11.01.2019 
Börse

Dax schafft Wochenplus trotz schwacher Auto-Aktien

Deutliche Verluste bei den Auto-Aktien Daimler, BMW, VW und Continental bremsen den deutschen Leitindex Dax am Freitag aus. Auch an der Wall Street werden Anleger vorsichtig. Der Dax schafft dennoch einen Wochengewinn.

Der Dax hat am Freitag seinen jüngsten Gewinnen Tribut gezollt und etwas nachgegeben. Der deutsche Leitindex schloss auf Xetra (18.30 Uhr) 0,31 Prozent tiefer bei 10 887 Punkten. Auf Wochensicht ergibt sich gleichwohl ein Plus von 1,11 Prozent. Bereits in der verkürzten Handelswoche nach den Neujahrsfeierlichkeiten hatte das Börsenbarometer zugelegt.

"Trotz des freundlichen Dax-Verlaufs seit Jahresanfang sind die Gewinnmitnahmen zum Wochenende hin moderat", sagte Thorsten Engelmann, Aktienhändler bei der Investmentbank Pareto. Denn in der nächsten Woche, wenn das britische Unterhaus über den Brexit-Vertrag abstimmen wird, dürften sich die Sorgen um die Art und Weise des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union wieder verstärken. Zudem haben die Zoll-Gespräche zwischen den USA und China noch keine endgültige Einigung gebracht.

Da vor allem die schwer gewichteten Autotitel von Daimler , VW und Continental im Dax deutliche Verluste verbuchten. Zuletzt fiel der deutsche Leitindex wieder unter die Marke von 10.900 Punkten zurück. Die Marke von 11.000 Punkten, die der Index noch am Freitag Morgen angepeilt hatte, erweist sich weiter als eine starke Hürde.

Auf die bereits gefeierte Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China müssen die Anleger weiter warten: Die Verhandlungen sollen einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge nun Ende Januar auf der fast allerhöchsten Ebene weitergehen. Der chinesische Chefunterhändler und Vizepremier Liu He plane nach aktuellem Stand am 30. und 31. Januar eine Reise nach Washington, berichtete die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen. Dabei soll es auch zu Gesprächen mit dem US-Finanzminister Steven Mnuchin kommen.

Shutdown der US-Regierung bremst Wall Street aus

Nach fünf Handelstagen mit Gewinnen haben die US-Aktienmärkte am Freitag nachgegeben. Gegenwind kommt von dem immer noch andauernden Regierungsstillstand in den USA. Ein heftiger Haushaltsstreit zwischen US-Präsident Donald Trump und den oppositionellen Demokraten legt seit nunmehr fast drei Wochen Teile der US-Regierung lahm. Bislang ist keine Einigung in Sicht. Auch eine Lösung im Handelsstreit mit China lässt auf sich warten. Die Verhandlungen sollen einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge nun Ende Januar auf höherer Ebene weitergehen.

Der Dow Jones sank im frühen Handel um 0,5 Prozent, nachdem er am Vortag erstmals seit rund drei Wochen wieder die Marke von 24 000 Punkten übersprungen hatte. Der marktbreite S&P 500 fiel am Freitag um 0,45 Prozent auf 2585,07 Zähler. Der technologielastige Nasdaq Stock Market verlor 0,5 Prozent auf 6590 Punkte.


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Brexit-Abstimmung am Dienstag

Es gebe nach wie vor viele Unsicherheiten, sagte Analyst Christian Schmidt von der Helaba. Der Hauptgrund für die jüngsten Börsengewinne ist an diesem Tag wieder einer der Gründe für die Verluste: Der Optimismus der Anleger, dass sich die USA und China einigen und ihren Handelskrieg beilegen könnten, schwindet wieder. Nach den am Vortag beendeten dreitägigen Verhandlungen in Peking ist klar, dass es noch große Differenzen zu überwinden gilt. Immerhin wurde laut einem Pressebericht, der sich auf informierte Kreise beruft, der Weg für weitere Verhandlungen auf höherer Stufe geebnet.

Neben den Handelskonflikten liegt der Fokus zudem weiter auf den Entwicklungen rund um den Brexit. Seit Mittwoch debattiert das britische Unterhaus über den Vertrag zum Ausstieg aus der EU. Am kommenden Dienstag soll es dann zu einer Abstimmung über diesen kommen. Eine Mehrheit für den Vertrag gibt es aber offenbar weiterhin nicht.

Nebenwerte: Kuka-Aktien brechen ein

Der MDax , der Index der mittelgroßen Unternehmen, rückte am Freitag um 0,11 Prozent auf 22 734,66 Punkte vor. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 gewann 0,25 Prozent auf 3083,38 Punkte.

Unter den Einzelwerten büßten die Aktien des Roboterbauers Kuka 6,0 Prozent ein. Damit zählten sie zu jenen Werten am deutschen Aktienmarkt mit den heftigsten Kursverlusten an diesem Tag. Die Krise in der Autoindustrie zwang am Vorabend auch den mehrheitlich von den Chinesen übernommenen Roboterhersteller musste am späten Donnerstagabend einräumen, dass die Prognose für das abgelaufene Jahr verfehlt wurde.

Hella mit soliden Zahlen nach Kursrutsch von Osram

Dagegen legten die Anteilsscheine von Hella an der MDax-Spitze um 3,0 Prozent zu. Zwar wurde das auf die Autoindustrie spezialisierte Lichttechnik-Unternehmen angesichts der Probleme in den Branche etwas vorsichtiger, doch am Markt war Schlimmeres befürchtet worden. Zudem lobten Analysten die vorgelegten Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal als "solide".

Kursrally von Südzucker geht weiter - Goldman Sachs korrigiert sich selbst

Weiter nach oben ging es auch für die Anteilsscheine von Südzucker. Nach den am Vortag vorgelegten Quartalszahlen und dem darauf erfolgten Kurssprung von rund 8 Prozent sorgte nun ein positiver Analystenkommentar für Gewinne von mehr als fünf Prozent. Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist inzwischen positiver für den Zuckerkonzern gestimmt und strich ihr Verkaufsurteil. Es wird nun von einer rascheren Erholung der Profitabilität im Zuckergeschäft ausgegangen.

Euro fällt dutlich nach kräftigem Anstieg

Der Euro ist am Freitag deutlich gefallen. Die Gemeinschaftswährung wurde am Nachmittag mit 1,1473 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs noch auf 1,1533 (Donnerstag: 1,1535) US-Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8671 (0,8669) Euro gekostet.

Für die starke Abwärtsbewegung machten Marktbeobachter technische Gründe verantwortlich. Der Kurs habe es nicht geschafft, dauerhaft über eine charttechnisch wichtige Marke zu steigen. Dadurch habe die Käufer der Mut verlassen, was Händlern zufolge starke Verkäufe auslöste.

In den vergangenen Tagen hatte der Eurokurs noch durch einen geschwächten Dollar Auftrieb erhalten. Mehrere Vertreter der US-Notenbank Fed hatten sich für ein vorsichtigeres Vorgehen bei der Erhöhung der Leitzinsen ausgesprochen. So hatte der US-Notenbankvorsitzende Jerome Powell am Vortag seine zurückhaltende Geldpolitik bekräftigt. In der Nacht hatte sich auch der stellvertretende Fed-Vorsitzende Richard Clarida dementsprechend geäußert.

Gezerre um Brexit-Termin geht weiter

Am Mittag sorgten Nachrichten zum Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für Bewegung am Devisenmarkt. Ein Bericht über eine Verschiebung des Brexit über den angesetzten Austrittstermin am 29. März hinaus gab dem Eurokurs wie dem britischen Pfund einen Schub. Die Kurse pendelten sich aber schnell wieder ein, da die Regierung entsprechende Absichten bestritt. Am Dienstag kommende Woche wollen die Parlamentarier über den Austrittsvertrag abstimmen. Premierministerin Theresa May hatte die Abstimmung zuvor wegen einer sich abzeichnenden Ablehnung des Vertrags verschoben.

mit dpa und reuters

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