28.02.2019 
"Sie hören uns offensichtlich nicht zu"

Norwegens Ölfonds halbiert Volkswagen-Beteiligung

Norwegens Staatsfonds hat seine Beteiligung an Deutschlands Autoprimus Volkswagen halbiert. Nachdem der Ölfonds Ende 2017 noch Volkswagen-Aktien im Wert von über 11 Milliarden norwegischen Kronen (1,3 Milliarden Dollar) besaß, waren es Ende 2018 nur noch 5,2 Milliarden Kronen (610 Millionen Dollar). Das zeigt eine jüngst veröffentlichte Auflistung der Assets des Fonds, über die zuerst die "Financial Times" (kostenpflichtig) berichtet hatte.

Der Fonds sei in den vergangenen sechs Jahren der größte unabhängige Investor des Autobauers gewesen, schreibt die "FT" weiter. Seine Beteiligung sinke nun von 1,32 Prozent (Ende 2017) auf 0,77 Prozent. Zwar hatte der Anteil schon in den vergangenen Jahren immer wieder geschwankt - stärker gefallen war er allerdings noch nie. Volkswagens drei größte Anteilseigner, die Porsche-Piech-Familie, das Land Niedersachsen sowie Katar, halten zusammen fast 90 Prozent.

Gegenüber der "Financial Times" wollte Norwegens Fondschef Yngve Slyngstad den Verkauf nicht kommentieren, man äußere sich generell nicht zu einzelnen Investments. In der Rückschau identifiziert die Zeitung allerdings einen lange schwelenden Konflikt zwischen den Norwegern und dem Autobauer: Mehrmals habe der Fonds bereits Volkswagens Corporate Governance gerügt, angefangen vor über zehn Jahren bei der Übernahme von Porsche. Im Jahr 2016 habe Slyngstad zu Protokoll gegeben, die Niedersachsen hätten keinerlei Fortschritte in dem kritisierten Bereich gemacht: "Sie hören uns offensichtlich nicht zu."

Der laut "Financial Times" größte Staatsfonds der Welt hat im vergangenen Jahr einen Verlust vermelden müssen - der Wert der von ihm gehaltenen Assets verbilligte sich um 50 Milliarden Dollar. 2017 hatte das Investmentvehikel noch eine zweistellige Rekordrendite erzielt. Der Fonds wird mit Mitteln aus der norwegischen Öl- und Gasförderung gefüttert. Zwei Drittel dieses Geldes ist in Aktien und Eigentümeranteilen von mehr als 9000 Unternehmen angelegt, darunter namhafte Firmen wie die Tech-Riesen Apple, Microsoft oder Samsung.

luk

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