30.04.2019 
Elon Musk braucht Liquidität

Tesla hat den idealen Moment zur Geldbeschaffung verpasst

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Nach dem überraschend hohen Verlust im ersten Quartal von 702 Millionen Dollar wich Tesla-Chef Elon Musk vergangene Woche von einer bisher klaren Linie ab: Anders als in den Quartalen zuvor schloss der CEO des US-Elektroautobauers die Aufnahme frischen Kapitals in einer Telefonkonferenz nicht mehr aus. Die Fertigung und Auslieferung des Model 3 bereitet dem Unternehmen offenbar weiterhin größere Schwierigkeiten - und verschlingt viel Kapital.

Analysten halten es vor dem Hintergrund Medienberichten zufolge für denkbar, dass Tesla sich in nächster Zeit eine bis zwei Milliarden Dollar am Finanzmarkt besorgen wird, um die Lücken zu schließen. Den idealen Zeitpunkt für eine solche Liquiditätsbeschaffung hat der Konzern jedoch offenbar bereits verpasst.

Der Grund: Tesla stehen im Wesentlichen zwei Wege offen, um an frisches Geld zu kommen. Einerseits kann das Unternehmen im Rahmen einer Kapitalerhöhung Aktien verkaufen, andererseits besteht die Option, eine Anleihe zu begeben und so zusätzliche Fremdmittel ins Haus zu holen. Bei beiden Varianten wären die Kapitalkosten für Tesla jedoch inzwischen höher als noch vor einigen Monaten.

Zum einen befindet sich der Aktienkurs des Autobauers seit Monaten auf Talfahrt. Seit Dezember vergangenen Jahres hat das Papier etwa ein Drittel seines Wertes verloren. Wirft Tesla nun neue Aktien auf den Markt, so muss CEO Musk also relativ betrachtet einen größeren Anteil des Unternehmens hergeben, um die gleiche Summe Geldes zu erlösen. Mehr noch: Experten gehen davon aus, dass der fallende Aktienkurs sogar noch einen zusätzlichen Discount auf neue Papiere erforderlich machen könnte.

Ähnlich unerfreulich erscheint die Alternative der Fremdkapitalaufnahme. Wie auch das "Wall Street Journal" berichtet, notiert ein ursprünglich zum Zins von 5,3 Prozent emittierter Bond Teslas mit Laufzeit bis 2025 aktuell bei rund 86 Prozent seines Nominalwertes. Umgerechnet bedeutet das, dass der Zins für das Papier mittlerweile auf etwa 8,2 Prozent gestiegen ist. Vor einem Jahr notierte die gleiche Anleihe noch bei einer Verzinsung von 7,4 Prozent, schreibt das "WSJ". Auch am Rentenmarkt hat Tesla sich in den vergangenen Monaten also nicht eben Freunde gemacht. Laut "WSJ" könnte das dafür sorgen, dass ein neues Papier sogar mit bis zu 9 Prozent verzinst werden müsste.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die gute Nachricht für Tesla lautet indes: Auch nach dem Kursrutsch ist das Unternehmen an der Börse weiterhin deutlich mehr als 40 Milliarden Dollar wert. Es spielt damit in einer Liga mit anderen Autoherstellern wie Ford und weiteren etablierten Konzernen. Für den Finanzmarkt ist das laut "WSJ" ein wichtiges Zeichen: Tesla genieße weiterhin das Vertrauen der Investoren und dürfte grundsätzlich kaum Probleme haben, frisches Geld aufzunehmen.

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