24.01.2019 
Hält der Aufwärtstrend beim Goldpreis?

"Doppeltes goldenes Kreuz" - Goldmarkt sendet Kaufsignal

Von

Die Erholung des Goldpreises, die bereits im Herbst vergangenen Jahres eingesetzt hatte, ist zuletzt etwas ins Stocken geraten. Die Frage ist wie immer: Wie geht es nun weiter? Wird der Goldpreis weiter steigen, oder geht dem Edelmetall die Puste aus, ausgerechnet an der psychologisch womöglich wichtigen Marke von 1300 Dollar je Unze, an der der Preis gegenwärtig kratzt.

Einen wichtigen Hinweis haben die Experten für die technische Chartanalyse ausgemacht. Sie beobachteten, dass der Chart des Goldpreises, also die grafische Darstellung der Preisentwicklung, zuletzt zwei markante Formationen hervorgebracht hat. Erstens: Vor Kurzem durchkreuzte die Linie des 38-Tage-Durchschnittspreises jene Linie des 200-Tage-Durchschnittspreises von unten nach oben. Und zweitens: Inzwischen hat zudem auch die Linie des 50-Tage-Durchschnittspreises die Linie des 200-Tage-Durchschnittspreises durchkreuzt, und zwar naturgemäß ebenfalls von unten nach oben.

Für die Charttechniker ist dies ein bemerkenswertes Ereignis, das sie in ihrem Jargon als "doppeltes Golden Cross" oder "doppeltes goldenes Kreuz" bezeichnen (siehe Grafik). In der Vergangenheit hat sich bereits häufig gezeigt, dass diese Formation eine stabile Erholung eines Wertes signalisiert. Das "doppelte goldene Kreuz" gelte daher "gemeinhin als klassisches Kaufsignal" schreiben beispielsweise die Fachleute von der Privatbank Donner & Reuschel in einer aktuellen Analyse des Goldpreis-Charts.

Gründe für steigende Goldpreise gab es zuletzt genug: Weltweit zeigt die Konjunktur vielerorts Zeichen der Schwäche, was an den Aktienmärkten bereits die bekannten Turbulenzen ausgelöst hat. Investoren zogen es daher offenbar vor, Geld in "sichere Häfen" zu lenken, zu denen auch Gold traditionell gezählt wird. Auch die Entwicklung im Handelskonflikt zwischen den USA und China hat 2018 zum Anstieg des Goldpreises beigetragen.

Nach mehrmonatiger Konsolidierung bei 1200 Dollar je Unze habe Gold einen neuen Positivtrend eingeschlagen, heißt es entsprechend in einer Einschätzung von Joe Foster, Portfolio Manager beim Investmenthaus VanEck. Das Edelmetall profitiere dabei von starken Zuflüssen bei goldbasierten Exchange Traded Products (ETPs), so Foster.

Einerseits. Andererseits gibt es zahlreiche Stimmen, die die Warnungen vor einer aufziehenden Rezession für übertrieben halten. Auf dem derzeit stattfindenden Weltwirtschaftsforum in Davos etwa wird über die Lage der Weltwirtschaft diskutiert. Die Teilnehmer seien sich anscheinend einig, dass sich das Wachstum zwar abschwächt, sähen aber keine Rezessionsgefahr, schreibt die Commerzbank in einem Kommentar zum Geschehen an den Rohstoffmärkten.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Das Kaufsignal, welches die technische Chartanalyse hervorgebracht hat, sollten Investoren daher womöglich eher mit Vorsicht genießen. Auch die Privatbank Donner & Reuschel kommt zu dem Schluss, nach Abwägung aller Rahmenbedingungen sei es besser, zunächst abzuwarten, ob eine Hürde beim Goldpreis knapp über 1300 Dollar je Unze "nachhaltig durchstoßen werden kann". Die Markttechnik sei "verhalten bis neutral" einzustufen, so die Bank. Echter Optimismus klingt jedenfalls anders.

Mehr zum Thema