21.03.2019 
Börse

Dax fällt weiter - Deutsche Bank und Wirecard taumeln

Die US-Notenbank Fed will in diesem Jahr die Zinsen nicht mehr erhöhen. Der Dax setzt seinen Kursrutsch vom Vortag fort. Vor allem die Aktie von Deutscher Bank und Wirecard geraten erneut unter Druck. In den USA legen Dow Jones und Nasdaq dagegen zu.

Kursrutsch an den Börsen: Die Fed schwenkt um, der Dollar stürzt und Anleger reagieren nervös. Angesichts der trüberen Konjunkturbeurteilung der US-Notenbank Fed haben Anleger am deutschen Aktienmarkt sich von Aktien getrennt. Nach den deutlichen Vortagesverlusten gab der Dax am Donnerstag weiter nach und fiel zeitweise die Marke von 11.500 Punkten. Da in den USA die Leitindizes Dow Jones und Nasdaq Composite jedoch mit Gewinnen in den Handel starteten, konnte der Dax zuletzt seine Verluste eingrenzen.

Zu den größten Verlierern im Dax zählte am Donnerstag die Aktie von Wirecard , die mehr als 3 Prozent nachgab und unter die Marke von 105 Euro fiel. Die Financial Times erhebt neue Vorwürfe gegen den Zahlungsabwickler. Auch die Aktie der Deutschen Bank knickte am Donnerstag erneut ein und fiel wieder deutlich unter die Marke von 8 Euro.

Bankenfusion im Gespräch: Aktie der Deutschen Bank knickt erneut ein

Die beiden Aufsichtsräte von Deutsche Bank und Commerzbank werden am Donnerstag über den Stand der Fusionsverhandlungen der größten deutschen Privatbanken informiert. Die Kontrollgremien tagen in zwei getrennten Sitzungen in Frankfurt. Die Termine stehen schon länger fest und sollen sich eigentlich um den Geschäftsverlauf drehen.

Die US-Notenbank Fed will dieses Jahr die Zinsen nicht mehr erhöhen. Die US-Börsen hatten darauf gemischt reagiert. Während der Nasdaq Composite ein kleines Plus ins Ziel rettete, schloss der Dow Jones leicht im Minus. An der Börse in Japan wird heute wegen eines Feiertags nicht gehandelt. Der US-Dollar gab nach der Fed-Entscheidung deutlich nach. Einige Marktteilnehmer interpretierten den Schwenk der Fed als "Zeichen von Panik".

Am Mittwoch hatten der Kurssturz von Bayer und eine Serie von Hiobs-Botschaften europäischer Konzerne den europäischen Börsen bereits zugesetzt. Der Dax hatte 1,6 Prozent auf 11.603 Punkte verloren. Nun gab er um weitere 0,6 Prozent nach und fiel im frühen Handel auf 11.550 Zähler.

Experten sehen kaum Vorteile in Bankenfusion

Eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wird von den meisten Finanzmarktexperten abgelehnt. Lediglich 15 Prozent von ihnen stimme der Aussage zu, dass ein Zusammengehen gut für das deutscheFinanzsystem wäre, geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 174 Experten hervor. Dagegen stimmen knapp 65 Prozent dieser Aussage nicht zu. Knapp 20 Prozent rechnen weder mit positiven noch mit negativen Effekten. "Nach Ansicht der befragten Finanzmarktexperten überwiegen bei einer Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank, die kompliziert und teuer in der Umsetzung ist, die Nachteile", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach. "Ein Anstieg des Systemrisikos ist dagegen zu erwarten und sollte bedacht werden, wenn es um die Schaffung einer neuen Großbank geht."

Eine Mehrheit glaubt, dass eine Zusammenlegung keine nennenswerten Größenvorteile bringen, die eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der dann fusionierten Großbank zur Folge hätte. Knapp 55 Prozent erwarten nicht, dass die neue Bankinternational konkurrenzfähiger wäre als die beiden Einzelinstitute. Fast 80 Prozent befürchten zudem einen Anstieg des systemischen Risikos, sollte es zur Fusion kommen.

Bayer nach Kurseinbruch kaum verändert

Bayer musste unterdessen in einem Teilprozess um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup in den USA eine herbe Schlappe hinnehmen. Die Aktien sackten am Mittwoch um mehr als 12 Prozent ab und notierten am Donnerstag kaum verändert. Der Prozess geht nun mit der selben Jury in eine zweite Phase, in der Haftungsfragen geklärt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Bayer den Prozess verliere, sei nun gestiegen, schrieb Analyst Markus Mayer von der Baader Bank. Zugenommen habe auch die Wahrscheinlichkeit, dass Bayer für aktivistische Investoren ein Übernahmeziel werde.


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Die US-Notenbank Fed stellt ihre Ende 2015 begonnene geldpolitische Straffung vorerst ein. In diesem Jahr wird sie ihren Leitzins voraussichtlich nicht mehr anheben, im kommenden Jahr allenfalls einmal. Zudem will die Notenbank den im Herbst 2017 begonnenen Abbau ihrer billionenschweren Bilanz stoppen. Die Finanzmärkte reagierten deutlich auf die Ansagen der Zentralbank: Der amerikanische Dollar gab ebenso nach wie die Zinsen am US-Anleihemarkt. Die US-Aktienbörse reagierte zunächst positiv, der Dow Jones schloss aber leicht im Minus.

Die US-Wirtschaft hat sich nach Einschätzung der Federal Reserve abgekühlt. Wie die Notenbank am Mittwoch nach ihrer Zinssitzung in Washington mitteilte, bewertet sie die Lage am Arbeitsmarkt zwar weiterhin als stark. Das Wirtschaftswachstum habe sich jedoch abgeschwächt. Der Anstieg der Konsumausgaben und der Investitionen sei langsamer geworden. Angesichts der Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte sei eine "geduldige" Geldpolitik angemessen. Damit bestätigte die Fed ihre abwartende Haltung.

Ihre Zinserwartungen schraubte die Fed deutlich nach unten. Wie aus neuen Zinsprognosen der Notenbanker hervorgeht, wird in diesem Jahr keine Zinsanhebung mehr erwartet. Zur Jahreswende hatte die Fed noch zwei Anhebungen in Aussicht gestellt. Für kommendes Jahr wird nur eine Zinserhöhung für möglich gehalten. Die Zinsprognosen der Notenbanker gelten an den Börsen als wichtiges Signal, wohin die Zentralbank mittelfristig mit ihrer Geldpolitik steuert.

mit dpa und reuters

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