18.05.2018 
P&R-Skandal kostet Investoren Milliarden

Schwierig, aber möglich - wie Anleger sich vor Betrug schützen

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3. Teil: Warum es sich lohnt, auch das Kleingedruckte zu lesen

Wie sinnvoll das sein kann, zeigt wiederum der Fall P&R: Die Unternehmensgruppe hatte anlässlich der gesetzlich geforderten erhöhten Transparenz erst 2017 eigens eine neue Tochterfirma gegründet, die P&R Transport-Container GmbH. Über diese Gesellschaft wurden von da an sämtliche Investorengelder eingesammelt.

Entscheidend: In den Verkaufsprospekten der Transport-Container GmbH fanden sich - anders als in früheren Jahren - erstmals auch Zwischenbilanzen des Unternehmens. Und wer diese aufmerksam las, konnte bereits im vergangenen Jahr erkennen, dass im P&R-Reich offensichtlich etwas nicht mit rechten Dingen zuging.

Konkret verfügte die P&R Transport-Container GmbH zum Zeitpunkt der Prospekterstellung, also 2017, über eine Forderung in dreistelliger Millionenhöhe gegenüber einer ihrer Schwesterfirmen, der ebenfalls heute insolventen P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH. Das habe jedoch nicht sein dürfen, so der Rosenheimer Fondsanalyst Stefan Loipfinger, der als erster auf diese Merkwürdigkeiten hinwies. Denn die Transport-Container GmbH hätte ihr Kapital eigentlich zum Kauf von Containern an die P&R Equipment & Finance Corp., eine P&R-Tochter in der Schweiz, überweisen müssen. Gegenüber letzterer jedoch fand sich in den Unterlagen wiederum eine Verbindlichkeit, ebenfalls in dreistelliger Millionenhöhe.

Aus diesen Informationen lässt sich ableiten, dass bei P&R offenbar bereits 2017 Anlegergelder nicht wie eigentlich vorgesehen zum Kauf von Containern verwendet wurden. Stattdessen erfüllte das Unternehmen damit an anderer Stelle Verpflichtungen, etwa gegenüber Investoren, die ausgezahlt werden mussten. Ein vernünftiger Geldanleger, dem das klar war, hätte dem Unternehmen seine Ersparnisse vermutlich kaum noch anvertraut.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Dazu musste er allerdings die über 100 Seiten umfassenden Verkaufsunterlagen äußerst genau studieren, wie auch Loipfinger sagt. Der Fondsexperte sieht nicht zuletzt deshalb den schwarzen Peter eher bei der Finanzaufsicht Bafin. Den Aufsehern hätten die Unregelmäßigkeiten bei der Prospektprüfung auffallen müssen, so Loipfinger. Zudem hätten sie nach seinen Angaben die Möglichkeit gehabt, deutlich mehr Informationen und Transparenz von P&R zu fordern - doch sie taten es nicht.

"Die Aufsicht", da ist sich Loipfinger daher sicher, "hat bei P&R komplett versagt." Ein Grund mehr für Anleger, künftig noch genauer hinzuschauen, bevor sie sich an einer Kapitalanlage wie jener von P&R beteiligen.

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