14.11.2019 
Börse

Dax im Minus, Dow Jones zeigt Schwäche

Neue Unsicherheit im Handelsstreit belastet den Dax am Donnerstag. Im Blick stehen die Aktien von RWE, Merck und Daimler: Vor allem Daimler gerät unter Druck. Auch an der Wall Street werden Anleger nach der jüngsten Rekordjagd vorsichtig.

Atempause: Nach der jüngsten Rally am Aktienmarkt in den vergangenen Wochen warten Anleger am Donnerstag weiter ab und nehmen vereinzelt Gewinne mit. Solange es keine klaren Fortschritte in den Handelsgesprächen zwischen den USA und China gibt und da US-Präsident Donald Trump sogar eine Erhöhung der Strafzölle androhte, werden Risiken eher gemieden. Der Dax gab bis zum Handelsschluss auf Xetra um 0,4 Prozent nach und fiel mit 13.180 Zählern wieder unter die Marke von 13.200 Punkten. Erst am Dienstag hatte der deutsche Leitindex bei 13.308 Punkten ein 20-Monats-Hoch erreicht.

Laut Analyst Thu Lan Nguyen von der Commerzbank steht aktuell vor allem Trumps neue Drohung gegenüber China im Fokus. Die Marktteilnehmer hätten anscheinend bisher wohl nur die beiden Szenarien erwogen, dass sich die USA und China entweder auf ein Teilabkommen im Handel einigen oder, falls nicht, vorerst der Status Quo beibehalten würde. "Dass ein Scheitern der Verhandlungen in einer weiteren Eskalation des Konflikts enden könnte, also die Strafzölle nochmals erhöht werden könnten, hatten offenbar nur wenige auf dem Schirm", schrieb er.

Källenius stellt Sparprogramm vor: Daimler-Aktie unter Druck

Der neue Daimler-Chef Ola Källenius will mit einem Sparprogramm den Autokonzern bei wachsendem Gegenwind von Klimaschutzzielen und schwachen Märkten auf Kurs halten. Die hohen Kosten zum Erreichen der Reduktionsziele für den CO2-Ausstoß erforderten mehr Effizienz und schlankere Strukturen im ganzen Unternehmen, erklärte Källenius am Donnerstag zum Auftakt des Kapitalmarkttages in London. Daimler will die Kosten durch Personalabbau und weniger Ausgaben in der Produktion in den kommenden drei Jahren um mehr als anderthalb Milliarden Euro senken. Der Wandel zu Elektroautos werde den Gewinn in den kommenden beiden Jahren belasten, so dass die Pkw-Tochter Mercedes-Benz Cars und Vans auf dem niedrigen Renditeniveau von vier Prozent verharren könnte. An der Börse waren die Aktien von Daimler mit einem Minus von gut drei Prozent größter Verlierer im Dax.

Deutsche Wirtschaft schrammt an Rezession vorbei

Die an diesem Morgen bekannt gegebenen Konjunkturdaten aus Asien und Deutschland ergeben kein einheitliches Bild. So schrammte die deutsche Wirtschaft überraschend an einer leichten Rezession vorbei. Aktuelle Wirtschaftsdaten aus Asien aber enttäuschten: In Japan wuchs die Wirtschaft zwischen Juli und September zwar das vierte Quartal in Folge, viele Ökonomen hatten aber mit stärkerem Wachstum gerechnet. In China enttäuschten die Industrieproduktion, der Einzelhandelsumsatz und die Investitionen in Sachanlagen. Außerdem bleibt die politische Lage in Hongkong brisant.

Wall Street: Dow Jones mit leichten Verlusten nach Rekordhoch

Nur wenig verändert ist die Wall Street am Donnerstag in den Handel gestartet. Der Leitindex Dow Jones notierte im frühen Handel 0,2 Prozent tiefer bei 27 713 Punkten. Am Vortag hatte der Leitindex erstmals in seiner Geschichte die Marke von 27 800 Punkten überwunden und ein weiteres Rekordhoch markiert.

Händlern zufolge dürften Spekulationen um stockende Handelsgespräche zwischen den USA und China die Kauflust der Anleger bremsen. Medienberichten zufolge fordert US-Präsident Donald Trump von den Chinesen, doppelt so viel US-Agrarprodukte zu kaufen wie vor dem Zollstreit. China wolle sich hingegen nicht auf eine bestimmte Abnahmemenge verpflichten.

Walmart gefragt, Cisco unter Druck

Unter den Einzelwerten sorgen die Aktien von Walmart mit einem vorbörslichen Kursgewinn von 1,6 Prozent für Unterstützung. Der größte US-Einzelhändler schnitt im dritten Geschäftsquartal dank florierender Online-Verkäufe besser als erwartet ab. Die Quartalszahlen übertrafen die Prognosen der Analysten beim Gewinn deutlich.

Dagegen verschreckte der US-Netzwerk-Spezialist Cisco die Anleger mit seinem Blick in die Zukunft. Der Umsatz werde wegen eines "herausfordernden makroökonomischen Umfeld" im laufenden Quartal um drei bis fünf Prozent sinken, teilte das Unternehmen mit. Analysten hatten bisher mit einem Plus von 2,7 Prozent gerechnet. Im vorbörslichen Handel sackte der Cisco-Aktienkurs um 5,7 Prozent ab.

Kurs von CTS Eventim sehr schwach - Gründer reduziert Anteil

CTS-Eventim-Gründer und Vorstandschef Klaus Schulenberg hat die jüngste Rally der Aktie für einen Verkauf von Anteilen genutzt. Mit der Platzierung von 4,2 Millionen Aktien sinkt seine über die KPS Stiftung gehaltene Beteiligung von etwas mehr als 43 Prozent auf 38,8 Prozent, wie CTS Eventim am Donnerstag in München mitteilte. Angaben zum Verkaufserlös machte das Unternehmen nicht.

Gemessen am Schlusskurs vom Mittwoch und dem üblichen Abschlag bei solchen Platzierungen dürfte der Erlös bei etwa mehr als 200 Millionen Euro liegen. Schulenberg ist aber nicht so viele Aktien losgeworden. Am Mittwoch hatte er noch die Platzierung von bis zu 7,84 Millionen Aktien angekündigt. Die CTS-Anteile befinden sich seit einiger Zeit auf einem Höhenflug und hatten erst am Mittwoch mit 55,75 Euro den höchsten Stand ihrer Geschichte erreicht. Am Donnerstag gaben sie in den ersten Handelsminuten rund bis zu 9,4 Prozent ab, konnte das Minus zuletzt aber auf sieben Prozent eindämmen. CTS Eventim ist an der Börse derzeit knapp fünf Milliarden Euro wert - Schulenbergs übrig gebliebener Anteil kommt damit auf einen Wert von 1,9 Milliarden Euro.

Henkel meldet Gewinnrückgang

Im Fokus stehen im Zuge der Berichtssaison auch wieder zahlreiche Einzelwerte am deutschen Aktienmarkt. So legten allein aus dem Dax mit Merck KGaA, Henkel und RWE drei Unternehmen ihre Zahlen vor und äußerten sich zum Gesamtjahr. Der Konsumgüterhersteller Henkel wurden von der Konjunkturschwäche belastet und meldete einen Gewinnrückgang im dritten Quartal.


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RWE erhöht Ziele, Aktie dennoch im Minus

Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck KGaA und auch der Versorger RWE sind inzwischen etwas optimistischer geworden, was das Jahr 2019 betrifft. Beide hoben zur Vorlage ihrer Geschäftsberichte ihre Prognosen an, was ihnen im frühen Handel Gewinne bescherte. Anschließend rutschte die Aktie von RWE jedoch klar ins Minus, da der Ausblick auf das Geschäft mit Erneuerbaren Energien unter den Erwartungen der Analysten blieb und Anlass zu Gewinnmitnahmen bot. Seit Januar hatte die Aktie von RWE rund 40 Prozent zugelegt.

Merck erhöht Ziele nach Versum-Übernahme

Der Spezialchemie- und Pharmakonzern Merck KGaA setzt sich nach dem Zukauf des US-Halbleiterzulieferers Versum für 2019 höhere Umsatz- und Ergebnisziele. Die Erlöse sollen 2019 nun auf 15,7 bis 16,3 Milliarden Euro steigen, wie der Konzern am Donnerstag in Darmstadt mitteilte. Die erhöhte Prognose liege zum Teil an günstigen Währungseffekten, zum Teil aber auch am Versum-Kauf.

Weitere Geschäftsberichte gab es auch aus der zweiten und dritten Börsenreihe, etwa von K+S Deutscher Euroshop, Aumann , Patrizia Immobilien und Cancom .

China-Daten trüben Stimmung an asiatischen Börsen

Die schwachen Konjunkturdaten aus China haben die Stimmung an den asiatischen Börsen am Donnerstag getrübt. In Japan gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,8 Prozent nach auf 23.141 Punkte, der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,9 Prozent und lag bei 1684 Punkten.

Euro weiter bei 1,10 Dollar

Der Euro hat sich an der Marke von 1,10 US-Dollar gehalten. Am Morgen kostete die Gemeinschaftswährung knapp 1,10 Dollar und damit in etwa so viel wie am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwochnachmittag auf 1,1006 Dollar festgesetzt.

Ölpreise legen weiter zu

Die Ölpreise haben ihre Aufschläge vom Vortag ausgebaut. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot 62,75 US-Dollar. Das waren 38 Cent mehr als am Mittwoch. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 39 Cent auf 57,51 Dollar.

Händler nannten zwei Gründe für die steigenden Erdölpreise. Zum einen wurde auf neue Lagerdaten aus den USA erwiesen. Das American Petroleum Institute (API) hatte am Vorabend einen Rückgang der amerikanischen Rohölvorräte gemeldet. Sinkende Reserven sorgen normalerweise für steigende Ölpreise. An diesem Donnerstag gibt die Regierung ihre wöchentlichen Lagerdaten bekannt.

Hinzu kamen Äußerungen aus den Reihen des Erdölkartells Opec. Mohammed Barkindo, Generalsekretär des Verbunds, hatte am Mittwoch die Erwartung einer rückläufigen Ölproduktion außerhalb der Opec im kommenden Jahr geäußert. Er begründete seine Prognose mit einer schwächeren amerikanischen Schieferölproduktion. Die bislang hohe US-Produktion ist einer der Hauptgründe, warum sich die Opec zunehmend unter Druck sieht, ihre Förderung zwecks Preisstützung weiter zu kürzen.

mit Nachrichtenagenturen

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