29.03.2019 
Börsenstart für Fahrdienst

Lyft-Aktie startet mit 72 Dollar an der Börse

Der Dax steigt über die Marke von 11.500 Zählern. Die Aktie des Zahlungsabwicklers Wirecard sackt nach einer neuen Attacke der Financial Times erneut ab. Die Aktie des Fahrdienstes Lyft, der es vor Uber an die Börse geschafft habt, feiert ein erfolgreiches Börsendebüt.

Der Dax nimmt einen neuen Anlauf zum Ausbruch nach oben: Bis zum Mittag kletterte der deutsche Leitindex um 0,9 Prozent auf 11.520 Punkte, gab dann aber einen Teil seiner Gewinne wieder ab.

Die erneute Ablehnung des Brexit-Vertrags verunsichert Investoren treibt Anleger aus dem Pfund Sterling. Die britische Währung verbilligte sich am Freitag auf bis zu 1,2976 Dollar von zuvor 1,3030 Dollar. Damit markierte die britische Devise den tiefsten Stand seit Mitte März. Zuvor war die von Premierministerin Theresa May ausgehandelte Scheidungsvereinbarung mit der EU ein drittes Mal im britischen Parlament durchgefallen.

Harter Brexit am 12. April wahrscheinlich

344 Abgeordnete stimmten am Freitag im Londoner Unterhaus gegen das Abkommen, 286 dafür. Damit rückt ein ungeregelter Brexit des Landes am 12. April mit unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen näher. EU-Ratspräsident Donald Tusk setzte umgehend einen EU-Gipfel für den 10. April an.

Anleger zeigten sich verunsichert und griffen zu den als sicher geltenden Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen fiel im Gegenzug um zwei Basispunkte auf minus 0,07 Prozent. Der Dax lag am Nachmittag noch 0,6 Prozent im Plus bei 11.493 Punkten.

Lyft Aktie wird zu 72 Dollar ausgegeben - 20 Prozent Gewinn zum Start

Anleger haben sich bei der Premiere des Fahrdienst Vermittlers Lyft an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq um die Aktien gerissen. Der erste Kurs der unter dem Tickerkürzel "LYFT" gelisteten Papiere lag am Freitag bei 87,24 Dollar - gut 20 Prozent über dem Ausgabepreis von 72 Dollar. Das kalifornische Unternehmen sammelte mit dem Börsengang rund 2,3 Milliarden Dollar bei Investoren ein und wurde insgesamt mit mehr als 24 Milliarden bewertet. Die Nachfrage nach den Aktien war bereits vor dem Handelsauftakt so groß gewesen, dass Lyft sie am oberen Ende einer zuvor schon deutlich erhöhten Preisspanne losschlagen konnte. Der Uber-Rivale legte damit einen erfolgreichen Börsengang hin, obwohl der bislang nur in den USA und Kanada verfügbare Anbieter von schwarzen Zahlen noch meilenweit entfernt ist. Im vergangenen Jahr wurde der Umsatz zwar auf 2,2 Milliarden Dollar verdoppelt, unter dem Strich fiel jedoch ein hoher Verlust von 911 Millionen Dollar an.

Wirecard Aktie fällt um 10 Prozent: Neue Attacke der Financial Times (FT)

Die Aktien von Wirecard dagegen gaben am Freitag zeitweise um rund 10 Prozent nach und fielen wieder unter die Marke von 111 Euro. Wirecard hatte am Vortag die Finanzzeitung "Financial Times" FT verklagt und Geld für die Anleger zurückgefordert. Der Zahlungsabwickler sieht sich durch das externe Gutachten der Kanzlei Rajah und Tann entlastet. Als Reaktion startete die "FT" am Freitag nun eine neue Attacke mit neuen Vorwürfen auf Wirecard .

Diesmal stellt die FT die Glaubwürdigkeit von Wirecards Lizenzpartnern in Frage. Vor allem das Partnerunternehmen "Cone Pay" sei fragwürdig, so die FT. Das Blatt berief sich dabei auch auf die Ermittlungen, die die Polizei in Singapur wegen des Verdachts finanzieller Unregelmäßigkeiten in der dortigen Wirecard-Niederlassung angestrengt hat. Wirecard wies die Vorwürfe der FT erneut zurück. Der heutige Bericht der FT sei Teil einer Reihe von "falschen, irreführenden Informationen". Die Informationen seien "ungenau und absichtlich falsch zitiert". Der Anteil von Transaktionen, die Wirecard über Lizenzpartner wie Cone Pay abwickle, nehme kontinuierlich ab.

Wall Street: Dow Jones gewinnt rund 10 Prozent im ersten Quartal

Der US-Leitindex Dow Jones dürfte am Freitag ein außerordentlich gutes Auftaktquartal besiegeln. Mit einem positiven Freitagshandel würde das Kursbarometer der Wall Street nicht nur eine robuste Woche besiegeln, sondern vielmehr noch ein starkes erstes Jahresviertel, das nun endet. Bislang hat der Dow im Auftaktquartal rund 10 Prozent zugelegt.

Zumindest etwas mutiger blicken die Anleger am Freitag nach Peking, wo die jüngste Verhandlungsrunde im Handelsstreit zwischen den USA und China zu Ende geht. Chinas Vize-Premierminister Liu He, der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer und US-Finanzminister Steven Mnuchin wollen den zweiten Verhandlungstag nutzen, um einer Vereinbarung näherzukommen. Schon kommende Woche sind weitere Gespräche in Washington geplant.

Merck greift nach Versum Materials

Auf Unternehmensseite sorgt DowDupont vorbörslich mit einem fast 2-prozentigen Abschlag für Aufmerksamkeit. Der vor der Aufspaltung stehende US-Chemiekonzern blickt noch pessimistischer auf das erste Quartal als bisher ohnehin schon. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) dürfte im hohen Zehnerprozentbereich fallen.

Gesprächsstoff liefert außerdem der Übernahmekampf um den Halbleiterzulieferer Versum Materials, der sich nun unter dem Druck des feindlichen Übernahmeangebots durch den Darmstädter Merck KGaA gesprächsbereit zeigt. Am Markt hieß es, das Unternehmen könnte damit den Versuch starten, bei einer Übernahme noch mehr herauszuholen.

Chef von Wells Fargo geht, Blackberry steigt zweistellig

Bei der skandalgeschüttelten US-Großbank Wells Fargo jedoch reagieren die Anleger offenbar erleichtert darauf, dass Vorstandschef Tim Sloan nach nur rund zweieinhalb Jahren schon wieder seinen Posten räumt. Für die Aktien ging es im außerbörslichen Handel um etwa 2 Prozent nach oben.

Noch euphorischer ging es bei Blackberry zu: Überzeugende Resultate für das vierte Geschäftsquartal trieben die Titel des für seine Smartphones bekannten Technologiekonzerns an der Nasdaq vorbörslich um 11,5 Prozent nach oben.

Thyssenkrupp profitiert von Auftrag aus Brasilien

Im Dax verschaffte ein Großauftrag für die Marinesparte aus Brasilien dem Thyssenkrupp -Papier Auftrieb. Die Aktie legte als einer der Index-Favoriten um mehr als eineinhalb Prozent zu - allerdings kommen die Papiere auch vom tiefsten Stand seit Juni 2012.

Fortschritte bei Handelsgesprächen China und USA

Aktien würden nun gekauft, weil die Anleger das Ausbleiben eines chaotischen Brexit sowie einen Handelsdeal zwischen den USA und China antizipierten, konstatierte Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners. Nach monatelangen Hängepartien gibt es bislang bei beiden Themen aber noch keinen Durchbruch: Im US-chinesischen Handelskonflikt werden die hochrangigen Gespräche in Peking an diesem Freitag fortgesetzt. Am Nachmittag stimmt zudem das britische Parlament erneut über das EU-Austrittsabkommen ab.

Erneute Brexit-Abstimmung im Unterhaus

Geplant ist nun, das Vertragspaket zum EU-Austritt in zwei Teile zu zerlegen. Demnach soll am Freitag nur der Vertrag über den Austritt, nicht aber die politische Erklärung über die künftigen Beziehungen zur Abstimmung stehen. Ob das beim Thema Brexit völlig zerstrittene Unterhaus dem Vertrag nunmehr zustimmt, ist allerdings sehr fraglich.


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Während in den USA Stimmungsdaten aus der amerikanischen Wirtschaft anstehen, haben auf Unternehmensseite die Anleger noch einige Jahreszahlen zu verdauen: Den Bilanzreigen dieser Woche, der hauptsächlich bei den Nebenwerten stattfand, beschließen der Bausoftwarehersteller Nemetschek und der Wettbewerber RIB Software sowie der Klinikbetreiber Rhön-Klinkum Klinikumn und der Kabelnetzbetreiber Tele Columbus .

Da es sich hauptsächlich um endgültige Kennziffern handelt, dürften die Investoren vor allem auf die Ziele der Unternehmen für das laufende Jahr achten. So verlieh bereits vorbörslich ein unerwartet starker Umsatzausblick der Erholung der Aktien von RIB Software Rückenwind.

Telekom ex Dividende: Konzern schüttet 70 Cent je Aktie aus

Aktien der Deutsche Telekom werden an diesem Tag ex-Dividende gehandelt. Die Dividende beträgt 70 Cent und wird vom aktuellen Kurs der Telekom abgerechnet. Neuigkeiten aus den USA könnten die Stimmung jedoch trüben: Ein Händler verwies auf Medienberichte, wonach womöglich einige US-Staaten gegen die geplante Fusion der Tochter T-Mobile US und Sprint klagen könnte, selbst wenn das Justizministerium den Deal durchwinken sollte. Die Papiere beider US-Unternehmen hatten am Vorabend an der Wall Street bereits deutlich verloren.

Asiens Börsen im Plus

In der Hoffnung auf ein baldiges Ende im Zollstreit zwischen den USA und China steigen Anleger wieder in die asiatischen Aktienmärkte ein. Der japanische Nikkei-Index stieg am Freitag um 0,8 Prozent auf 21.206 Punkte. Die Börse Shanghai gewann sogar 3,2 Prozent auf 3091 Zähler. US-Finanzminister Steven Mnuchin äußerte sich am Rande einer neuen Verhandlungsrunde mit der Regierung in Peking positiv zum Verlauf der Gespräche. Der oberste Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, hatte am Donnerstag zudem angedeutet, bei einem Abkommen könnten einige Zölle aufgehoben werden. Vor diesem Hintergrund griffen Investoren bei Reedereien wie Kawasaki Kisen oder Anlagenbauern wie Fanuc oder Yaskawa Electric zu, deren Aktien bis zu 2,4 Prozent gewannen. In Shanghai stiegen die Titel von Kweichow Moutai zeitweise auf ein Rekordhoch von 866,68 Yuan.

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