25.06.2019 
Edelmetall auf Höhenflug

Goldpreis-Anstieg - Besitzer machen Schmuck zu Geld

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Viele Goldbesitzer scheinen dem aktuellen Preisanstieg des Edelmetalls noch nicht recht zu trauen. Sie nutzen den Aufschwung des Goldpreises der vergangenen Wochen vielmehr, um Bestände abzubauen und Schmuck sowie Goldbarren und -münzen zu Geld zu machen. Das geht aus Informationen von Goldhändlern hervor.

Bei Degussa Goldhandel mit Hauptsitz in Frankfurt am Main beispielsweise stieg die Anzahl der Ankäufe von Goldprodukten im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2018 um mehr als 100 Prozent, so das Unternehmen. Die Ankaufsaktivitäten befinden sich demnach inzwischen auf dem höchsten Niveau seit fünf Jahren. Besonders floriert bei Degussa offenbar der Ankauf über die firmeneigene Website - dort beträgt das Plus bei der Zahl der Transaktionen in den vergangenen sechs Monaten sogar 480 Prozent, heißt es in einer Mitteilung des Hauses.

"Die Kunden beobachten den Goldkurs oft sehr genau und empfinden die derzeitige Situation als günstigen Zeitpunkt, nicht genutzte Edelmetalle zu veräußern", sagt Degussa-Handelsleiter Oliver Heuschuch. "Wir erleben es ständig, dass der Wert der alten Stücke vor der Prüfung bei uns als geringer eingeschätzt wurde und die Verkäufer dann umso glücklicher sind, das Gold zu Geld gemacht zu haben."

Ähnlich laufen die Geschäfte derzeit offenbar beim Handelshaus Pro Aurum in München. Nicht nur der Goldverkauf brumme, so Firmensprecher Benjamin Summa zu manager-magazin.de, sondern auch der Goldankauf.

"In den Filialen von Pro Aurum kann nun wieder beobachtet werden, was wir in solchen Situationen häufig sehen können", so Summa. "Es kommen viele Neukunden, die wegen der steigenden Preise auf die Edelmetall-Anlage aufmerksam werden. Auf der anderen Seite glauben viele Bestandskunden, dass die Aufwärtsbewegung des Goldpreises zu stark war und es wieder zwangsläufig zu einer Korrektur kommen müsse." Diese Kunden seien derzeit auf der Verkäuferseite, sagt der Pro-Aurum-Sprecher.

Laut Summa liegen die Umsätze bei Pro Aurum im Juni knapp 25 Prozent über dem durchschnittlichen Umsatz im ersten Quartal 2019.

Hintergrund: Nach einer lange Zeit eher mäßigen Entwicklung kam zuletzt erheblich Bewegung in den Goldpreis . Seit Ende März ging es mit dem Preis um rund 6 Prozent nach oben, seit Herbst vergangenen Jahres sogar um mehr als 12 Prozent. Ende voriger Woche sprang der Goldpreis über die Marke von 1400 Dollar je Unze, womit er so hoch notiert, wie seit mehr als fünf Jahren nicht mehr. Am Montag kostete eine Unze Gold am rund 1405 Dollar.

Als Gründe für den wieder steigenden Goldpreis gelten vor allem die weltweit angesichts unsicherer Konjunkturaussichten wieder fallenden Zinsen. Zudem dürften die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die Spannungen zwischen den USA und Iran Investoren zu Goldinvestments treiben. Als vermeintlich "sicherer Hafen" profitiert Gold häufig von Verunsicherungen an den Finanzmärkten.


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Die genannten Gründe deuten nach Ansicht vieler Experten aktuell auch auf einen weiter steigenden Preis hin. "Die weltweite Geldpolitik der Geldmengenvermehrung spricht dafür, dass das - mengenmäßig begrenzte - Gold in langfristiger Perspektive, sagen wir in fünf und mehr Jahren, aufwertet gegenüber dem ungedeckten Papiergeld", sagt etwa Degussa-Chefvolkswirt Thorsten Polleit.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Investoren sehen es offenbar ähnlich. So berichtete der Finanznachrichtendienst Bloomberg jüngst von erheblichen Mittelzuflüssen in Gold-Indexfonds. Bei einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Pro Aurum gaben zudem 26 Prozent der Teilnehmer an, Gold bringe in den kommenden drei Jahren den höchsten Gewinn ein. 28 Prozent entschieden sich für Aktien - und lediglich je 3 Prozent für Fest- und Termingeld sowie Anleihen.

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