18.05.2018 
P&R-Skandal kostet Investoren Milliarden

Schwierig, aber möglich - wie Anleger sich vor Betrug schützen

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2. Teil: Auf diese Warnsignale müssen Investoren achten

Auch übermäßige Renditeversprechen waren bei P&R kaum zu finden. Der Kauf eines Containers, seine Vermietung nebst späterer Rücknahme durch das Unternehmen, das alles erbringe Renditen von 4 bis 5 Prozent, wie es in Verkaufsunterlagen hieß, und wie sich die P&R-Kunden über Jahre hinweg überzeugen konnten. Lockangebote, die die Gier der Anleger ansprechen sollen, sehen zweifellos anders aus.

Woran es allerdings haperte, und das wurde von kritischen Beobachtern seit Langem bemängelt, war die Transparenz der Geschäfte. Die Volumina, die P&R im Containermarkt bewegte, stiegen im Laufe der Jahre in den Milliarden-Euro-Bereich. Einen Bestand an mehr als einer Million Stahlboxen verwaltete das Unternehmen zu Hochzeiten - angeblich - für seine Investoren. Doch welche Gelder wirklich zu welchem Zeitpunkt auf welches Konto flossen, darüber herrschte für Außenstehende jahrelang weitgehend Unklarheit. Und Geschäfte zwischen verschiedenen Töchtern der P&R-Gruppe - auch die waren durchaus Teil des Konzepts.

Selbst die Insolvenzverwalter der P&R-Gruppe sowie ihr Team von Wirtschaftsprüfern benötigten nach der vor einigen Wochen eingetretenen Pleite des Unternehmens mehrere Wochen Analysearbeit. Erst dann war ihnen klar, dass, wie sie in dieser Woche bekanntgaben, von 1,6 Millionen Containern, die P&R an Investoren verkauft hat, sage und schreibe eine Million überhaupt nicht existieren.

Mangelnde Durchschaubarkeit eines Geschäftsmodells ist allerdings erfahrungsgemäß ein ziemlich schwaches Argument gegen ein Investment, zumal, wenn ein Anbieter wie beispielsweise auch P&R bereits seit vielen Jahren - zumindest scheinbar - bewiesen hat, dass sein Konzept funktioniert. Um Investoren wirklich von einem Engagement abzuhalten, sind in so einem Fall in der Regel harte Fakten erforderlich, die dagegen sprechen.


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Das ist der Punkt, an dem der zweite Teil der Antwort beginnt. In seinem Mittelpunkt steht die Anlegerschutzgesetzgebung, die in Deutschland in den vergangenen Jahren stetig verbessert wurde. Benötigten Firmen wie P&R in früheren Jahren kaum mehr als einen Din-A-4-Zettel mit den wichtigsten Eckdaten zum Angebot, um Gelder bei ihren Kunden einzusammeln, so müssen sie inzwischen umfangreiche Verkaufsprospekte erstellen, die auch von der Finanzaufsicht Bafin abgesegnet werden. In diesen Prospekten finden sich mitunter wichtige Informationen, die Anleger in ihre Investitionsentscheidung einbeziehen sollten - sie müssen die viele Seiten langen Unterlagen allerdings zu dem Zweck sehr aufmerksam lesen.

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