22.07.2019 
Der Karriere-Fragebogen von Stefan Menden

Was Traditionsfirmen von Start-ups lernen können

Von und

In der neuen Folge unserer Podcast-Reihe "Neue deutsche Karrieren" spricht Start-up-Gründer und Investor Stefan Menden darüber, warum er mittlerweile gerade Traditionsunternehmen digital fit machen will - und warum es in Deutschland immer noch zu viel "dummes Geld" gibt. Im mm-Karriere-Fragebogen verrät er uns seine Stärken, seine Ängste und seinen letzten Lustkauf:

Was machen Sie beruflich?

Ich bin "Unternehmensretter". Ich übernehme Unternehmen, die einen wertvollen Kern haben, aber aufgrund besonderer Herausforderungen mit den aktuellen Eigentümern nicht überlebensfähig wären. Typische Situationen sind Konzern-Spinoffs, verpasste Digitalisierung im Mittelstand oder Start-ups, denen Management oder Investoren weggebrochen sind.

Wie kam es dazu?

Ich habe selbst Digital-Firmen gegründet und aufgebaut, unter anderem das Deutschland-Geschäft von Secret Escapes. Dabei habe ich viel über digitale Prozesse, Kultur und Wachstumsfelder gelernt. Als Berater hatte ich vor langer Zeit das Handwerkszeug der Restrukturierung gelernt. Irgendwann wurden mir Unternehmen angeboten, die von unzeitgemäßen Kosten und Prozessen runterkommen mussten und denen neue Ansätze zum Wachstum fehlten. Diese Kombination von unternehmerischem Turnaround und Wachstumstrategie gab es im Markt nicht.

Warum sind Sie das immer noch?

Unternehmen aufzubauen, umzubauen und zu formen ist jedes Mal eine ganz einmalige und persönliche Herausforderung für mich. Turnaround ist wie Start-up - nur erwachsener. Die beteiligten Investoren oder Eigentümer, Mitgründer oder Management, Mitarbeiter und Partner zusammenzubringen und an einer Zukunft für das Unternehmen zu arbeiten, braucht eine tiefe Empathie auf der einen Seite und einen kühlen Kopf auf der anderen.

Wenn Sie das nicht geworden wären oder nicht hätten werden können - wofür würden Sie dann am liebsten arbeiten?

Mit 20 Jahren Erfahrung als Gründer und Manager im Online-Business dachte ich eigentlich immer, dass mein nächster Schritt wieder die Gründung eines Venture Capital finanzierten Start-ups sein wird. Doch ich sehe den VC-Markt heute kritischer.

Wo überlassen Sie nichts dem Zufall?

Beim Aufbau eines Teams von über 100 Mitarbeitern habe ich gelernt, wie wichtig Führung, Mitarbeiterauswahl und Kommunikation sind. In diese Themen investiere ich heute sehr viel Überlegung, Zeit und Ressourcen.

Was hat Ihre Kindheit geprägt, was Ihre Jugend?

Ich komme aus einem Unternehmerhaushalt. Hierher kommt sicherlich meine Leidenschaft zum ständigen Aufbauen. Ein Austausch in eine High School in die USA war damals ein Weckruf, dass die Welt größer ist als mein damaliger Horizont. Dafür, dass meine Eltern mir diese Möglichkeit bieten konnten, bin ich bis heute sehr dankbar.

Wann sind Sie am glücklichsten?

Wenn ich mit meiner Frau und meinem Sohn Zeit verbringen kann.

Und wann am besten?

Wenn eine nahende Herausforderung die Adrenalinausschüttung erhöht.

Welche drei Dinge sind unerlässlich, damit Sie arbeiten können?

Mitarbeiter, auf die ich mich verlassen kann, WLAN, guter Kaffee.

Ihr größter Erfolg?

Außer meine Frau zu heiraten: Das Team von Secret Escapes aufzubauen zu einem echten Herausforderer im Online-Tourismus.

Wie haben Sie das geschafft?

Zusammen mit meinem Mit-Geschäftsführer bei Secret Escapes, Ognjen Zeric, sehr viel Wert auf ein gutes Team und klare Führung zu legen.

Welchen Ihrer Charakterzüge mögen Sie an sich selbst am liebsten?

Ich höre oft, dass ich eine gewisse Ruhe in stressige Situationen bringe. Damit kann ich mich gut anfreunden.

Ihr Lieblings-Charakterzug bei anderen Menschen?

Ich schätze Hartnäckigkeit, Ehrlichkeit und Loyalität bei Menschen. Blender kommen bei mir nicht weit.

Was war Ihr jüngster Lustkauf ?

Eine Kiste toller Chardonnay.

Wovor haben Sie Angst?

Ich möchte inhaltlich nicht stecken bleiben in einem Thema - mir ist es wichtig, mich immer weiter entwickeln zu können.

Was tun Sie dagegen?

Ich suche immer neue Herausforderungen und verweile nicht im Alten.

Was ist Ihre nächste Herausforderung?

Ich koche für mein Leben gerne und möchte mich hier gezielter weiterbilden.

Womit kann man Ihnen eine Freude machen?

Eine Einladung zu einem guten Essen, ein guter Wein.

Woran glauben Sie?

Ich denke kritisch-rational. Da bleibt Platz für den Glauben an das Gute im Menschen, was sich sogar empirisch unerwartet gut belegen lässt.

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