26.02.2019 
Erlaubnis für Elektroroller in Deutschland erteilt

So werden E-Roller diesen Sommer Deutschlands Städte verändern

Eine Meinungsmache von Patrick Setzer

4. Teil: Der bewusste Städter von morgen läuft oder fährt mit dem Roller zur U-Bahn

Der "Allgemeine Deutsche Fahrradclub" (ADFC) befürchtet in einer Stellungnahme "totales Chaos" auf den städtischen Radwegen und steht genau für die Haltung, die man nicht an den Tag legen darf. Den eigenen Besitzstand zu wahren und das unwahrscheinlichste Negativszenario ganz oben auf die Tanzkarte zu schreiben, ist sicherlich kein Beitrag für eine positive Gestaltung der zukünftigen Mobilität. Eine Analyse aus den USA vom November letzten Jahres zeigt, dass in Städten, die Fahrrad-Sharing-Dienste eingeführt haben, die Busnutzung pro Jahr um 1,8 Prozent gesunken ist, während die Nutzung des öffentlichen Schienenverkehrs parallel stieg.

Dies steht im Gegensatz zu Ride-Hailing Diensten wie Uber oder Lyft, die dazu beitragen, dass rund 1,5 Prozent der Fahrten pro Jahr aus dem öffentlichen Nahverkehr auf taxiähnliche Dienste mit Verbrennungsmotoren umsteigen und dafür sorgen, dass Städte wie New York oder Chicago noch mehr Verkehrs- und Luftprobleme bekommen. Hier sind, neben Elektrokleinstfahrzeugen, Ride-Pooling-Dienste wie BlaBlaCar, die die Auslastung von Fahrzeugen für weite Strecken oder Clevershuttle, die ein ähnliches Konzept innerhalb von Städten mit einer Elektroflotte umsetzen, gute Ansätze.

Wer nicht zur vom Umweltbundesamt benannten Gruppe der "klimabesorgten Klimasünder" zählen will, sollte geteilten Mobilitätslösungen im Zusammenspiel mit öffentlichem Nahverkehr und Zügen den Vorzug geben und Komfortnachteile in Kauf nehmen. Denn wer zwei Tonnen Stahl angetrieben durch einen Verbrennungsmotor durch die Stadt navigiert, um durchschnittlich 65 Kilogramm Mensch von A nach B zu transportieren, handelt nicht verantwortlich im Sinne von Greta Thunberg.

Vier Handlungsansätze für die Mikromobilität

1. "Just ship it": Schnelle iterative Lösungsansätze, statt jahrelangen Nachdenkens auf Basis von theoretischen Informationen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt dies für Unternehmen, aber ebenso für unsere Politik. Studien zu beauftragen, kostet Zeit und Geld. Und die Ergebnisse sind meist fern der realen Kundenanforderung.

2. "Ask for forgiveness later" ist keine Haltung: Ubers Weg, sich über Regelungen und Gesetze hinwegzusetzen und die Bevölkerung aus dem Blick zu lassen, hat sich nicht als erfolgreich herausgestellt. Wenn Start-ups früh alle Parteien der Mobilität im Blick haben, sind diese langfristig im Vorteil.

3. "Disruption testing" gilt auch für Städte: Die Veränderung früh erkennen und zügig Regelungen und auch Limits für Elektrokleinstfahrzeuge vorzunehmen stellt sicher, dass wir keine zweite Obike-Tragödie in Deutschland erleben.

4. "Digitale Transformation" beginnt bei uns Bürgern selbst. Auf Nachbarn zu zeigen ist leicht, selbst neue Wege zu gehen und die Komfortzone zu verlassen sind Chance und Aufgabe zugleich.

Patrick Setzer ist Gründer der digital entry GmbH und Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wieder.

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