20.05.2019 
Kursrutsch an der Börse

Dax knickt ein, Deutsche Bank auf 46-Jahres-Tief

Der Dax stürzt zeitweise unter die Marke von 12.000 Zählern. Die Aktie der Deutschen Bank fällt auf den tiefsten Stand seit Dezember 1973, und auch die Aktie von Infineon gerät unter Druck. In den USA tauchen US-Chipwerte wegen der US-Sanktionen gegen Huawei ab.

Kursrutsch zum Wochenauftakt: Der Dax war am Morgen zunächst bis auf 12.250 Zähler geklettert, verlor dann aber binnen kurzer Zeit mehr als 250 Punkte und notierte am Nachmittag zeitweise unter der Marke von 12.000 Punkten. Im Anschluss startete der Dax jedoch einen Stabilisierungsversuch. "An Belastungsfaktoren mangelt es im Augenblick nicht", sagte Marktanalyst Christian Henke vom Online-Broker IG. Neben dem Handelsstreit und der sich zuspitzenden Situation im persischen Golf rückten die Europa-Wahlen zunehmend in den Fokus. Zudem verschärft sich mit dem US-Boykott von Huawei der Konflikt zwischen USA und China - auch viele deutsche Unternehmen wie Infineon sind betroffen.

Deutsche Bank fällt auf Rekordtief

Einer der größten Verlierer im Dax waren die Titel der Deutschen Bank mit einem Minus von 1,6 Prozent auf 6,67 Euro. Damit fielen sie auf den tiefsten Stand seit Dezember 1973. Händler führten die Kursverluste auf einen Bericht der "New York Times" zurück. Demzufolge sollen Führungskräfte der Deutschen Bank Mitarbeiter davon abgehalten haben, auffällige Transaktionen bei Firmen von US-Präsident Donald Trump und seinem Schwiegersohn Jared Kushner der Finanzaufsicht zu melden. Die Deutsche Bank wies die Vorwürfe zurück.

Infineon unter Druck: Keine Lieferungen an Huawei

Um mehr als 4 Prozent bergab ging es mit Aktien von Infineon . Der Konzern liefert vorerst keine in den USA hergestellten Produkte mehr an den chinesischen Mobilfunkanbieter Huawei. Das Unternehmen wurde vergangene Woche von den USA auf eine schwarze Liste gesetzt, die es US-Firmen verbietet mit Huawei Geschäfte zu machen.

Verluste in den USA - Konflikt mit China durch Huawei verschärft

In den USA sind Dow Jones und Nasdaq Composite ebenfalls mit deutlichen Verlusten in den Handel gestartet. Die Kriegsdrohungen Trumps gegen den Iran sowie die US-Sanktionen gegen den chinesischen Ausrüster Huawei sorgen dafür, dass Anleger Geld in Sicherheit bringen. Während der Dow Jones seine Verluste mit 0,7 Prozent noch in Grenzen hielt, gab der Techindex Nasdaq Stock Market um 2 Prozent nach.

Aktien von Apple gaben am Montag um mehr als 2 Prozent nach. Nach einer Einschätzung der Bank HSBC dürfte eine Eskalation im Zollstreit zwischen USA und China bittere Konsequenzen für den iPhone Hersteller haben, dessen Produkte in China bereits wachsende Konkurrenz bekommen haben.

Die US-Sanktionen gegen den chinesischen Netzwerkriesen Huawei fallen unterdessen auch auf US-Unternehmen zurück. Chipkonzerne wie Qualcomm , Broadcom und Xilinx mit Abgaben zwischen 4,7 und 5,0 Prozent darauf, dass sie Huawei bis auf weiteres nicht beliefern werden. Dies jedenfalls berichtete am Montag der Finanzdienst Bloomberg in Berufung auf eine Mitteilung an die Mitarbeiter. Huawei war am Freitag im Zuge des Handelskonflikts mit China auf eine "schwarze Liste" der US-Regierung aufgenommen worden, so dass Geschäftsbeziehungen ab sofort strengen Kontrollen unterliegen. Der chinesische Handyhersteller und Telekom-Ausrüster wird von den US-Behörden verdächtigt, seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China zu nutzen.

Alphabet und Apple unter Druck

Außerdem hat der Huawei-Fall Folgen für den Google -Mutterkonzern Alphabet , dessen Aktien vorbörslich um 1,9 Prozent nachgaben. Der chinesische Konzern wird mit seinen Smartphones auch von wichtigen Google-Technologien abgeschnitten. Wegen der Sanktionen wird Huawei zukünftige Modelle nicht mehr mit vorinstallierten Google-Diensten verkaufen können, was die Verkaufsaussichten in Europa drastisch verschlechtert.

Als weiteres Opfer davon, dass sich die Geschäftsbeziehungen zwischen den USA und China verschlechtern, gilt auch Apple . Die Aktie fiel um fast 3 Prozent. Der iPhone-Hersteller hatte zuletzt immer wieder besonders stark unter dem zugespitzten Handelsstreit mit China gelitten - aus Sorge um die Lieferketten in Fernost und die Rolle Chinas als wichtiger Absatzmarkt.

T-Mobile US und Sprint: Neue Hoffnung auf Fusion

Positive Ausnahmen waren am Montag die Aktien von T-Mobile US und Sprint wegen der Aussicht, dass beide bald grünes Licht für ihre geplante Fusion bekommen könnten. Die US-Kommunikationsbehörde FCC will die Genehmigung empfehlen. Anleger honorierten dies mit einem vorbörslich Kursanstieg um 5 Prozent im Falle der Telekom-Tochter, während Sprint sogar um 24 Prozent anzogen. Zuvor war bereits spekuliert worden, dass beide Unternehmen Zugeständnisse machen wollen

Wirecard profitiert von Empfehlung

Wirecard indes legten um knapp 2 Prozent zu und profitierten von einer Kaufempfehlung der Deutschen Bank. Analystin Nooshin Nejati stützt ihr "Buy"-Votum mit einem Ziel von 200 Euro auf die weiter steigende Geschäftsdynamik sowie auf die Zerstreuung von Bedenken zur Glaubwürdigkeit nach der jüngsten Entlastung durch eine Anwaltskanzlei aus Singapur. Die "Financial Times" wiederholte derweil ihre Vorwürfe von Ende April, wonach angeblich in den vergangenen Jahren die Hälfte der Unternehmenserlöse und fast die gesamten Gewinne auf lediglich drei Partner zurückgegangen seien.

BASF und Bayer mit Verlusten

Auch die Dax-Schwergewichte BASF und Bayer gerieten im Handelsverlauf verstärkt unter Druck und verschärften den erneuten Abwärtstrend im Dax . Anfang der vergangenen Woche noch war der Dax inmitten des Handelsstreits zunächst bis auf 11.844 Punkte abgesackt, im Wochenverlauf dann aber bis auf 12.310 Punkte geklettert und hatte letztlich ein Plus von rund anderthalb Prozent erzielt. Mit dieser Zwischenerholung ist es zunächst einmal vorbei.


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Streit um Zölle auf europäische Autos

"Zunächst hatte die geplante Verschiebung von Zöllen auf europäische Autos für deutlichen Rückenwind am deutschen Aktienmarkt gesorgt", sagte Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Dies sei aber nur eine Seite der Medaille, warnte er und verwies auf die eine von der EU-Handelskammer in Peking veröffentlichte Mitgliederbefragung zum Handelsstreit und den Geschäften europäischer Firmen. Mehr als jedes dritte europäische Unternehmen, das in China tätig ist, spürt demnach bereits die negative Folgen durch verhängte Strafzölle. Zudem, so Schmidt, rücke auch der Brexit womöglich wieder in den Blick. Denn am Freitag hieß es, dass die wochenlangen Gespräche zwischen der britischen Regierung und der Opposition über einen Kompromiss im Streit um den EU-Austritt Großbritanniens vorerst gescheitert sind.

Nicht aus der Ruhe bringen lassen sich die Anleger von scharfer Rhetorik des US-Präsidenten Donald Trump Richtung Teheran. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hatte er demIran mit der Vernichtung gedroht, wenn der Gottesstaat kämpfen wolle. Zuvor hatte sich der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Hussein Salami, kämpferisch gegeben.

Euro unter 1,12 Dollar

Der Euro hat zu Wochenbeginn weiter unter der Marke von 1,12 US-Dollar notiert. Am Montagmorgen kostete die Gemeinschaftswährung 1,1150 Dollar und damit in etwa so viel wie am späten Freitagabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,1172 Dollar festgesetzt.

Zum Wochenstart stehen sowohl in Europa als auch in den USA nur wenige Konjunkturdaten auf dem Programm, die an den Finanzmärkten für Bewegung sorgen könnten. Allerdings äußern sich einige hochrangige Zentralbanker.

Deutliche Kursgewinne verbuchte im frühen Handel die indische Rupie. Am Markt wurde dies mit nach Schließung der Wahllokale veröffentlichten Wählerbefragungen begründet. Demnach ist die Partei von Regierungschef Narendra Modi aus der mehrwöchigen Parlamentswahl als Gewinner hervorgegangen. Ausgezählt werden die Ergebnisse jedoch erst am Donnerstag.

Ölpreise legen zu

Die Ölpreise sind zu Wochenbeginn spürbar gestiegen. Am Markt wurde auf Äußerungen aus Saudi-Arabien und die hohen politischen Spannungen zwischen den USA und Iran verwiesen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Oil Spot kostete am Morgen 73,12 US-Dollar. Das waren 91 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 76 Cent auf 63,52 Dollar.

Ein Grund für die Preiszuwächse waren Äußerungen aus den Reihen des Ölkartells Opec. Am Wochenende hatte der saudische Ölminister Khalid Al-Falih die Haltung seines Landes bekräftigt, die zwischen der Opec und anderen großen Förderern vereinbarten Produktionskürzungen in der zweiten Jahreshälfte beizubehalten. Gemischte Signale kamen dagegen von Russland, das zu der Vereinigung "Opec+" gehört.

Für Preisauftrieb sorgten zudem Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. "Wenn der Iran kämpfen will, wird das das offizielle Ende des Iran sein. Droht nie wieder den Vereinigten Staaten!", schrieb Trump am Sonntag auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Die USA streiten mit dem ölreichen Iran seit längerem über dessen Atomprogramm. In den vergangenen Wochen haben sich die politischen Beziehungen der beiden Länder zunehmend verschlechtert.

mit Nachrichtenagenturen

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