20.09.2018 
Rocket Internet kauft Aktien zurück, Aktie steigt

Samwer schreibt Gewinn, doch Profit seiner Start-ups bleibt aus

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Für den Start-up-Investor Rocket Internet geht ein gutes halbes Jahr zu Ende. Die Beteiligungen des CEOs Oliver Samwer hingegen verschieben ihre Aussichten auf Gewinne.

Die Börsengänge aus dem Portfolio lohnen sich für Oliver Samwer weiter. Sein Unternehmen Rocket Internet hat im ersten Halbjahr 2018 einen Gewinn von 297 Millionen Euro geschrieben.

Samwer investiert in Start-ups und will seine Anteile später mit Gewinn verkaufen. Zuletzt gelungen ist dem Unternehmer das mit den IPOs der selbst gegründeten Unternehmen Home24 , HelloFresh und der Beteiligung Delivery Hero . Rocket selbst verfügt weiter über viel Kapital, das es investieren kann: 2,1 Milliarden Euro.

Mit den Gewinnen kauft Rocket Internet nun erneut Aktien zurück. Wie Samwer am Donnerstagmorgen bekannt gab, wolle er in den nächsten Monaten bis zu 150 Millionen Euro ausgeben, um bis zu 3,6 Prozent der ausstehenden Aktien zu erwerben. Es gebe dann zwei Optionen: Entweder wolle man mit den zurückgekauften Aktien das Grundkapital herabsetzen, was die Zahl der Papiere reduzieren und so zu höheren Gewinnen pro Aktie führen könnte. Alternativ werde das Unternehmen sie für das Mitarbeiteroptionsprogramm nutzen. Derzeit kontrolliert Rocket 37,07 Prozent an der SE.


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Der Beschluss des Rückkaufprogramms hat den Aktienkurs am Donnerstag angetrieben: Die Anteile rückten um knapp 4 Prozent vor. In diesem Jahr haben die Rocket-Papiere bislang gut 27 Prozent gewonnen und zählen damit zu den besten MDax-Werten . Von ihrem Emissionskurs von 42,50 Euro ist die Aktie nach ihrem Absturz im Jahr 2017 jedoch noch weit entfernt.

Gleichzeitig gab Samwer Zahlen für ausgewählte Beteiligungen bekannt. Sein vor einiger Zeit gegebenes Versprechen, bis Ende 2017 mindestens drei seiner wichtigen Beteiligungen profitabel zu trimmen, bleibt dabei gebrochen. Stattdessen haben gerade erst der Möbelshop Home24, der Kochboxen-Versender HelloFresh und auch das Lieferdienstportal Delivery Hero die Aussichten auf Profite verschoben. Für Home24-Kunden war es laut Start-up zu heiß, um viel einzukaufen; die anderen beiden Unternehmen begründen den Schritt mit "Investitionen in das Wachstum".

Einziges Portfolio-Unternehmen mit einer knapp positiven Ebitda-Marge ist der Möbelshop Westwing: Sie lag bei 2,3 Prozent im ersten Halbjahr. Zuletzt kürzte das Start-up drei Märkte, offenbar in Vorbereitung auf den Gang an die Börse, den Westwing kürzlich ankündigte. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz des Start-ups um 22 Prozent auf 121 Millionen Euro.

Die Global Fashion Group - eine Gruppe der Zalando-Klone in Schwellenländern und Australien - steigerte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 535 Millionen Euro. Auf Eurobasis allerdings machen der Gruppe Währungseffekte zu schaffen: Da liegt das Wachstum nur bei 5 Prozent. Während die Bestellungen um 22,3 Prozent stiegen, lag der Verlust noch immer bei 39,1 Millionen Euro.

Sorgenkind des Portfolios scheint die afrikanische Online-Plattform Jumia zu bleiben, für die Rocket Internet nur noch das Umsatzwachstum bekannt gab und keine Verluste mehr, die in der Vergangenheit hoch waren. Oliver Samwer sagte in einem Telefonat mit Journalisten am Donnerstag, das Start-up werde versuchen, in den kommenden 24 Monaten erneut Kapital einzusammeln. Ob Rocket Internet sich auch an der Finanzierungsrunde beteiligen werde, ließ er offen.

Wie Samwer auch kürzlich im Interview mit manager magazin sagte, bestätigte er erneut, dass sich Rocket für Neugründungen in vielen Bereichen umsehe. "Bei den Sektoren sind wir offener als noch vor vier Jahren", so der CEO. "Software, Fintech, künstliche Intelligenz und Marktplätze" - das alles sehe man sich an.

Mit Material von dpa-afx

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