22.03.2019 
Börse

Dax und Dow tauchen ab, Wirecard Aktie stürzt

Dax und Dow Jones rutschen zum Wochenschluss klar ins Minus: Schwache Konjunkturdaten sorgen für eine Verkaufswelle. Die Aktien von RWE legen gegen den Trend zu. Dagegen stürzt die Aktie von Wirecard unter die Schwelle von 100 Euro.

Deutliche Kursverluste zum Wochenschluss: Eine trübe Stimmung in der deutschen Industrie sowie schwache US-Konjunkturdaten haben Anleger am Freitag vertrieben. Im frühen Handel kletterte der Dax noch kurzzeitig über die Marke von 11.600 Punkten, drehte nach Veröffentlichung der Stimmungsdaten der deutschen Einkaufsmanager jedoch klar ins Minus. Zum Handelsschluss auf Xetra notierte er 1,6 Prozent tiefer bei 11.364 Punkten. Die Furcht vor einer drohenden Rezession macht sich abermals breit. Auf Wochensicht zeichnet sich für das Barometer ein Minus von mehr als 3 Prozent ab.

Auslöser für die verstärkten Konjunktursorgen waren am Freitag schwache Wirtschaftsdaten aus Deutschland und den USA. Der deutsche IHS-Einkaufsmanagerindex fiel im März um 2,9 auf 44,7 Punkte. Erst bei mehr als 50,0 signalisiert das Barometer ein Wachstum. Das Stimmungsbarometer für das verarbeitende Gewerbe in den USA fiel um 0,5 Prozent auf 52,5 Punkte, statt wie erwartet bei 53,6 zu liegen. Außerdem sendete der US-Anleihemarkt ein Alarmsignal, da die Renditen kurzfristiger Anleihen erstmals seit 2017 wieder höher notierten als die Renditen langfristiger US-Bonds. Eine solche inverse Zinskurse ist ein Warnzeichen für eine drohende Rezession.

Dow Jones und Nasdaq klar im Minus

An der Wall Street waren Anleger ebenfalls vorsichtig und nahmen Geld vom Tisch. Der Dow Jones gab am Freitag um rund 400 Punkte (1,6 Prozent) nach, während der Nasdaq Composite sogar um 2 Prozent nachgab.

Zu den wenigen Gewinnern im Dax gehörten die Aktien von RWE und Eon mit Gewinnen zwischen 2 und 3 Prozent. RWE profitierte von einer Empfehlung von Goldman Sachs.

Wirecard unter Druck - Aktie unter 100 Euro

Die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard startete am Freitag zunächst Erholungsversuch, nachdem das Papier in den Tagen zuvor erneut eingebrochen war. Im späten Handel brach die Aktie jedoch erneut ein und fiel bis zum Abend sogar unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Euro zurück. Binnen sieben Handelstagen hat die Aktie von Wirecard mehr als 20 Prozent an Wert verloren.

Die Aktien von Siemens und Thyssenkrupp drehten dagegen im weiteren Handelsverlauf klar ins Minus: Die Aktie von Siemens baute ihre Verluste auf mehr als 3 Prozent aus und gehörte am Freitag zu den schwächsten Titeln im Dax.

Neue Brexit-Frist gibt kaum Impulse

Dass der Brexit verschoben und damit vorerst auch ein chaotischer EU-Austritt Großbritanniens abgewendet wurde, lässt die Anleger weitgehend kalt. "Der Brexit-Kaugummi zieht sich ins schier Unermessliche", kommentierten dies die Analysten des Bankhauses Donner & Reuschel.

Adidas profitieren von Nike-Zahlen

Die Aktien des Sportartikelherstellers Adidas stehen nach Zahlen des US-Konkurrenten Nike im Blick. Nike hat angetrieben von starken Online-Verkäufen ein weiteres Quartal mit glänzenden Ergebnissen hinter sich. Allerdings hätten die Umsätze in Nordamerika enttäuscht, bemängelte ein Händler. Aber: Oft werde die Schwäche des einen als die Stärke des anderen interpretiert. Adidas gewannen im vorderen Dax-Feld 1,2 Prozent hinzu.

An der SDax -Spitze ging es für die Aktien von Hapag-Lloyd nach einem positiv aufgenommenen Ausblick um 3,1 Prozent hoch. Am Donnerstag waren sie auf Xetra noch um mehr als zwei Prozent gefallen. Da hatte die Reederei eine Dividendenkürzung von 57 auf 15 Cent je Aktie angekündigt


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RWE-Aktien steigen auf Vierjahreshoch - Goldman Sachs erhöht Kursziel

Die Aktien von RWE haben am Freitag infolge eines positiven Analystenkommentars der Großbank Goldman Sachs ihre Rally mit dem Sprung auf den höchsten Stand seit 2015 fortgesetzt. Sie stiegen im frühen Handel bis auf 23,52 Euro. Im bisherigen Jahresverlauf haben RWE-Aktien bereits um mehr als 23 Prozent zugelegt. Der Markt überschätze eventuell die Risiken, die mit dem von RWE angepeilten Ausbau der erneuerbaren Energien verbunden seien, schrieb Analyst Alberto Gandolfi in einer Studie. Zudem stünden die kurzfristigen Probleme etwa durch den Kohleausstieg zu sehr im Fokus. Unter allen von ihm beobachteten, auf erneuerbaren Energien ausgerichteten Versorgern in Europa sei RWE am attraktivsten bewertet. Der Experte hob sein Kursziel von 27,00 auf 29,50 Euro an und beließ die Aktien auf der "Conviction Buy List". Er ist also besonders überzeugt von seiner Empfehlung.

Euro kaum verändert

Der Euro tendierte am Freitag im frühen Handel zum Dollar kaum verändert. Der Dollar hatte in den vergangenen Tagen deutlich nachgegeben. Die Entscheidung der Fed, die Zinsen in diesem Jahr nicht mehr zu erhöhen, hatte den Dollar gegenüber dem Euro belastet.

Die Anleger an Asiens Börsen haben am Freitag keine großen Sprünge gewagt. So bewegte sich der japanische Leitindex Nikkei nach der Feiertagsruhe am Vortag praktisch kaum vom Fleck. Auf Wochensicht bedeutet dies gleichwohl ein Plus von 0,82 Prozent.

In Japan bleibt die Inflation derweil schwach und die Notenbank des Landes muss weiter auf die erhoffte stärkere Teuerung warten. In dem Land versuchen die Währungshüter seit vielen Jahren, die Preissteigerung mit einer extrem lockeren Geldpolitik an die Zielmarke von 2 Prozent zu bringen. Allerdings haben die Währungshüter einen Zeitplan zur Erreichung des Ziels mittlerweile aufgegeben.

Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten Werten vom chinesischen Festland schloss am Freitag minimal im Minus. Der Hang-Seng-Index in Hong Kong gab im späten Handel leicht nach.

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