seit Ende vergangenen Jahres mehrheitlich zur Busch Gruppe gehörende Konzern schließt inzwischen nicht mehr aus, 2019 schlechter als im Vorjahr abzuschneiden. Steinhoff als Schlusslicht verloren etwas mehr als 6 Prozent. Der Bilanzskandal beim Möbelhändler wird zum Gegenstand einer Sammelklage beim Oberlandesgericht Frankfurt.

Am Rentenmarkt fiel die Umlaufrendite von minus 0,14 Prozent am Vortag auf minus 0,16 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,13 Prozent auf 143,53 Punkte. Der Bund-Future stieg um 0,11 Prozent auf 167,05 Punkte. Der Euro gab nach und kostete am frühen Nachmittag 1,1142 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,1171 Dollar festgesetzt

mit Nachrichtenagenturen

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