30.11.2018 
Nach Kursrutsch bei VW, Daimler und BMW

Autoaktien - günstig, aber auch riskant

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2. Teil: Ungewisse Wette auf die Zukunft

Die Einschnitte, die GM in dieser Woche bekanntgab, und die bei dem Unternehmen unter dem Strich rund 15.000 Jobs gefährden, stehen letztlich im unmittelbaren Zusammenhang mit den meisten der genannten Problemfelder. Und auch die Ankündigungen deutscher Hersteller wie Volkswagen und BMW, in großem Stil in die E-Mobilität investieren zu wollen und weitere Produktionsstätten in den USA zu planen, entspringen im Kern dieser Zwangslage.

Wie problematisch die Situation insbesondere für deutsche Autounternehmen derzeit ist, machte jüngst eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY deutlich. Die Untersuchung zeigte: Zwar stieg zuletzt noch der Gesamtumsatz der 16 größten Autokonzerne der Welt. Die Absatzzahlen waren jedoch im dritten Quartal 2018 erstmals seit der Finanzkrise rückläufig. Und was Investoren besonders hellhörig machen dürfte: Angesichts steigender Kosten und vor allem hoher Ausgaben für Forschung und Entwicklung schrumpfen plötzlich auch die Gewinnmargen der Unternehmen.

Insbesondere die deutschen Hersteller fielen im Margenvergleich zuletzt zurück: BMW verlor die Spitzenposition und befindet sich mit einer Gewinnmarge von 7,1 Prozent inzwischen weltweit nur noch auf Platz drei. Für Daimler ging es von Rang drei abwärts auf Rang fünf und Volkswagen befindet sich international auf dem siebten Platz.

Spitze in der Profitabilität dagegen sind inzwischen japanische Konkurrenten: Suzuki (8,7 Prozent) und Toyota (7,9 Prozent) führen das Margen-Ranking an. Ein Grund dafür dürfte die Schwäche des japanischen Yen sein, die die Geschäfte der Unternehmen zuletzt beflügelte. Ein anderer aber womöglich auch die bessere Strategie: Insbesondere Toyota hebt sich vom Gros der weltweiten und insbesondere von der deutschen Autoindustrie ab, indem der Konzern den aktuellen Hype um die vermeintlich zukunftsträchtige Elektromobilität weitgehend ignoriert.

Kein Wunder, Toyota kann es sich womöglich leisten: Der Konzern verkaufte schon vor 20 Jahren die ersten Autos mit Hybridmotor und verfolgt dieses Antriebskonzept bis heute konsequent weiter. Milliardenschwere Investitionen, mit denen beispielsweise Volkswagen gegenwärtig versucht, seine Zukunft zu sichern, können sich die Japaner daher sparen.

Für Investoren scheint die Lage daher klar: Glauben sie daran, dass die deutschen Hersteller mit ihren teuren Zukunftsstrategien richtig liegen und langfristig Erfolg haben werden, so ist derzeit womöglich ein guter Zeitpunkt, die Aktien von Volkswagen, Daimler oder BMW günstig ins Depot zu nehmen. Viel spricht allerdings auch dafür, vorerst abzuwarten. Denn die Unklarheiten und Unsicherheiten in Bezug auf die weitere Entwicklung der gesamten Autobranche in den kommenden Jahren erscheinen aktuell noch extrem hoch.

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