14.08.2019 
Postmates CEO Bastian Lehmann

Dieser Deutsche will Uber an die Börse folgen

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2. Teil: Geschwindigkeit als Philosophie

Mit seiner deutschen Herkunft geht Lehmann in den USA indes nicht hausieren. Als amerikanisches Start-up sei vieles einfacher, erklärte er einmal. Und auch die Tatsache, dass in den USA größer und weniger in Schubladen gedacht wird, kam Lehman nach eigenen Worten zugute. "Wenn man in Deutschland solche Ideen hat, fragt doch jeder gleich: Bist du größenwahnsinnig?".

Auch seine eigene Mentalität dürfte ihm in den USA deutlich weniger Probleme bereiten als hierzulande. Als Lehmann relativ zu Beginn seiner CEO-Karriere Kundendienstmitarbeitern, die Probleme mit einer Kundin hatten schrieb, sie sollten dieser zu verstehen geben, dass sie sich "verpissen solle" - und diese Mail versehentlich bei ihr landete, entschuldigte sich Lehmann prompt - und bekam Vergebung.

Lehmann sei bissig. laut, dominant und kompromisslos , er fluche viel und sitze selten still, schrieb der SPIEGEL vor einigen Jahren in einem Porträt. Für "die ewige Langsamkeit" der alten Wirtschaftswelt habe er nur Abscheu übrig.

Geschwindigkeit und Ideenreichtum hat Lehmann mit seinem Start-up an den Tag gelegt. In 3500 Städten und bei einer halben Million Händler in den USA und in Mexiko ist Postmates mittlerweile präsent. Seine selbstständigen Fahrer liefern pro Monat fünf Millionen Sendungen aus. Postmates experimentiert mit autonomen Lieferrobotern und - in Kooperationen - mit selbstfahrenden Fahrzeugen.

Doch Geschwindigkeit ist nicht alles - und die Konkurrenz groß. Der Onlinehändler Amazon ist zwar vor Kurzem aus dem Geschäft mit Essenslieferungen ausgestiegen. Doch mit UberEats und DoorDash hat der einstige Lieferdienst-Pionier Postmates mittlerweile mächtige Konkurrenten, und zwar mit zuletzt deutlich tieferen Taschen.

So hat Doordash erst im Mai bei einer Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von mehr als zwölf Milliarden Dollar alleine 600 Millionen Dollar eingesammelt. Und zählt unter anderem Softbanks Vision Fund zu seinen Investoren.Zuletzt kaufte das Start-up für angeblich mehr als 400 Millionen Dollar den Konkurrenten Caviar von Square.

Mit Investments von bislang 681 Millionen und einer Bewertung von zuletzt 1,85 Milliarden Dollar nimmt sich Postmates dagegen regelrecht bescheiden aus.

Angeblich, so heißt es, soll Postmates sich bis vor Kurzem auch noch nach einem Käufer oder Partner umgesehen haben. Bislang allerdings ganz offensichtlich ohne Ergebnis.

Ob Lehmann letztlich tatsächlich den Gang an die Börse wagt, wo die Aktien von Uber und Lyft zuletzt deutliche Abschläge hinnehmen mussten, bleibt nach Einschätzung von Experten abzuwarten.

An Beweglichkeit hat es Bastian Lehmann bislang nicht gemangelt.

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