05.03.2019 
Börse

Dax dreht leicht ins Plus - trotz China-Sorgen

Die Wirtschaft in China stottert und mit ihr die Aktienmärkte in Europa: Die schwachen Konjunktursignale aus China setzten dem Dax tagsüber zu. Zu Börsenschluss reichte es aber noch für ein kleines Plus: Der deutsche Leitindex gewann 0,2 Prozent auf 11.620,74 Punkte.

Der MDax der mittelgroßen Unternehmen blieb derweil mit zuletzt 24.652,74 Zählern ziemlich genau auf Vortagesniveau. Auch auf europäischer Bühne verlief der Handel zäh: der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 kam zuletzt mit 3.326,75 Punkten auf knappes Plus von 0,3 Prozent.

Bereits am Vortag hatte der Dax nach seinem jüngsten Kursanstieg Ermüdungserscheinungen gezeigt. Selbst Berichte über "substanzielle Fortschritte" im US-chinesischen Handelsstreit hatten am Rosenmontag den Dax nicht mehr treiben können. Viele Beobachter befürchten, dass die Frühjahrsrally am deutschen Aktienmarkt bald vorbei sein könnte. "Die Verkaufsbereitschaft am Markt beginnt bereits zu steigen, obwohl der Deutsche Aktienindex bis zum nächsten Kursziel noch etwas Luft hat", schrieben die Experten von Index-Radar.

Am Dienstag verunsicherten erneut Nachrichten aus China: Angesichts des Handelskrieges mit den USA und der hohen Verschuldung gab Regierungschef Li Keqiang zum Auftakt der Jahrestagung des Volkskongresses das niedrigste Wachstumsziel seit fast drei Jahrzehnten vor. Der stotternde chinesische Wirtschaftsmotor ist immer wieder Anlass für Sorge bei den Investoren.

"Vorerst keine weiteren Fakten zu den Handelsgesprächen zwischen den USA und China, dafür aber Nachrichten aus dem Reich der Mitte, die den Konjunktursorgen wieder neue Nahrung geben" - die Anleger blieben vor diesem Hintergrund lieber an der Seitenlinie, schrieb Marktanalyst Milan Cutkovic von Axitrader. Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners erklärte, aus technischer Sicht seien die Märkte in Europa "überkauft". Zudem zeige das niedrige Wachstumsziel der chinesischen Regierung eindrucksvoll, "wie kritisch es aktuell um die Weltwirtschaft bestellt ist".

Autoaktien schwächeln, FMC zieht an

Die Sorge um Chinas Wirtschaft belastete an der Börse vor allem die Autobauer und -zulieferer, für die der dortige Markt immens wichtig. Unter den Branchenvertretern im Dax erwischte es die Aktien des Reifenherstellers Continental mit mehr als einem Prozent Kursabschlag am deutlichsten. Die zuletzt schwankungsanfälligen Aktien des Zahlungsabwicklers Wirecard landeten mit 2 Prozent Abschlag auf dem letzten Index-Platz.

An der Dax-Spitze erholten sich dagegen die Papiere des Dialyseanbieters Fresenius Medical Care (FMC) von ihren Verlusten vom Vortag. Die Papiere zogen um mehr als ein Prozent an.


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Evonik nimmt mit Spartenverkauf Milliarden ein

Noch größere Kursbewegungen gab es vor allem in den hinteren Börsenreihen. Nach kräftigen Zuwächsen am Vortag radierten die Papiere von Wacker Chemie das Plus komplett wieder aus - sie verloren fast zehn Prozent. Der Konzern rechnet überraschend wegen niedrigerer Polysilizium-Preise mit einem deutlichen Rückgang beim operativen Ergebnis in diesem Jahr. Analysten hatten hingegen mit einem Gewinn gerechnet. Noch am Vortag war der Kurs in der Hoffnung auf eine Erholung der Preise kräftig angezogen.

Papiere des Spezialchemiekonzerns Evonik zogen zeitweise auf den höchsten Kurs seit Mitte November, zuletzt betrug das Plus noch knapp vier Prozent. Der Konzern erfreute mit einem unverhofft hohen Verkaufspreis für das an den Finanzinvestor Advent gehende Methacrylat-Geschäft. Zusammen mit starken Kennziffern für 2018 überstrahlte dies den vorsichtigen Ausblick auf das neue Geschäftsjahr. Die Ziele waren aber ohnehin bereits in etwa so von Analysten erwartet worden.

Eine unerwartet hohe Dividende versöhnte unterdessen die Anleger von Siltronic mit dem bestätigten pessimistischen Ausblick. Der Hersteller von Wafern für die Halbleiterindustrie will die Dividende für 2018 auf fünf Euro verdoppeln, Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet. Die Aktien standen zuletzt noch mit knapp einem Prozent im Plus, zeitweise war es um mehr als vier Prozent nach oben gegangen.

Die Ölpreise veränderten sich kaum. Die Aussicht auf ein schwächeres Wirtschaftswachstum in China hatte am Morgen nur zeitweise etwas belastet. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete im Mittagshandel 65,59 US-Dollar. Das waren 8 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 3 Cent auf 56,62 Dollar.

Aktienindizes werden neu sortiert

Nach Börsenschluss dürfte die Bekanntgabe der Veränderungen in den Aktienindizes der Dax-Familie am späten Dienstagabend Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wirksam werden etwaige Änderungen im MDax und SDax allerdings erst am 18. März. Im Dax dürfte sicher alles beim Alten bleiben.

mit Nachrichtenagenturen

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