15.08.2018 
Diebold Nixdorf stellt sich zum Verkauf

Wie die Digitalisierung die Traditionsfirma Nixdorf frisst

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Der angeschlagene Geldautomatenhersteller Diebold Nixdorf stellt sich offenbar zum Verkauf. Der 2016 aus der Übernahme der Paderborner Firma Wincor Nixdorf durch den US-Rivalen Diebold entstandene Konzern sei auf der Suche nach Interessenten, berichtet der US-Fernsehsender CNBC unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Als mögliche Käufer seien der Rivale NCR und Finanzinvestoren wie Bain Capital im Gespräch, hieß es weiter. NCR ist die weltweite Nummer eins der Branche. Eine Übernahme von Diebold Nixdorf, der Nummer zwei auf dem Markt, könnte somit aus kartellrechtlichen Gründen schwierig werden.

Die Credit Suisse sei mit den Sondierungen beauftragt worden, berichtet CNBC. Die Gespräche seien aber noch nicht sehr weit fortgeschritten. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.

Aktie um mehr als 85 Prozent eingebrochen

Diebold Nixdorf steckt in einer schweren Krise. Erst Anfang August schockte der Konzern Aktionäre mit einer Gewinnwarnung: Der neue Vorstandschef Gerrard Schmid rechnet für 2018 nunmehr mit einem Verlust von 325 bis 365 Millionen Euro. Der Kurs der Aktie brach daraufhin ein, aktuell notiert das Papier nur noch bei 4,38 Euro - ein Minus von mehr als 85 Prozent im Vergleich zum Rekordhoch von knapp 35 Euro kurz vor der Übernahme durch Diebold im November 2015. Im Juni 2018 musste der Konzern sogar aus dem TecDax ausscheiden.

Heinz Nixdorf: Der Computerpionier legte 1952 den Grundstein für das Unternehmen
DPA
Heinz Nixdorf: Der Computerpionier legte 1952 den Grundstein für das Unternehmen

Diebold Nixdorf leidet unter dem Umbruch in der Geldautomatenbranche. In Ländern wie den USA oder Schweden spielt Bargeld eine immer geringere Rolle, so dass sich die Hersteller nach anderen Erlösquellen, etwa als Software- und Dienstleistungsanbieter umsehen müssen.

Den erhofften Wendepunkt sollte eigentlich die Fusion mit dem US-Rivalen Diebold bringen. Rund 1,9 Milliarden Dollar zahlten die Amerikaner für das Paderborner Unternehmen. Doch die kreditfinanzierte Übernahme ist noch längst nicht abbezahlt, derzeit weist Diebold Nixdorf Schulden in Höhe von 1,6 Milliarden Dollar aus.

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Nun müssen Vorstand und Aufsichtsrat also einen neuen Käufer finden, der das Unternehmen hoffentlich so umstrukturieren kann, dass es angesichts der veränderten Rahmenbedingungen überleben kann. Für Aufsichtsratsmitglied Alexander Dibelius, den ehemaligen Deutschland-Chef von Goldman Sachs, beinahe schon eine Lebensaufgabe. Schon bevor er 1993 zu Goldman Sachs wechselte, beriet er das Unternehmen als junger Consultant der Beratungsfirma McKinsey. Sollte Dibelius scheitern, steht der Konzern, dessen Grundstein 1952 von dem deutschen Computerpionier Heinz Nixdorf gelegt wurde, nach rund 70 Jahren vor dem Aus.

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