12.03.2019 
Börse

Boeing-Aktie bremst Dow Jones, Wirecard knickt ein

Theresa May kann EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Zugeständnisse bei der irischen Grenzfrage abringen. Anleger hoffen nun auf einen geregelten Brexit Ende März. Dennoch gerät der Dax unter Druck - vor allem die Aktien von Wirecard knicken ein. Auch die Aktie von Boeing gibt weiter nach.

Trotz der Hoffnung auf eine Brexit-Einigung haben sich Anleger in Deutschland am Dienstag bedeckt gehalten. Der Dax eröffnete den Handel 0,6 Prozent fester bei 11.617 Punkten, gab dann aber seine Gewinne komplett wieder ab und notierte bis zum Handelsschluss auf Xetra 0,2 Prozent im Minus bei 11.524 Zählern. Zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex Dax zählten die Aktien von Wirecard und Deutsche Bank . Am Vortag hatten beide Titel noch deutlich zugelegt, nun setzen Gewinnmitnahmen ein.

Die britische Premierministerin Theresa May rang der EU am Montagabend neue Zusicherungen in der Frage der Nordirland-Grenze ab. Oppositionsführer Jeremy Corbyn rief jedoch dazu auf, den nachgebesserten Brexit-Deal abzulehnen. Mays juristischer Chef-Berater Geoffrey Cox wies auf weiter vorhandene rechtliche Risiken hin. "Es sieht nicht so aus, als ob die Nachbesserungen ausreichen, um die Brexit-Befürworter davon zu überzeugen, sich zu bewegen", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Am britischen Aktienmarkt setzten Anleger dennoch darauf, dass ein chaotischer Brexit abgewendet werden kann.

Boeing Aktie erneut unter Druck

Die Aktie von Boeing geriet am Dienstag erneut unter Druck und fiel um weitere 5 Prozent. Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max in Äthiopien haben Deutschland, Italien und Großbritannien den Luftraum für Maschinen dieses Typs geschlossen. Die britische Luftfahrtbehörde teilte am Dienstag mit, sie habe vorsorglich verfügt, alle kommerziellen Flüge von allen Airlines zu untersagen, die im Vereinigten Königreich landen, starten oder das Land überfliegen.

Wall Street kaum verändert

Gestützt auf ermutigende Konjunkturdaten setzen die US-Aktienindizes ihre Erholung mehrheitlich fort. Ein erneuter Kursrutsch bei Boeing drückte jedoch den Dow Jones zur Eröffnung am Dienstag leicht ins Minus auf 25.626 Punkte. Der Technologieindex Nasdaq Composite notierte leicht im Plus.

Erleichtert reagierten Anleger dagegen auf den im Rahmen der Erwartungen ausgefallenen Anstieg der US-Inflation. Die Teuerung lag im Februar bei 0,2 Prozent. "Das erfordert keine Zinserhöhung der Notenbank Fed", sagte Rick Meckler, Manager beim Vermögensverwalter Cherry Lane.

Dagegen sind die Hoffnungen auf einen Brexit-Deal zwischen EU und Großbritannien wieder gestiegen: Die britische Premierministerin Theresa May rang der EU neue Zusicherungen in der Frage der Nordirland-Grenze ab. So soll die Frist für eine Regelung bis Ende 2020 verlängert werden. Damit könnte der größte Zankapfel in den bisherigen Verhandlungen eventuell vom Tisch sein. Unklar blieb aber zunächst, ob die EU-Zusagen den Brexit-Hardlinern im Londoner Parlament für eine Zustimmung zum Ausstiegsvertrag ausreichen. Am Abend soll das Unterhaus erneut abstimmen. Die irische Börse in Dublin reagierte mit deutlichen Kursgewinnen. Der ISEQ in Dublin stieg zuletzt um 1,5 Prozent, während der FTSE in London kaum verändert notierte.

VW beschleunigt Elektro-Umbau

Bei den Unternehmen im Fokus standen unter anderem die VW-Aktien mit einem Plus von knapp einem halben Prozent. Der Autobauer gibt Vollgas in Richtung Elektro-Mobilität und will binnen zehn Jahren 22 Millionen batteriegetriebene Fahrzeuge auf den neuen Elektroplattformen bauen, sieben Millionen mehr als bisher geplant.


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Post und FMC gefragt

Unter den Einzelwerten stachen die Aktien des Dialysespezialisten FMC wegen eines angekündigten Aktienrückkaufs an der Dax-Spitze hervor. Sie legten neben den Anteilsscheinen der Deutschen Post um 2,2 Prozent zu. Der Post-Aktie halfen indes eine Kooperation mit der österreichischen Post bei der Paketzustellung sowie die Charttechnik, nachdem das Papier die 200-Tage-Linie, die den langfristigen Trend signalisiert überwinden konnte.

Eon, Deutsche Bank und Wirecard mit Verlusten

Die Papiere der Deutschen Bank und die Papiere von Eon büßten jeweils rund 2 Prozent ein. Die UBS strich ihre Kaufempfehlung für Eon und sieht nun Chancen und Risiken beim Versorger als ausgeglichen an.

Auch bei Wirecard nahmen Anleger Gewinne der beiden vergangenen Tage mit und drückten die Aktie um knapp 6 Prozent ins Minus. Am Montag war das Papier noch um fast 8 Prozent gestiegen. "Die Schwankungen bei Wirecard bleiben enorm hoch - es ist derzeit ein hoch spekulatives Papier", sagte ein Börsianer.

Klöckner Aktie steigt zweistellig

Einen Kurssprung um fast 10 Prozent machten die schwer gebeutelten Aktien des Stahlhändlers Klöckner & Co. im SDax . Sie profitierten zur Vorlage der Jahreszahlen vor allem vom optimistisch klingenden Ausblick. Wegen höher erwarteter Stahlpreise werde 2019 ein "deutliches Umsatzwachstum" erwartet, teilte das SDax-Unternehmen mit.

Für die Nordex-Papiere ging es zugleich um etwas mehr als 3 Prozent nach oben. Zum einen gewann der Windanlagen-Bauer neue Aufträge in Griechenland. Zum anderen äußerten sich die Analysten der Finanzgruppe Oddo BHF positiv zur Aktie und empfehlen sie nun zum Kauf.

Euro und Pfund steigen

Der Euro und das britische Pfund haben am Dienstag im frühen Handel zugelegt. Am Markt wurde die Hoffnung genannt, dass ein ungeordneter Brexit Ende März doch noch verhindert werden könnte. Am Morgen kostete ein Euro 1,1255 US-Dollar und damit etwas mehr als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montagnachmittag auf 1,1244 Dollar festgesetzt.

Das britische Pfund stieg stärker als der Euro. Am Morgen lag es gegenüber dem US-Dollar knapp ein halbes Prozent höher als am Vorabend. Die britische Premierministerin Theresa May hat im Gespräch mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Zugeständnisse im Brexit-Prozess erhalten. Es geht um die umstrittene irisch-nordirische Grenzfrage, die als wesentliches Hindernis für eine Zustimmung des britischen Parlaments zu Mays Brexit-Plan gilt. An diesem Dienstag soll das Unterhaus darüber abstimmen.

mit dpa und reuters

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