26.02.2019 
Erlaubnis für Elektroroller in Deutschland erteilt

So werden E-Roller diesen Sommer Deutschlands Städte verändern

Eine Meinungsmache von Patrick Setzer

2. Teil: Wie sieht die E-Scooter Verordnung im Detail aus?

In vielen Ländern orientierte sich die Politik am Silicon Valley und ebnete E-Kleinstfahrzeugen schnell den Weg. Eine Folge war, dass Scooter die Städte maßlos überfrachteten und die Behörden dann schnell gegensteuern mussten.

Bei uns wurde auf politischer Ebene eine Geschwindigkeitsbegrenzung (beträgt nun maximal 20 Km/h), Versicherungspflicht (wird nun eingeführt, da aus Sicht des Ministeriums Straßenrowdys im Falle eines Unfalls identifizierbar sein müssen) oder Führerscheinpflicht (diese wurde nun aufgehoben) in Zusammenhang mit Elektrokleinstfahrzeugen diskutiert.

Wenn man bedenkt, dass Elektrofahrräder schneller fahren dürfen, aber keiner Versicherungspflicht unterliegen, ist das Ergebnis interessant. Das im Zusammenhang mit Elektro-Rollern und Elektro-Skateboards überhaupt Themenbereiche diskutiert wurden, die zur Folge hätten, dass man E-Scooter im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nicht mitnehmen dürfte, ist für Nicht-Politiker ohnehin nur schwer nachvollziehbar. Dabei müsste eigentlich schnell klar sein, dass eine Vorgabe, die den ÖPNV ausschließt an der Realität vorbeigeht.

Man sieht: Die Disruption des Automobilsektors geht nicht nur Konzerne an, sondern gibt auch der hiesigen Politik die Chance agile Trial-and-Error Lösungswege zu gehen.

E-Roller Einhörner und andere Start-ups scharren mit den Hufen

Die Anzahl an Start-ups, die im Frühsommer mit E-Rollern starten, wird viele überraschen. Mit dem Start von Bird, Flash, Hive, Lime, Spin, Tier, Voi, Wind und anderen stehen reichlich Start-ups in den Startlöchern. Die Produktqualität unterscheidet sich besonders im digitalen Bereich des Angebots, denn die meisten nutzen denselben ehemals amerikanischen Hardware-Hersteller Segway Ninebot, der 2015 vom chinesischen Unternehmen Xiaomi übernommen wurde.

Wenn die Eigenschaften von Produkten gleich sind, entscheidet der Preis. Den hat Lime, der First-Mover aus Kaliforniern, mit einer Freischaltgebühr pro Fahrt von 1 US-Dollar plus 15 bis 20 US-Cent pro Minute festgelegt. Bei einem Einkaufspreis von unter 300 US-Dollar für den Roller, teilweise zehn Fahrten pro Tag und Roller und dem Fakt, dass die Gefährte selbst als Werbetafel in der Straße genutzt werden, weshalb nur geringe Marketingkosten oben drauf kommen, amortisiert sich der Roller im besten Fall noch im ersten Monat.

Das sind Konstellationen, die Venture Capital Fonds lieben, weshalb Bird es schneller als keinem Start-up zuvor gelungen ist, innerhalb von weniger als einem Jahr eine Milliardenbewertung zu erzielen und somit ein Einhorn zu werden.

Ob Endkunden bei diesen niedrigen Kaufpreisen für ihren täglichen Weg zur U-Bahn tatsächlich immer wieder einen E-Roller mieten bleibt abzuwarten. Die Uhr kann man sicherlich danach stellen, wann das erste der oben genannten Start-ups sein Geschäftsmodell auf Skaleneffekte umstellt und die Freischaltgebühr kippt. Dann bekommt die Hockey-Stick-Businessplanung eine kleine Delle und aus Einhörnern werden Haflinger. Macht nichts, die können auch ganz gut galoppieren.

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