15.02.2019 
Börse

Dax baut Gewinne aus - Hoffnung im Handelsstreit

Der Dax dreht klar ins Plus. Die Fortschritte bei den Handelsgesprächen  zwischen USA und China machen Anlegern Hoffnung. Auch Autowerte legen deutlich zu.

Kursrally im Dax: Fortschritte in den US-chinesischen Handelsgesprächen haben den Dax am Freitagnachmittag in die Höhe getrieben. Zunächst hatte US-Finanzminister Steven Mnuchin getwittert, er sehe nach der jüngsten Verhandlungsrunde in Peking Fortschritte. Wenig später verwiesen Händler auf Medienberichte aus China, denen zufolge sich die USA und China offenbar in vielen Punkten des Zollstreits einig seien.

Die Reaktion im Dax folgte prompt: Er stieg über sein Vortageshoch. Zuletzt notierte der deutsche Leitindex mit 11.296 Punkten rund 1,7 Prozent im Plus und stand damit auf Wochensicht mehr als 3 Prozent höher. Der MDax der mittelgroßen deutschen Unternehmen legte um 1,58 Prozent auf 24 307,37 Punkte zu. Für den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 ging es ähnlich deutlich hinauf. Bester Dax-Wert waren die Aktien der Lufthansa mit plus 4 Prozent.

Aktien aus dem Automobilsektor erholten sich im Zuge der positiven Entwicklung an der amerikanisch-chinesischen Handelsfront von ihren frühen Verlusten. Im Dax verbuchten Continental, BMW und Daimler klare Kursgewinne.

Allianz mit Gewinnplus und höherer Dividende und Aktienrückkauf

Am deutschen Aktienmarkt erwartet Europas größter Versicherer Allianz nach einem Gewinnplus im abgelaufenen Jahr für 2019 keinen nennenswerten Zuwachs. Ein Händler sagte, die 2018er-Zahlen hätten die Erwartungen übertroffen, der Ausblick auf 2019 liege aber darunter. Die Allianz-Papiere notierten zuletzt unverändert.

Blackstone will Scout24 übernehmen

Den Werbekonzern Scout24 wollen die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone übernehmen und bieten dafür 46 Euro je Aktie. Der Scout24-Kurs schnellte um 12 Prozent hoch. Die Investoren wagen damit einen zweiten Anlauf: Scout24 hatte Mitte Januar den damals vorgeschlagenen Preis von 43,50 Euro als unangemessen zurückgewiesen. Nun trifft das neue Angebot auf die Unterstützung des Vorstands.


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Schwache Konjunkturdaten aus USA und China

Die jüngsten Konjunkturdaten waren enttäuschend. Der stärkste Rückgang der US-Einzelhandelsumsätze seit neun Jahren drücke auf die Stimmung, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Der private Konsum gilt als Hauptstütze des US-Wachstums. Enttäuschende China-Daten gossen zusätzlich Öl ins Feuer. Dort gingen die Erzeugerpreise den siebten Monat in Folge zurück und schürten Ängste vor einer Deflation - eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen. Die Regierung in Peking werde aber sicher bald gegensteuern, sagte Julian Evans-Pritchard, Volkswirt für China beim Research-Haus Capital Economics.

USA: Trump will nationalen Notstand ausrufen

In den USA beschloss der Kongress inzwischen ein Haushaltsgesetz, um einen erneut drohenden "Shutdown", also Stillstand, von Teilen der US-Regierung abzuwenden. Allerdings plant US-Präsident Donald Trump die Ausrufung des nationalen Notstands, um doch noch weitere Milliarden für seine geliebte Mauer abrufen zu können.

Zalando-Aktie gibt deutlich nach

Mit einem deutlichen Minus von 3,7 Prozent litten die Papiere des Online-Modehändlers Zalando erneut unter einem negativen Analystenkommentar. Michelle Wilson von der Berenberg Bank kappte ihr Kursziel von 27 auf 14 Euro und rät weiter zum Verkauf.

Aktien aus dem Automobilsektor präsentierten sich schwach. Konjunktursorgen und der ungewisse Ausgang im US-chinesischen Zollstreit seien belastend, sagten Händler. Im Dax verloren Continental, Volkswagen, BMW und Daimler zwischen 1 und 2 Prozent.

Der Euro kostete zuletzt 1,1265 US-Dollar. Nach den schwachen Konjunkturdaten aus Deutschland war die Gemeinschaftswährung zunächst bis auf 1,1250 Dollar gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,1305 Dollar festgesetzt.

Aktien Asien: Viele Risiken belasten die Börsen

Die Börsen in Asien haben am Freitag unter Druck gestanden. Die mit dem Brexit und den US-chinesischen Handelsgesprächen verbundenen Risiken für die Weltwirtschaft bereiten den Anlegern Sorgen. Hinzu kamen schwache Konjunkturdaten aus den USA und eine unerwartet niedrige Inflation in China. Der Preisauftrieb in China schwächte sich zu Jahresbeginn weiter ab und schürte damit Sorgen wegen der großen Bedeutung der Daten für die globale Inflationsentwicklung.

So verlor in Japan der Nikkei 1,13 Prozent auf 20 900,63 Punkte. Auf Wochensicht bedeutete das aber immer noch ein Plus von 2,8 Prozent.

Der CSI-300-Index , der die 300 wichtigsten Werte an den Börsen des chinesischen Festlands enthält, verlor am Freitag 1,9 Prozent auf 3338,70 Zähler. Der Hang Seng in Hongkong gab zuletzt ähnlich stark nach.

Die Marktteilnehmer nähmen gegenwärtig eine abwartende Haltung ein, sagte Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Das sei angesichts der Unsicherheiten mit Blick auf den Handelsstreit und den Brexit nachvollziehbar. "Wenngleich die Verhandlungen zwischen den USA und China auf einem guten Weg zu sein scheinen", fügte Schmidt hinzu.

China und die USA planen am Freitag das Ende ihrer jüngsten Gesprächsrunde im Handelskonflikt. Am zweiten Tag des Besuchs sind weitere Treffen der US-Unterhändler mit Chinas Führung geplant. Am 1. März endet ein 90-tägiger "Waffenstillstand". Die USA haben mit neuen Strafzöllen gedroht, sollte es bis dahin keine Einigung geben. US-Präsident Donald Trump schloss zuletzt jedoch eine Verlängerung der Frist nicht aus.

Pfund nach Abstimmungsniederlage von Theresa May kaum verändert

Am Devisenmarkt sollten sich Investoren nach der erneuten Abstimmungsniederlage für Premierministerin Theresa May auf einen chaotischen EU-Ausstieg Großbritanniens einstellen, sagte Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann. "Zum No Deal kann es kommen, wenn diejenigen, die 'No Deal' wollen, und diejenigen, die ihn nicht wollen, aber halt auch keinen für Brüssel akzeptablen Kompromiss, gemeinsam den konstruktiven Teil des Parlaments blockieren." Das Pfund Sterling notierte kaum verändert bei 1,2817 Dollar.

Euro gibt etwas nach, Dollar erholt sich

Der Kurs des Euro ist am Freitag gefallen. Am Vormittag wurde die Gemeinschaftswährung bei einem Tagestief bei 1,1268 US-Dollar gehandelt und damit etwas tiefer als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Donnerstagnachmittag auf 1,1268 Dollarfestgesetzt.

Marktbeobachter sprachen von einer Gegenbewegung, nachdem der Euro am Vortag noch von einer Dollar-Schwäche profitieren konnte. Ein starker Rückgang der Umsätze im amerikanischen Einzelhandel hatte Zweifel an der Robustheit des Aufschwung in den USA geweckt und den Dollar unter Druck gesetzt.

"Das Risiko, dass die US-Konjunktur weitaus stärker stottert als bisher angenommen, hat gestern deutlich zugenommen", kommentierte Devisenexperte Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Vor diesem Hintergrund rücken US-Konjunkturdaten am Devisenmarkt stärker in den Fokus. Am Nachmittag könnten Daten zur amerikanischen Industrieproduktion und zum Konsumklima für neue Impulse beim Eurokurs sorgen.

mit dpa und reuters

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