13.08.2019 
Gewinne an der Börse

Hoffnung im Handelsstreit sorgt für Kursrally

Neue Hoffnung im Handelsstreit: Meldungen, dass die USA geplante Strafzölle auf chinesische Waren erst einmal verschieben, sorgen für eine Kursrally weltweit. Der Dax legt zu, und an den US-Börsen starten Dow Jones und Nasdaq durch.

Aufholjagd nach dem Kursrutsch: Der Dax ist am Dienstag im späten Handel in die Höhe gesprungen und zeitweise wieder über die Marke von 11.800 Zählern geklettert. Für die weltweite Kursrally sorgten Signale für eine mögliche Entspannung im Handelsstreit zwischen USA und China. Auch die US-Indizes Dow Jones und Nasdaq Stock Market legten deutlich zu.

Zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) summierten sich die Gewinne im Dax auf 0,6 Prozent bei 11.750 Punkten. Zuvor war der Dax bis auf 11.548 Zähler gefallen. An der Wall Street legte der Nasdaq Stock Market bis zum Handelsschluss in Deutschland um 2 Prozent zu, während der Dow Jones um 1,6 Prozent kletterte. Zu den größten Gewinnern im Dax zählten im späten Handel die Automobilwerte VW, Daimler und BMW sowie die Techwerte Infineon und SAP . Lediglich Henkel , Lufthansa , Eon und Vonovia notierten im Dax 30 im Minus.

Anlass für die neue Zuversicht: Die USA verschieben einen Teil der geplanten neuen Strafzölle auf chinesische Importe auf Mitte Dezember. Elektronische Produkte seien zunächst nicht von den Abgaben in Höhe von zehn Prozent betroffen, teilte die Regierung in Washington am Dienstag mit. Ursprünglich wollte US-Präsident Donald Trump Anfang September die Abgaben im Wert von 300 Milliarden Dollar in Kraft setzen.

Der ursprünglich für September geplante Zollsatz in Höhe von 10 Prozent soll für Mobiltelefone, Laptops, Monitore, bestimmtes Spielzeug und manche Schuhe sowie Kleidungsstücke erst ab 15. Dezember gelten, wie der US-Handelsbeauftragte am Dienstag erklärte.

US-Präsident Donald Trump stärkte die Hoffnung auf eine leichte Entspannung in dem Konflikt: Trump will unter anderem, dass China deutlich mehr US-Agrarerzeugnisse kauft. "Bisher haben sie nicht gemacht, was sie zugesagt haben", twitterte Trump am Dienstag. Womöglich ändere sich dies aber noch.

Der marktbreite S&P 500 rückte zuletzt um 1,74 Prozent auf 2933,34 Punkte vor und der technologielastige Nasdaq 100 brachte es zeitweise mit 7758,09 Zählern sogar auf ein Plus von 2,60 Prozent. Die US-Technologiebranche gilt als besonders eng verbunden mit Fernost, daher profitierten die Aktien hier überproportional von den Nachrichten.

Das chinesische Handelsministerium wiederum stellte telefonische Gespräche mit den USA in zwei Wochen in Aussicht.

In New York verteuerten sich Apple -Aktien beispielsweise um mehr als fünf Prozent. Auch Chipwerte waren stark gefragt. "Das ist ein Hoffnungszeichen", sagte ein Börsianer.

Die USA hatten den Handelsstreit, der die Weltwirtschaft bereits deutlich bremst, zuletzt erst verschärft. Erstmals seit 25 Jahren stuften sie China wieder als Währungsmanipulator ein. Peking setzte daraufhin den Kauf von US-Agrarprodukten aus.


Dax Realtime: Hier sehen Sie Dax und Dow Jones in Echtzeit auf einen Blick


Konjunkturerwartungen in Deutschland brechen ein

Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im August erneut stark verschlechtert. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel um 19,6 Punkte auf minus 44,1 Zähler, wie das Institut am Dienstag in Mannheim mitteilte. Nach dem vierten Rückgang in Folge notiert der Indikator auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2011. Analysten hatten zwar eine Eintrübung erwartet, aber eine wesentlich schwächere.

Henkel schraubt Prognose herunter

Mit einem Minus von zuletzt mehr als 5 Prozent standen die Aktien von Henkel am Dax-Ende. Der Konsumgüterhersteller schraubte nach Gewinnrückgängen im Quartal seine Jahresprognose herunter. Vor allem das Geschäft mit Kunden aus der Automobilbranche laufe schlecht, sagte Konzernchef Hans Van Bylen.

In der zweiten Reihe legten die Papiere von Hellofresh um mehr als vier Prozent zu. Der Versender von Kochboxen ist nach dem zweiten Quartal für das Gesamtjahr etwas zuversichtlicher gestimmt.

Euro fällt unter die Marke von 1,12 Dollar, Dollar springt

Der Kurs des Euro ist am Dienstag angesichts von Bewegung im Handelsstreit zwischen den USA und China unter Druck geraten. Am Nachmittag kostete die europäische Gemeinschaftswährung 1,1178 US-Dollar. Im Mittagshandel hatte der Euro noch über 1,12 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1222 (Montag: 1,1194) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8911 (0,8933) Euro.

Der Dollar profitierte von Meldungen zum Handelskonflikt zwischen den USA und China. Die US-Regierung will die Einführung der jüngst angekündigten Strafzölle auf Importe aus China für einige Produktgruppen verschieben. Auch gegenüber dem chinesischen Yuan legte der Dollar deutlich zu.

Das chinesische Handelsministerium teilte zudem mit, dass die USA und China bereits in zwei Wochen telefonische Handelsgespräche führen wollen. Die vorige Gesprächsrunde der beiden Staaten im Juli war ohne konkretes Ergebnis zu Ende gegangen. Trumps Regierung verhängte daraufhin die neuen Strafzölle.

Sehr schwache Konjunkturdaten aus Deutschland hatten den Euro am Vormittag nicht belastet. So waren die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobenen Konjunkturerwartungen auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011 gefallen. Der Rückgang war deutlich stärker als von Ökonomen erwartet.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,92830 (0,92615) britische Pfund, 118,01 (117,69) japanische Yen und 1,0853 (1,0876) Schweizer Franken fest. Die Feinunze (etwa 31 Gramm) Gold wurde in London am Nachmittag mit 1495 Dollar gehandelt. Das waren rund 16 Dollar weniger als am Vortag.

mit dpa und reuters

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