11.03.2020 
Geschäftsreisen in Zeiten von Coronavirus

So halten Sie in der Business Class besser Abstand

Ein Gastkommentar von Alexander Koenig

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Die Corona-Krise beherrscht mittlerweile unser Leben. Vielerorts sind Menschen in Panik - insbesondere auch wenn es um das Thema Reisen geht. So erreichte uns gerade erst die Meldung, dass eine US-Maschine umgeleitet wurde, weil ein Passagier nieste und hustete und andere Passagiere deswegen sehr rabiat wurden.

Am Ende hatte der Passagier nur eine Allergie. Man muss sich das einmal vor Augen halten. In den USA gibt es Stand 10. März circa 600 registrierte Infektionen. Wenn wir von einer 10-fachen Dunkelziffer ausgehen sind es 6.000. Das sind bezogen auf 327 Millionen Einwohner in den USA zwei auf eine Million. Trotzdem steht jeder, der erkältet ist, sofort unter Generalverdacht.

Coronavirus ist ernst zu nehmen, aber kein Grund zur Massenpanik

Damit will ich keineswegs sagen, dass man das Coronavirus nicht ernst nehmen muss. Es ist aber kein extrem gefährliches Virus, was die Mortalität angeht. So beziffert der Chef-Virologe der Berliner Charité Christian Drosten den Anteil tödlicher Verläufe einer Infektion auf 0,3 bis 0,7 Prozent. Der Kassenarztpräsident Andreas Gassen spricht davon, dass Corona "eher eine mediale als eine medizinisch relevante Infektion" sei.

Alexander Koenig
  • Copyright:
    Alexander Koenig ist Gründer von First Class & More (www.first-class-and-more.de), dem größten deutsch-sprachigen Beratungsportal für günstige Business und First Class Flüge sowie die optimale Nutzung von Vielflieger- und Hotelprogrammen. Zuvor war er viele Jahre als Unternehmensberater bei McKinsey und BCG tätig. In seiner Kolumne "Koenigs Klasse" greift er regelmäßig Themen auf, die für Vielflieger und -reisende interessant sind.

Tourismus mit am stärksten betroffen

Eine der am stärksten betroffenen Branchen der Corona-Krise ist der Tourismus. Bei Lufthansa fallen alleine im März 50 Prozent der Flüge aus. Die Hotels stehen vielerorts leer, denn neben den ausbleibenden Touristen fehlen vor allem auch die Geschäftskunden.

Viele denken, dass Reisen aktuell besonders gefährlich seien. Ich selber war in den letzten drei Wochen mehrmals in Abu Dhabi und Dubai, in Myanmar, Thailand, in Deutschland, der Schweiz und in Kürze auf den Seychellen. Wenn man nur nach der absoluten Anzahl der Corona-Fälle geht, dann war Deutschland mein mit Abstand "gefährlichster" Ort.

Jetzt werden manche sagen, dass aber beim Flug die Ansteckungsgefahr besonders hoch sei. In einer anderen Kolumne hatte ich bereits aufgeführt, was man beim Fliegen gegen eine Ansteckung tun kann. Einen 100-prozentigen Schutz hat man natürlich nie und es könnte der sehr unwahrscheinliche Fall eintreten, dass der Passagier neben einem infiziert ist.

In Business Class besser "geschützt"

Doch könnte man dem nicht entgehen, indem man zum Beispiel in der Business Class reist, wo die Sitzabstände deutlich größer sind? Business Class Sitze zeichnen sich durch viel Platz vor einem und je nach Konfiguration auch neben einem aus. Zudem ist ein neuer Trend, auch in der Business Class teils komplett verschließbare Suiten zu verbauen.

Die meisten Menschen denken jedoch, dass Business Class Flüge nur etwas für Reiche oder Geschäftsreisende sind. Doch die Preise sind in den letzten Jahren stark gefallen. Preise von weniger als 1000 Euro in Business Class sind keineswegs mehr unüblich. Und auch wenn man aktuell Meilen einlösen möchte, bieten sich einem Verfügbarkeiten wie selten zuvor.


Hier finden Sie alle Artikel aus der Königsklasse


Welche Business Class Produkte sich besonders eignen

Doch nicht jede Business Class erfüllt die Anforderungen, was Abstand zu Mitreisenden angeht.

Besonders viel Privatsphäre, die man sonst nur aus der First Class kennt, bietet Qatar Airways mit der Qsuite. Qatar Airways bietet sonst auch im A350, im A380 und in der B787 eine 1-2-1 Konfiguration an.

100-prozentige Sicherheit hat man nie

Natürlich ist man auch mit Abstand nicht zu 100 Prozent sicher, aber auch wenn man eine Straße überquert, kann etwas passieren. Ob sich ein bestimmtes Flugprodukt eignet, findet man in der Regel dann heraus, wenn man auf der Airline-Seite direkt bucht und dann bei der Sitzauswahl sieht, in welcher Konfiguration man fliegt. Allerdings muss man sich des Risikos bewusst sein, dass in manchen Fällen das Fluggerät noch einmal kurzfristig gewechselt werden kann.

Attraktive Hotelpreise

Wenn die Flugreise dann halbwegs "sicher" überstanden ist, bieten sich einem aktuell sehr attraktive Hotelpreise und die Möglichkeit, mit Hotels auch zu verhandeln. Denn selbst die teuersten Luxushotels können mit Auslastungen unter 50 Prozent nicht längere Zeit operieren. So gesehen sollte man die aktuelle Situation nicht nur als Krise, sondern auch als Chance sehen. Vielleicht bietet einem der Urlaub auch ein bisschen die Möglichkeit, das Thema Corona-Virus etwas zu verdrängen.

Mehr zum Thema