01.03.2019 
Emerging Markets Aktien im Aufschwung

Drei Gründe für das Comeback der Schwellenländer

Von

Nach einem enttäuschenden Jahr 2018 haben die Aktienmärkte der Schwellenländer zuletzt stark zugelegt. Ist das bereits das erhoffte Comeback?

Es ist eine scheinbar kaum bedeutende, technische Maßnahme, die der weltweit führende Indexanbieter MSCI da vornimmt - doch Investoren sollten sich die Sache genau anschauen: Der Vorgang macht deutlich, wie wichtig die Schwellenländer generell und allen voran China im Besonderen inzwischen im weltweiten Finanzgeschäft sind.

Was genau plant MSCI? Noch im Laufe dieses Jahres, so das Unternehmen, soll der Anteil chinesischer Aktien an den MSCI-Indizes, also beispielsweise dem MSCI Emerging Markets oder dem MSCI World, vervierfacht werden.

Was das bedeutet, haben die Börsianer in Shanghai offenbar recht schnell erkannt: Sie trieben die Kurse am Freitag dieser Woche, dem Tag der Bekanntgabe, um deutlich mehr als 1 Prozent in die Höhe. Schließlich stehen dem Aktienmarkt der Volksrepublik angesichts der stärkeren Gewichtung durch MSCI künftig deutlich erhöhte Investitionen ins Haus. Fonds mit einem Volumen im Billionen-Dollar-Bereich folgen weltweit den betroffenen Börsenbarometern, schreibt etwa die "Financial Times". Fachleute schätzen der Zeitung zufolge, dass nun pro Jahr mehr als 100 Milliarden Dollar zusätzlich an die chinesische Börse fließen werden.

Geld, das dem aktuellen Kursaufschwung zusätzlichen Antrieb geben könnte. Nach einem weitgehend enttäuschenden Jahresverlauf setzte in China und anderen Emerging Markets bereits Ende 2018 die Kehrtwende ein. Seit Anfang November hat beispielsweise der MSCI Emerging Markets Index um etwa 10 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Beim MSCI World sowie dem US-Index S&P 500 beträgt der Kursgewinn im gleichen Zeitraum lediglich weniger als 5 Prozent.

Der hiesige Dax notiert zwar im neuen Jahr bislang ebenfalls deutlich im grünen Bereich. Gerechnet ab Anfang November 2018 wurde auch er jedoch von den Schwellenländer-Börsen klar outperformt.

Dieser Aufschwung an den Märkten der Schwellenländer kommt selbstverständlich nicht von ungefähr - und die Kräfte, die ihn seit Wochen antreiben, könnten auch in nächster Zeit weiter wirken:

Alles in allem also kein Wunder, dass viele Investmentprofis den Schwellenländerbörsen in diesem Jahr weiterhin gute Chancen einräumen. "Wir sind sehr optimistisch und sehen viele Chancen für Schwellenländertitel", sagt beispielsweise Michael Bourke, Fondsmanager bei der der britischen Investmentgesellschaft M&G. "Dabei wird das weltweite gesamtwirtschaftliche Umfeld unsicher bleiben. Mit weiteren Marktturbulenzen müssen wir also rechnen", schränkt er allerdings ein.

Zudem gibt es weitere mahnende Stimmen. Hiren Dasani, Portfoliomanager für GS Global Emerging Markets bei GSAM etwa, kommt insgesamt lediglich zu einer "ausgeglichenen Einschätzung" und hält die Anlageklasse für "grundsätzlich interessant", was Interpretationsspielraum in alle Richtungen lässt.

Auch Angelika Millendorfer, Leiterin Emerging Markets bei Raiffeisen Capital Management, hält es trotz der jüngsten Kurserholung für verfrüht, bereits Entwarnung zu geben. "Die weltwirtschaftlichen Risiken bestehen schließlich weiter", sagt sie. "Eventuell noch verschärft durch einen wieder eskalierenden Wirtschaftskonflikt zwischen den USA und China."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Kurzum: Nicht zuletzt Nachrichten wie jene von MSCI, die Gewichtung Chinas in den Indizes des Hauses künftig deutlich zu erhöhen, zeigen, dass an den Emerging Markets für Investoren inzwischen zwar kaum noch ein Weg vorbeiführt. Der Moment für einen Einstieg könnte nach den Kursverlusten des vergangenen Jahres günstig sein. Doch die Ungewissheit bleibt.

Mehr zum Thema