19.03.2019 
Kursrally an den Börsen

Dax steigt auf 5-Monats-Hoch, Wirecard zieht wieder an

Kursrally: Der Dax klettert am Dienstag zeitweise über die Marke von 11.800 Punkten. Gefragt sind vor allem die Autowerte Daimler, VW und BMW. An der Wall Street legen Dow Jones und Nasdaq ebenfalls zu.

Die Kursrally geht weiter: Der Dax hat am Dienstag seine Gewinne im Tagesverlauf deutlich ausgebaut und ist zeitweise über die Marke von 11.800 Punkten gestiegen. Damit notiert er auf dem höchsten Niveau sei 5 Monaten und wieder über der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie. Bis zum Handelsschluss auf Xetra (17.30 Uhr) gab er einen kleinen Teil seiner Gewinne wieder ab und schloss bei 11.788 Zählern. Vor allem die Autowerte Daimler , Volkswagen Vz. und BMW waren gefragt. Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank , die mit Bekanntgabe von Fusionsgesprächen am Montag deutlich zulegen konnten, gaben am Dienstag gegen den Trend nach.

Wirecard und Daimler vorn

Zu den Gewinnern im Dax zählten am Dienstag Nachmittag die Aktien von Daimler und Wirecard mit Gewinnen von jeweils rund 3 Prozent: Die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard startete am späten Nachmittag einen Erholungsversuch, nachdem es in den vergangenen Tagen wieder deutlich nach unten gegangen war. Zuletzt notierte die Aktie wieder über der Marke von 110 Euro. Bereits am Vortag hatte die Wirecard-Aktie von einem Übernahmeangebot von FIS für den Wirecard-Konkurrenten Worldpay profitiert.

In der Telekombranche richten sich die Augen am Vormittag nach Mainz: Dort startet trotz heftiger Kritik die Auktion von 5G-Mobilfunkfrequenzen. Die Übertragungsrate ist etwa 100 Mal schneller als bei LTE. 5G gilt daher als großer Satz nach vorn im Internetzeitalter.

Wall Street klettert, Hoffnung auf lockere Fed

In der Hoffnung auf lockere geldpolitische Zügel der Notenbank Fed decken sich Anleger am Dienstag auch in den USA mit Aktien ein. Die Leitindizes Dow Jones , Nasdaq Stock Market und S&P 500 stiegen zur Eröffnung am Dienstag um jeweils ein knappes halbes Prozent.

Die Anleger warten zuversichtlich auf die geldpolitischen Entscheidungen und Aussagen der Notenbank (Fed) an diesem Mittwoch. Die Fed wird voraussichtlich ihren abwartenden geldpolitischen Kurs bestätigen. Angesichts einer sich abschwächenden Konjunktur hatte Notenbankchef Jerome Powell zuletzt ein "geduldiges" geldpolitisches Vorgehen in Aussicht gestellt. Einen Zinsschritt erwartet auf der Sitzung kaum jemand.

Unter den Einzelwerten standen erneut die Boeing -Aktien als zweibester Dow-Wert mit einem Plus von 1,6 Prozent im Fokus. Nach dem Absturz zweier baugleicher Flugzeuge vom Typ 737 Max in Äthiopien und Indonesien innerhalb eines halben Jahres warb Boeing-Chef Dennis Muilenburg bei Passagieren und Airlines um Vertrauen. "Sicherheit ist der Kern dessen, wofür wir bei Boeing stehen", schrieb der Vorstandschef des US-Flugzeugbauers in einem Brief an Passagiere und Luftfahrtbranche.

Autowerte: Merrill sieht Chancen

Europäische Autowerte haben sich am Dienstagvormittag an die Spitze der Branchentafel gesetzt. Im bisherigen Jahresverlauf liefen sie dem Gesamtmarkt noch leicht hinterher. Einer Umfrage der Investmentbank Merrill Lynch zufolge sind die Autowerte in der Gunst der Anleger zuletzt wieder weiter zurückgefallen und viele professionelle Anleger seien entsprechend untergewichtet. Diese schlechte Stimmung in Verbindung mit einer Bewertung der Autobauer nahe ihrer Tiefststände biete gute Argumente, seine Chance gegen den Trend zu suchen, so die Merrill-Experten. Für Daimler , Volkswagen Vz. , Porsche und Peugeot habe ihr Branchenanalyst ohnehin Kaufempfehlungen ausgesprochen. Daimler gewannen an der Dax-Spitze 2,5 Prozent, Fiat Chrysler gewannen gar fast 4 Prozent.

Warten auf Zinsentscheidung: Nimmt die Fed den Fuß vom Gas?

Die Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch warf ihre Schatten voraus. Anleger warteten auf neue Projektionen der Notenbanker für die künftige Entwicklung der Leitzinsen in den USA. Es wird damit gerechnet, dass die Währungshüter weniger Zinsschritte in Aussicht stellen als zuletzt. Eine weniger straffe Geldpolitik hilft für gewöhnlich dem Aktienmarkt. Andere Anlageklassen könnten dadurch tendenziell an Attraktivität verlieren.

Mit Jahreszahlen steht Fraport im Blick. Der Flughafenbetreiber verbuchte dank guter Geschäfte und der Trennung vom Flughafen Hannover im Jahr 2018 einen kräftigen Gewinnsprung und hebt die Dividende mehr als am Markt erwartet an. Die Papiere verloren jedoch 1,1 Prozent. Die Zahlen für 2018 seien im Rahmen der Erwartungen ausgefallen, aber der Ausblick sei etwas negativer als gedacht, urteilte JPMorgan-Analystin Elodie Rall.


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Aktien der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS unter Druck

Die Aktien der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS rutschten vorbörslich auf Tradegate etwas ab. Händler begründeten das Minus mit Gewinnmitnahmen nach dem deutlichen Vortagesplus und mit einer Abstufung durch das Analysehaus Kepler Cheuvreux. Am Vortag hatte die Nachricht von einer möglichen Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank die DWS-Papiere mit nach oben gezogen, auch hatte Bloomberg am Wochenende darüber berichtet, dass der Versicherungsriese Allianz an der DWS interessierte sein könnte.

Wacker Chemie schwankten zwischen Plus und Minus und notierten zuletzt unverändert. Niedrige Verkaufspreise und höhere Energiekosten drücken im laufenden ersten Quartal auf den operativen Gewinn des Konzerns.

Im SDax gewannen weit vorne die Papiere des Waschanlagenhersteller Washtec 3,7 Prozent nach Zahlen. An der Index-Spitze waren die Aktien des Motorenherstellers Deutz mit plus 5,7 Prozent nach einer Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux.

Brexit bleibt Thema

Für Unsicherheit sorgt weiter das Dauerthema Brexit, nachdem am Vortag der Präsident des britischen Parlaments, John Bercow, überraschend eine dritte Abstimmung über das Abkommen zum Brexituntersagt hatte. Damit ist weiter keine Lösung in Sicht. "Ohne eine neue Abstimmung bleibt nur die Option der langen Fristverlängerung", kommentierte Thomas Altmann von QC Partners. Eine so lange Unsicherheitsphase werde deutliche Bremsspuren in der britischen Wirtschaft hinterlassen", so der Portfolio-Manager.

Euro etwas fester

Vorne im SDax lieferten sich die Papiere des Waschanlagenherstellers Washtec und des Motorenbauers Deutz ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Zuletzt hatte Washtec nach einem positiven Analystenkommentar mit plus 11,6 Prozent wieder die Nase vorn. Die Deutz-Anteile profitierten von einer Kaufempfehlung und standen zuletzt 9,7 Prozent höher.

Am Rentenmarkt sank die Umlaufrendite von null Prozent am Vortag auf minus 0,01 Prozent. Der Rentenindex Rex gab um 0,01 Prozent nach auf 142,41 Punkte. Der Bund-Future verlor 0,25 Prozent auf 163,77 Punkte. Der Euro legte zu und kostete zuletzt 1,1351 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1349 Dollar festgesetzt.

mit Nachrichtenagenturen

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