18.03.2019 
Abfindung nicht gefährden

Vermeiden Sie diese Fehler bei der Abfindungsverhandlung

Eine Meinungsmache von Christoph Abeln

Bei Verhandlungen über Abfindungen gibt es jede Menge Risiken - und die Gefahr tief abzustürzen. Denn häufig wollen Unternehmen nicht zahlen. Sie versuchen, Führungskräfte mit allen Mitteln loszuwerden und so die Abfindung zu sparen. Doch es gibt Möglichkeiten gegenzuhalten.

Ein gesetzlicher Anspruch auf Abfindungen beim Exit wäre der Traum vieler Führungskräfte. Doch die Realität ist leider eine andere. Grundsätzlich sehen Sozialpläne Abfindungen vor, aber eben nicht für Topmanager. Bei Verhandlungen über die Abfindungshöhe heißt das: Jede Menge Risiko und viel Luft nach unten.

Christoph Abeln
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    Steffen Jänicke
    Christoph Abeln ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und auf die Vertretung von Führungskräften und leitenden Angestellten spezialisiert. Zuletzt erschien von ihm das "Handbuch für Führungskräfte", außerdem richtet seine Kanzlei jährlich den Führungskräftetag aus.
    www.abeln.de

Fordert ein Manger angeblich zu viel, wird es schnell schmutzig: Es wird nach Fehlern gegraben, um eine Kündigung ohne Abfindung zu rechtfertigen. Trotzdem beobachte ich immer wieder Führungskräfte, die sich ohne Not selbst ans Messer liefern. Sie machen während des Trennungsprozesses folgenschwere Fehler oder lassen sich vom Unternehmen aufs Glatteis locken. Schnell ist dann die Abfindung in Gefahr. Hier die wichtigsten Fehler, die es zu vermeiden gilt:

1. Keine Daten kopieren

Häufig versuchen Führungskräfte während eines Trennungsprozesses, vertrauliche Infos privat zu sichern. Ihr Argument: Früher habe man sich ja auch Arbeitsunterlagen zum Durchsehen nach Hause geschickt, da sei doch nichts dabei. Meine Antwort darauf ist ganz simpel: Kunden- und Geschäftsdaten können immer eine Verletzung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen darstellen. Auch wenn eine Privatnutzung des Internets arbeitgeberseitig gestattet sein mag, rechtfertigt dies nicht die private Versendung von Unternehmensdateien. Die Folge einer solchen Pflichtverletzung ist meist der Abbruch der Abfindungsverhandlungen und die fristlose Kündigung.

2. Finger weg von der Konkurrenz

Ein weiteres Minenfeld für Abfindungsverhandlungen sind sogenannte "Neben- oder Konkurrenztätigkeiten" sowie die Selbständigkeit vorbereitende Tätigkeiten. Grundsätzlich ist, solange das Arbeitsverhältnis besteht, jede Tätigkeit für die Konkurrenz untersagt. Daran ändert auch eine Kündigung oder Freistellung nichts. Bis zum Ablauf der Kündigungsfrist ist der Wettbewerb tabu. Ansonsten muss der Manager mit einer Kündigung rechnen - und zwar ohne vorherige Abmahnung. Die selbständige Tätigkeit darf dagegen bereits während der laufenden Kündigungsfrist vorbereitet werden. Führungskräfte können sich über die Gründung einer Gesellschaft beraten lassen, Büroräume anmieten oder sogar direkt gründen. Aber: Sie dürfen während der Kündigungsfrist weder selbstständig noch unselbstständig werbend für diese Gesellschaft tätig werden. Die Arbeit für ein Unternehmen, das im Wettbewerb steht, stellt eine Arbeitsvertragsverletzung dar. Und diese kann zur Kündigung führen.

3. Keine Verhandlungen am Telefon

Auch Telefonate mit Headhuntern können zur Falle werden. Eigentlich sind solche Gespräche während der Arbeitszeit erlaubt. Allerdings nur soweit, wie sie nicht über ein übliches Maß hinausgehen. Es gilt die Faustformel: Die Kontaktaufnahme mit Dritten über Headhunter ist erlaubt, jegliche weiteren Gespräche sind es nicht. Nach vorheriger Abmahnung muss der Manager andernfalls mit einer Kündigung rechnen

4. Hüten Sie Ihre Zunge

Es sollte sich von selbst verstehen, aber: Achten Sie auf Ihre Wortwahl bei Gesprächen. Üble Nachrede kann schnell zum ungewollten Exit führen. Dasselbe gilt für heimliche Mitschnitte von Telefonaten und Trennungsgesprächen. Sie verstoßen gegen den Grundsatz der Vertraulichkeit und können zur fristlosen Kündigung sowie dem Abbruch der Trennungsverhandlungen führen. Also: Lassen Sie es.

Mögliche Deal-Breaker beim "Golden Handshake" gibt es ohne Ende. Mein abschließender Rat also: Seien Sie stets auf der Hut und verhalten Sie sich stets vertragskonform. Wenn es um eine lange Betriebszugehörigkeit geht, Mitarbeiter "zu teuer" sind und es dem Unternehmen an einem Kündigungsgrund fehlt, nutzen diese jeden Strohhalm um sich Abfindungen billig zu entziehen. Das sollten Sie niemals zulassen.

Christoph Abeln ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Mitglied der MeinungsMachervon manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

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