11.03.2019 
Börse

Dax und Dow auf Erholungskurs

Nach den Verlusten der Vorwoche schwankt der Dax zu Wochenbeginn um die Marke von 11.500 Punkten. Mit Spannung verfolgen die Anleger die Entwicklung im britischen Parlament, wo der Streit um den Brexit in die entscheidende Phase geht. Spekulationen treiben die Aktien von Deutscher Bank, Commerzbank und Wirecard an.

Nach den jüngsten Kursverlusten wagen sich einige Anleger in die Aktienmärkte zurück. Der Dax legte am Montagnachmittag rund 0,6 Prozent zu auf 11.528 Punkte zu. Die Unsicherheit wegen der geplanten Abstimmungsserie zum Brexit im britischen Unterhaus bremste die Erholung dabei noch leicht.

"Kommt es nicht zu einem Deal in letzter Sekunde oder zu einer Verschiebung des Brexit, stünden der britischen Wirtschaft chaotische Zeiten bevor", warnte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. Die Verhandlungen über eine Nachbesserung der Scheidungsvereinbarung befinden sich britischen Regierungskreisen zufolge in einer Sackgasse.

Am Dienstag will Premierministerin Theresa May ihren zuvor gescheiterten Brexit-Deal erneut zur Abstimmung stellen. Lassen ihn die Abgeordneten wieder durchfallen, sollen sie am Mittwoch entscheiden, ob Großbritannien ohne Vereinbarung über die künftigen Beziehungen am 29. März aus der EU ausscheiden soll. Spricht sich die Mehrheit - wie erwartet - auch dagegen aus, soll am Donnerstag eine Abstimmung über eine Verschiebung des Brexit folgen.

Auch an der Wall Street stehen die Zeichen auf Erholung. Der US-Leitindex Dow Jones hat am Montag wegen des historischen Kursrutsches von Boeing zwar nur moderat zugelegt. Dagegen erholten sich die anderen Aktienindizes deutlich von den jüngsten Verlusten.

Zuletzt notierte der Dow 0,4 Prozent fester bei 25.539 Punkten. Davor hatte das Börsenbarometer fünf Tage in Folge nachgegeben und sich am Freitag mit einem Wochenverlust von mehr als 2 Prozent aus dem Handel verabschiedet. Der marktbreite S&P 500 legte am Montag um deutlichere 1,1 Prozent auf 2772 Punkte zu.

Die Aktien von Boeing büßten nach dem zweiten Absturz einer Boeing 737 Max 8 binnen Monaten am Montag im frühen Handel bis zu knapp 13,5 Prozent ein. Das bedeutete laut der Nachrichtenagentur Bloomberg den größten Tagesverlust im Handelsverlauf seit den Terroranschlägen in New York am 11. September 2001. Zuletzt notierten die Papiere des Flugzeugbauers noch über 7 Prozent im Minus bei 392,44 US-Dollar, blieben damit aber abgeschlagenes Dow-Schlusslicht.

Anleger decken sich mit Rohöl ein

Parallel dazu deckten sich Anleger mit Rohöl ein. Börsianer verwiesen auf ein erneutes Bekenntnis Saudi-Arabiens zu der von den Opec-Staaten und ihren Verbündeten vereinbarten Förderbremse. Außerdem will das Königreich seine Exporte im April auf weniger als sieben Millionen Barrel pro Tag drosseln. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 0,8 Prozent auf 66,28 Dollar je Barrel (159 Liter).

Spekulationen um Deutsche Bank und Commerzbank

Am hiesigen Aktienmarkt lag der Fokus auf Deutscher Bank und Commerzbank. Einem Insider zufolge führen beide informelle Gespräche über eine Fusion. Hierüber wird seit Monaten spekuliert, weil die Politik aus Sorge vor einer erneuten Krise bei der Deutschen Bank Druck macht. Keines der beiden Geldhäuser wollte sich zu dem Thema äußern. "Ich bezweifle, dass eine Fusion für die Aktionäre der Deutschen Bank vorteilhaft wäre", sagte ein Börsianer. Deren Aktien legten dennoch 3,4 Prozent auf 7,94 Euro zu. Papiere der Commerzbank verteuerten sich um 5,4 Prozent auf 6,99 Euro.

Die Aktie der Deutschen Post legte zuletzt um 0,8 Prozent zu. Wie erwartet kann sich die Deutsche Post der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge auf einen womöglich deutlichen Anstieg ihres Briefporto freuen. Das Bundeskabinett will laut dem Blatt am Mittwoch eine neue Verordnung verabschieden. Änderungen an dem vom Bundeswirtschaftsministerium vorbereiteten Entwurf habe es in der Ressortabstimmung nicht mehr gegeben.


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Aktien von des Zahlungsdienstleisters Wirecard setzten ihre Aufholjagd fort. Zuletzt kletterten die Papiere um 7,35 Prozent, notierten damit aber immer noch gut 20 Prozent unter ihrem Niveau von Ende Januar. Börsianer verwiesen auf Spekulationen, denen zufolge der Untersuchungsbericht über angebliche Unregelmäßigkeiten vorzeitig veröffentlicht werden soll. Es sei nicht damit zu rechnen, dass sich die Vorwürfe erhärteten.

Den Anteilen der Immobiliengesellschaft LEG gelang nach am Wochenende vorgelegten Jahreszahlen der Sprung bis auf 106,50 Euro. Damit verfehlten sie ihr Ende August erreichtes Rekordhoch bei 107 Euro nur knapp. Charttechnisch betrachtet liegt dort ein massiver Deckel. Die Gewinne bröckelten daher rasch wieder ab, so dass zuletzt nur noch ein Plus von 0,8 Prozent auf rund 103 Euro zu Buche stand. Analysten sprachen von "soliden" Zahlen. Allerdings kam die Ankündigung während der Pressekonferenz, 2019 mit Hilfe von Zukäufen weiter wachsen zu wollen, bei Investoren nicht so gut an. Zudem hatte die LEG am Sonntag noch das Ausscheiden von Vorstandschef Thomas Hegel nach 13-jähriger Amtszeit per Ende Mai bekannt gegeben. Nachfolger wird Digitalvorstand Lars von Lackum.

Aktien von Boeing sackten um gut 10 Prozent ab und standen vor dem größten Tagesverlust seit 2001. Die chinesische Luftfahrt-Aufsicht verbot Starts des betroffenen Flugzeugtyps 737 MAX bis auf weiteres. Auch Ethiopian Airlines lässt diese Maschinen am Boden. Im Oktober war bereits eine 737 MAX in Indonesien abgestürzt. Die Ursache hierfür ist noch nicht vollständig geklärt.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von minus 0,03 Prozent am Freitag auf minus 0,02 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,07 Prozent auf 142,50 Punkte. Der Bund-Future verlor ebenfalls 0,07 Prozent und sank damit auf 164,44 Zähler. Der Euro legte bis zum frühen Montagnachmittag leicht auf 1,1242 US-Dollar zu. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Freitag auf 1,1222 Dollar festgesetzt.

mit Nachrichtenagenturen

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