28.03.2020 
Börse

Dax stabil erwartet

Der Dax dreht am Donnerstagabend wieder in die Gewinnzone - und springt erstmals seit zwei Wochen wieder über 10.000 Punkte. Auch in den USA legt der Leitindex Dow Jones zu, obwohl sich die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe in USA verzehnfacht hat.

Deutliche Kursgewinne an der Wall Street haben den Dax am Donnerstag wieder über die runde Marke von 10.000 Punkten gehievt. Der deutsche Leitindex blieb damit letztlich auf Erholungskurs und stieg am Ende um 1,28 Prozent auf 10.000,96 Punkte, nachdem er am frühen Nachmittag noch um 3,5 Prozent abgesackt war. Von seinem erst Mitte Februar erreichten Rekordhoch bei gut 13.795 Punkten aber ist er immer noch meilenweit entfernt. Der MDax der mittelgroßen Werte ging 3,20 Prozent höher bei 21.426,13 Punkten aus dem Handel.

Auftrieb gaben unter anderem das angesichts der Coronavirus-Krise nun bewilligte massive US-Konjunkturpaket zur Stützung der Wirtschaft. Zudem hatte der Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Jerome Powell, weitere Notmaßnahmen im Kampf gegen die Folgen der Virus-Krise nicht ausgeschlossen.

Jüngste Zahlen vom US-Arbeitsmarkt belegten, wie schwer die Corona-Pandemie die Wirtschaft der Vereinigten Staaten trifft: Die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe war auf gut drei Millionen nach oben geschnellt. Das Virus breitet sich in dem Land immer schneller aus, besonders in New York. Selbst mit dem vom US-Senat verabschiedeten billionenschweren Konjunkturpaket drohe der größten Volkswirtschaft der Welt immer noch ein gewaltiger Schaden, kommentierte Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets.

Hierzulande erholten sich mit MTU und Airbus zwei Unternehmen aus der Luftfahrtbranche besonders deutlich von ihren jüngsten Verlusten. So zogen die Aktien des Triebwerkbauers MTU an der Dax-Spitze um rund 12 Prozent und die des Flugzeugbauers Airbus Group als bester MDax-Wert um fast 21 Prozent an.

Bessere Stimmung war dabei aus den USA übergeschwappt, wo die Boeing-Aktien am Donnerstag weiter deutlich anzogen. Sie zählen zu den größten Profiteuren des US-Konjunkturpaketes. Möglich ist zudem, dass Anleger nun auch bei Airbus auf staatliche Rückendeckung hoffen.

Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 1,70 Prozent auf 2847,78 Punkte. Die Leitindizes in Paris und in London zogen noch etwas deutlicher an..

Wall Street: Dow Jones baut Gewinne aus

Die Erholung am US-Aktienmarkt hat sich am Donnerstag den dritten Tag in Folge mit Schwung fortgesetzt - und das trotz des Rekord-Jobabbaus in den USA. Weiter Auftrieb gaben ein inzwischen verabschiedetes billionenschweres Konjunkturpaket sowie Aussagen der US-Währungshüter. Die Bereitschaft, die Wirtschaft angesichts der Coronavirus-Krise mit allen Mitteln zu stützen, sei enorm. Das ließ die Anleger wieder zunehmend zuversichtlicher werden.

Der Dow Jones Industrial schloss mit einem Aufschlag von 6,38 Prozent auf 22 552,17 Punkte leicht unter seinem kurz zuvor erreichten Tageshoch. Nachdem das weltweit bekannteste Börsenbarometer zu Wochenbeginn noch auf den tiefsten Stand seit November 2016 abgesackt war, hat es binnen drei Handelstagen bereits wieder knapp 4000 Punkte zurückerobert.

Der marktbreite S&P 500 gewann am Donnerstag 6,24 Prozent auf 2630,07 Punkte. Der technologielastige Nasdaq Stock Market rückte um 5,72 Prozent auf 7897,13 Punkte vor.

Nach einigem Hin und Her war in der Nacht zum Donnerstag ein rund zwei Billionen US-Dollar schweres Hilfsprogramm bewilligt worden. US-Präsident Donald Trump hatte es vor dem vergangenen Wochenende in Aussicht gestellt. Details darin waren dann jedoch schwer umkämpft, bevor Demokraten und Republikanern sich einigten. Volkswirt Chris Hussey von Goldman Sachs sieht in dem Paket mittelfristig Chancen, eine Wirtschaftserholung zu beschleunigen. Kurzfristig aber werde es an der Wachstumsschwäche wohl nicht viel ändern, da der absehbare Rückgang der Wirtschaftsaktivität den physischen Einschränkungen geschuldet sei, mit denen der Pandemie begegnet werde.

Fed-Chef Powell deutet weitere Hilfen an

Zu Wort meldete sich außerdem Jerome Powell, der Vorsitzende der US-Notenbank Fed. Zwar befürchtet er, dass sich die USA bereits in einer Rezession befinden könnte, wie er im Fernsehen sagte, schloss zugleich aber weitere Notmaßnahmen im Kampf gegen die Folgen der Virus-Krise nicht aus. Der Notenbank werde "die Munition" nicht ausgehen, versicherte Powell. Derweil belegen die aktuellen Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, wie schwer die Einschränkungen durch die Pandemie die heimische Wirtschaft bereits treffen: Die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe schnellte wie von einigen Experten bereits befürchtet auf gut drei Millionen nach oben.


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Die zugehörige Kurve machte schnell in den sozialen Medien die Runde: Vorherigen Krisen und Rezessionen seien im Vergleich kaum auszumachen, kommentierte etwa Bloomberg-Journalist Joe Weisenthal.

Angesichts dieser dramatischen Zahlen sind nach Einschätzung von Jasper Lawler, Chef-Analyst des Online-Brokers LCG, neben neuen Konjunkturhilfen der Regierung auch zusätzliche Geldspritzen der Notenbank Fed nicht ausgeschlossen.

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No Limits: EZB kippt selbst gesetzte Grenzen bei Anleihekäufen

In Europa gab die Europäische Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie ihre selbst gesteckten Kaufobergrenzen für Staatsanleihen auf. "Das erlaubt es der EZB, diejenigen Volkswirtschaften zu unterstützen, die von der Krise härter getroffen wurden wie zum Beispiel Italien", sagte Anlagestratege Daniel Lenz von der DZ Bank. Außerdem könne sie die Risikoaufschläge für Papiere wirtschaftlich schwächerer Länder unter Kontrolle halten.

Die EZB-Ankündigung ermunterte Anleger zum Kauf von Bonds aus Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Dies drückte die Renditen und auch die Risikoaufschläge (Spreads) zu vergleichbaren Bundesanleihen.

Ölpreis erneut unter Druck

Für den Ölpreis ging es dagegen weiter abwärts. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um ein Prozent auf 27,11 Dollar je Barrel (159 Liter). Wegen des weitgehenden Stillstands der Weltwirtschaft rechnen die Experten der Bank Goldman Sachs mit einem Rückgang der Nachfrage um 10,5 Millionen Barrel pro Tag im März und um 18,7 Millionen Barrel im April. Im vergangenen Jahr habe der tägliche Bedarf bei rund 100 Millionen Barrel gelegen. Gleichzeitig werde der Markt wegen des Preiskriegs zwischen den wichtigen Förderländern Saudi-Arabien und Russland mit Rohöl geflutet, sagte Stephen Innes, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses Axicorp. Vor diesem Hintergrund stiegen Anleger erneut bei Öl- und Gaskonzernen aus. Der europäische Index für diese Branche verlor 1,7 Prozent.

Am deutschen Aktienmarkt stiegen die Titel von Hellofresh dagegen um bis zu 9,4 Prozent auf ein Rekordhoch von 28,40 Euro. Angesichts der Kontaktbeschränkungen in den USA und vielen europäischen Ländern seien Kochboxen-Lieferdienste eine gute Möglichkeit für die Bevölkerung, sich mit frischen Lebensmitteln einzudecken, schrieben die Experten der Deutschen Bank.


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Börse in Tokio wieder deutlich schwächer

Die Furcht vor dem Verlust von Arbeitsplätzen in den USA im Zuge der Coronakrise hat die asiatischen Anleger am Donnerstag verunsichert. In Japan sackte der 225 Werte umfassende Nikkei 4,5 Prozent ab auf 18.664,60 Zähler. In China lagen die Kurse leicht im Minus. "Nach diesen verrückten drei Handelswochen kammen wir nun zu einem statischeren Zustand", sagte Margaret Yang, Marktanalystin beim Brokerhaus CMC Markets in Singapur.

Euro etwas höher

Der Euro hat am Donnerstag an die Kursgewinne vom Vortag angeknüpft. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,0924 Dollar gehandelt, nachdem sie am Vorabend noch knapp unter der Marke von 1,09 notiert hatte. Das bisherige Tageshoch lag bei 1,0940 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Mittwochnachmittag auf 1,0827 Dollar festgesetzt.

Der US-Dollar hat bereits den dritten Tag in Folge im Handel mit dem Euro an Wert verloren. Marktbeobachter verwiesen auf die gewaltigen staatlichen Maßnahmen in den USA im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, die für einen massiven Anstieg der Staatsverschuldung sorgen.

"Nachdem der Senat dem billionenschweren Hilfspaket zugestimmt hatte, wertete der Dollar gegenüber dem Euro auf Tagessicht in der Spitze um bis zu ein Prozent ab", schrieb Volkswirt Stefan Kipar von der Bayerischen Landesbank in einem Kommentar und fügte hinzu: "Heute dürften weniger fiskalpolitische Maßnahmen als vielmehr harte Konjunkturdaten das Währungspaar treiben."

mit Nachrichtenagenturen

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