05.11.2018 
E-Scooter und Co. unter Druck

Was für Sharing-Dienste noch schwierig wird

Von

2. Teil: Schon jetzt konsolidiert sich der Markt

Auch Valerian Seither wünscht sich, dass Autos aus den Städten weichen. "Wir haben alle einen gemeinsamen Endgegner: das private Auto", sagt der Mitgründer des E-Roller-Sharing-Start-ups Emmy. Die starke Konkurrenz will er naturgemäß positiv sehen: Nicht jedes Gefährt sei für alle Strecken geeignet. So sehe er E-Scooter auch nicht als Wettbewerb. Kunden würden sie vor allem für kürzere Strecken nutzen.

Auf mehr Integration will Seither nicht setzen. Als Anbieter habe man kein Interesse daran, fremde Services in die eigene App zu holen. Sein Plan: "Es ist unsere Aufgabe, für eine gute Abdeckung durch die Roller zu sorgen, damit der Kunde immer zufrieden ist und gar nicht erst eine andere App öffnet."

Etwas anderes könnten Start-ups kaum äußern, sagt ein Branchenkenner, der ungenannt bleiben möchte. "Welcher Investor gibt sein Geld schon jemandem, der offen ausspricht, dass er irgendwann wegkonsolidiert werden könnte?" Und dass nicht alle überleben könnten, sei er sich sicher. Beispiele dafür sehe man bereits jetzt am Markt: die Pleite des Leihradanbieters Obike oder aber die Fusion von Daimlers Car2Go und DriveNow von BMW. Die Carsharing-Anbieter hatten monatelang über ein gemeinsames Mobilitätsunternehmen verhandelt und hoffen nun, zusammen stärker sein zu können.

Der Druck ist hoch

Zu der neuen Einheit wird auch die Daimler-Tochter MyTaxi gehören - und sie könnte sich künftig ebenfalls breiter aufstellen. Bisher können Nutzer über die App Taxen bestellen und bezahlen. Noch in diesem Jahr sollen in Südeuropa E-Scooter hinzukommen. Wo genau der Test mit den Tretrollern stattfinden soll, verrät das Unternehmen noch nicht. Bei Erfolg könnte der Service aber ausgedehnt werden.

MyTaxi wagt damit einen Schritt in einen Bereich, in dem der Druck hoch ist. Die US-Start-ups Lime und Bird fahren bereits in mehreren europäischen Großstädten. In Rekordzeit haben sie auf dem Papier Milliardenbewertungen erreicht, Investoren wie Uber und Google angezogen. Die beiden deutschen Start-ups Tier Mobility und GoFlash treten außerdem gerade in den Markt ein. Wer bestehen kann, ist völlig offen.


Lesen Sie auch: Nachzügler - VW steigt mit reiner E-Flotte ins Carsharing ein


Bei den Leihrädern hat die erste Pleite mit Obike nicht lange auf sich warten lassen. Konkurrent Ofo hat sich nach nur drei Monaten in Berlin vom deutschen Markt zurückgezogen. Mobike hingegen expandiert weiter. Künftig könnte das Unternehmen elektrisch angetriebene Gefährte bieten: Zumindest in China verleiht Mobike seit Kurzem E-Bikes über seine App. Mit bis zu 20 km/h sollen Kunden so leichter längere Strecken zurücklegen können.

Das wäre eine weitere Option, die den Wettkampf anfachen könnte. Und es könnte nicht die letzte sein. Emmy-Gründer Seither vermutet, dass es künftig auf den Straßen noch ganz neue Gefährte geben wird, mit denen niemand gerechnet habe. "Die E-Scooter hat schließlich auch niemand kommen sehen."

2 | 2

Mehr zum Thema