10.04.2019 
Zinswende kommt frühestens 2020

EZB sieht Wachstumsrisiken, Euro taucht ab

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wie erwartet ihre Leitzinsen nicht angetastet. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibt bei 0,0 Prozent, wie die Euro-Wächter am Mittwoch in Frankfurt mitteilten. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit März 2016. Die Zinswende werde frühestens im kommenden Jahr eingeleitet, die Währungshüter bekräftigten, ihre Schlüsselzinsen noch bis mindestens Ende Dezember nicht antasten zu wollen.

Damit dürfte Mario Draghi der bislang erste EZB-Präsident werden, in dessen Zeit an der Spitze die Zinsen kein einziges Mal angehoben wurden. Der Italiener scheidet Ende Oktober aus dem Amt. Die EZB ließ auch den Einlagenzins auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent. Die Geschäftsbanken müssen damit weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken.

Auch nach einer Zinswende wollen die Währungshüter zudem noch für längere Zeit fällig werdende Anleihen aus ihrem Bestand ersetzen. Die Notenbank-Bilanz dürfte damit vorerst nicht schrumpfen. Sie war in den vergangenen Jahren durch Anleihenkäufe im Volumen von mehr als 2,6 Billionen Euro kräftig aufgebläht worden. Die Transaktionen, die im Dezember 2018 gestoppt wurden, waren zuletzt eines der zentralen Kriseninstrumente gegen die aus EZB-Sicht zu niedrige Inflation.

Draghi: Risiko einer Rezession nach wie vor gering

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht außerdem weiterhin Wachstumsrisiken für die Eurozone. Die Risiken für das Wachstum deuteten weiterhin nach unten, sagte Mario Draghi der Zinsentscheidung der Notenbank in Frankfurt. Die Wahrscheinlichkeit für eine Rezession sei aber nach wie vor gering.

Jüngste Wirtschaftsdaten bestätigten, dass sich das Wachstumstempo im Euroraum abschwäche, sagte Draghi. Zuletzt hatte vor allem die Entwicklung in der Industrie enttäuscht. Fachleute führen dies auf die große Abhängigkeit der Branche vom Welthandel zurück. Auch Draghi verwies auf globale Entwicklungen, die das Wachstum dämpften. Der große Dienstleistungssektor, der stärker von der Binnennachfrage abhängt, hat sich bis zuletzt wesentlich besser geschlagen als die Industrie.

Euro taucht ab, Bund-Renditen fallen

Der Euro tauchte auf 1,1235 Dollar von zuvor 1,1280 Dollar ab. "Die Anleger stellen sich auf eine längere Phase niedriger Zinsen ein", sagte Commerzbank-Analystin Thu-Lan Nguyen. Die Gemeinschaftswährung sei zuletzt von der Erwartung an eine Normalisierung der Geldpolitik gestützt worden. "Das rückt nun weiter in die Zukunft."

Am Anleihemarkt waren die als sicher geltenden Bundesanleihen gefragt. Im Gegenzug fiel die Rendite der zehnjährigen Staatspapiere auf minus 0,030 Prozent von minus 0,004 Prozent am Vortag. Der Dax drehte dagegen ins Plus und notierte zeitweise 0,6 Prozent höher bei 11.922 Punkten.

luk / reuters

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